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| 10:47 Uhr

Auch Goldschatz größer
Das Vermögen der Bundesbürger steigt im Schnitt

 Die Bundesbürger konnten dank niedriger Arbeitslosigkeit und höherer Einkommen in den vergangenen Jahren mehr auf die Seite legen. Foto: Monika Skolimowska
Die Bundesbürger konnten dank niedriger Arbeitslosigkeit und höherer Einkommen in den vergangenen Jahren mehr auf die Seite legen. Foto: Monika Skolimowska
Frankfurt/Main. Aktien und vor allem Immobilien machen den Unterschied aus: Nach Daten der Bundesbank sind die Vermögen der privaten Haushalte weiterhin ungleich verteilt - auch wenn sie im Durchschnitt gestiegen sind. Von Friederike Marx und Jörn Bender, dpa

Das geht aus der Bundesbank-Studie „Private Haushalte und ihre Finanzen“ (PHF) hervor. Demnach gehören den reichsten zehn Prozent der Haushalte 55 Prozent des gesamten Nettovermögens - also des Vermögens abzüglich Schulden. Bei der vorherigen Studie 2014 waren es 60 Prozent. Die untere Hälfte der Haushalte muss sich unverändert mit mageren 3 Prozent begnügen. Der Rest des Nettovermögens ist im Besitz von 40 Prozent der Haushalte.

Nur wenige profitieren vom Immobilienboom

„Insbesondere die Nettovermögen von Immobilieneigentümern haben sich in Folge der gestiegenen Immobilienpreise erhöht“, heißt es im Bundesbank-Monatsbericht. Allerdings besitzen nur 44 Prozent der Privathaushalte in Deutschland Wohneigentum. An vielen Menschen geht der Immobilienboom somit vorbei. In anderen Euroländern, zum Beispiel in Italien oder Spanien, ist die Quote der Immobilienbesitzer mit zuletzt etwa 70 beziehungsweise rund 80 Prozent deutlich höher.

Insgesamt konnten die Bundesbürger dank niedriger Arbeitslosigkeit und höherer Einkommen in den vergangenen Jahren mehr auf die Seite legen. Zugleich profitierten sie von steigenden Aktienkursen und Immobilienpreisen. Abzüglich Schulden verfügten die Haushalte 2017 im Schnitt über ein Nettovermögen von 232.800 Euro. Das waren 18.300 Euro mehr als bei der Auswertung drei Jahre zuvor. Befragt wurden 4942 repräsentativ ausgewählte Haushalte.

Was der Medianwert aussagt

Weil die Durchschnittswerte stark durch Extremwerte beeinflusst sind, halten die Bundesbank-Experten eine andere Auswertung für aussagekräftiger: den sogenannten Medianwert. Er liegt in der Mitte, wenn man die Werte der Größe nach sortiert. Die Haushalte werden in eine reichere und eine ärmere Hälfte geteilt.

Der Medianwert liegt deutlich niedriger als der Durchschnittswert: Netto bei 70.800 (2014: 60.400) Euro. „In der Mitte und im unteren Bereich der Verteilung findet man kaum Haushalte mit Immobilieneigentum und Aktienbesitz“, erläuterte die Bundesbank.

Um zu den zehn Prozent der vermögendsten Haushalte in Deutschland zu gehören, waren im Jahr 2017 den Angaben zufolge gut 555.400 Euro nötig. Das waren knapp acht Mal soviel wie der Median. Der Medianwert ist in Deutschland weiterhin geringer als in anderen Ländern, für die vergleichbare Daten vorliegen. In Italien lag er zuletzt bei 126.000 Euro, in Österreich waren es 83.000 Euro.

In den vergangenen Jahren profitierten den Angaben zufolge allerdings auch Menschen, die zur Miete leben, sowie Haushalte, die zur vermögensärmeren Hälfte zählen, von gestiegenen Einkommen. „Sie versetzen diese Haushalte in die Lage, mehr zu sparen und verringern die Notwendigkeit neue Konsumentenkredite aufzunehmen“, heißt es in der Bundesbank-Untersuchung.

Regionale Unterschiede

Regional gibt es in Deutschland deutliche Unterschiede. So ist der Median im Westen mit 92.500 Euro etwa viermal so hoch wie im Osten (23.400 Euro). Grund sei vermutlich der geringere Anteil an Wohneigentümern in den neuen Ländern. Der höchste Medianwert findet sich in Bayern, Baden-Württemberg und Hessen mit 139.800 Euro.

Die Notenbank hat die Studie zum dritten Mal durchgeführt. 9710 Menschen ab 16 Jahren gaben Auskunft über ihr Vermögen: Haus und Auto, wertvolle Sammlungen und Schmuck, Guthaben auf Sparkonten, Bausparverträge, Aktien, Lebensversicherungen. Auf der Soll-Seite: Hypotheken, Konsumentenkredite, Kreditkartenschulden, Bafög-Schulden.

Wachsender Goldschatz

In Gold legen die Privathaushalte nur einen Bruchteil ihres Vermögens an. Doch der Goldschatz der Deutschen wächst, wie aus einer Studie der Reisebank hervorgeht: Privatleute in Deutschland besitzen demnach mittlerweile die Rekordmenge von 8918 Tonnen des Edelmetalls - davon gut die Hälfte (4925 Tonnen) in Form von Barren und Münzen, knapp 4000 Tonnen sind Schmuck. Diese Zahlen haben Forscher der Steinbeis-Hochschule für die Reisebank auf Basis einer repräsentativen Befragung von 2000 Erwachsenen errechnet. Seit der vorigen Erhebung dieser Art aus dem Jahr 2016 wuchs der Goldschatz der Privathaushalte um 246 Tonnen. Drei Viertel der Bundesbürger (74 Prozent) besitzen demnach Gold in Form von Schmuck, physisch in Form von Barren oder Münzen oder mittelbar über ein spezielles Wertpapier.

Rechnet man die Goldreserven der Bundesbank hinzu (Ende 2018: 3370 Tonnen), sind 6,5 Prozent der weltweiten Goldvorräte in deutschem Besitz. Würde man die gesamten 12.288 Tonnen auf einem Haufen sammeln, ergäbe sich ein Würfel mit einer Kantenlänge von rund 8,60 Metern. Zum Zeitpunkt der Fertigstellung der Reisebank-Studie Anfang April hatte dieser Goldschatz einen Wert von gut 458 Milliarden Euro.

Betrachtet man die Verteilung des Nettovermögens, so ist der Bundesbank-Studie zufolge die Ungleichheit im Vergleich zur vorherigen Befragung 2014 geringfügig gesunken. Ein eindeutiger Trend sei aber nicht erkennbar, folgert die Notenbank: „Nach wie vor ist Deutschland ein Land, in dem die privaten Vermögen ungleich verteilt sind.“