Bereits 1977 erschien der erste Star Wars Film in den Kinos. 41 Jahre und unzählige Star Wars Filme später, wurde 2018 endlich ein Tabletop-Spiel mit der Star Wars Lizenz veröffentlicht. Aber was genau ist eigentlich ein Tabletop-Spiel und was macht das Spielerlebnis so besonders, dass zahlreiche erwachsene Menschen mit kleinen Figuren spielen?

Was sind Tabletop-Spiele?

Tabletop-Spiele sind sogenannte „Konflikt-Simulations-Spiele“. Die Spieler versuchen mit Hilfe von Figuren auf einem Gelände einen Konflikt darzustellen und auszutragen. Die Geschichte dieser Art von Spielen ist dabei bereits sehr lang. Anfang des 19. Jahrhunderts entwickelte Baron von Reisswitz eine Art Tabletop-Spiel (Damals noch Kriegsspiel) um seine Offiziere in Strategiefragen zu schulen.

Rebellen-Miniaturen aus der Starterbox von Star Wars Legion
© Foto: Marcus Scheib
Heutzutage gibt es die unterschiedlichsten Strategiespielsysteme diverser Hersteller. Manche Systeme spielen im Mittelalter, andere in der Zukunft. Ein System befasst sich beispielsweise mit dem „Herr der Ringe“-und nun auch eines mit dem „Star Wars“- Universum. Doch neben der Kulisse unterscheiden sich die Spielsysteme auch in ihren Regeln und Mechaniken. Bei manchen Spielen treffen ganze Armeen mit hunderten von Miniaturen aufeinander. Wieder andere Systeme kommen mit wenigen Einzelhelden aus.

Aber Miniaturen, die auf einem Brett gegeneinander kämpfen. Das kennen Spieler auch von Brettspielen wie Masmorra oder Zombicide. Also …

… Worin unterscheiden sich Tabletop-Spiele von Brettspielen?

Auf den ersten Blick scheinen sich beide Genre sehr zu ähneln. Und tatsächlich. In den letzten Jahren haben sich beide Bereiche immer mehr angenähert. Es gibt Brettspielverlage die Tabletop-Spiele produzieren und Tabletop-Hersteller die Brettspiele herstellen. Games Workshop, der vermutlich bekannteste Hersteller von Tabletop-Spielen, hat beispielsweise mit „Warhammer Underworld“ und „Blitz Bowl“, Brettspiele veröffentlicht. Während Star Wars Legion von Fantasy Flight Games, einem Brettspielverlag, entwickelt wurde.

Jedoch gehen Tabletop-Systeme bei vielen Punkten einen Schritt weiter als Brettspiele.

1.) Tabletop-Spiele haben umfangreiche Regeln

Oftmals haben Tabletop-Spielsysteme umfangreiche Regelwerke.
© Foto: Marcus Scheib
Im Gegensatz zu Brettspielen haben Tabletop-Spiele oftmals viel umfangreichere Regeln. Es gibt für die verschiedensten Aktionen einer Miniatur Sonderregeln. Was auf den ersten Blick zwar den Einstieg in das Hobby erschwert, macht auf den zweiten Blick durchaus Sinn.

Ein Beispiel: Wenn eine Miniatur einen Berg hinter sich lassen möchte, kann der Spieler den Berg entweder durch klettern überwinden oder den langen Weg am Berg entlang nehmen. In vielen Tabletop-Spielen haben die Figuren Entfernungsangaben, mit denen sich eine Figur bewegen kann. Nun ist es jedoch verständlich, dass eine Figur nicht so schnell klettern wie laufen kann. Deshalb gibt es für die Aktion klettern Sonderregeln. Wieder eine Regel mehr. Nun kann es jedoch sein, dass die bewegte Miniatur ein Profikletterer ist. Dieser kann schneller klettern, als eine normale Miniatur. Und schon gibt es wieder eine Sonderregel.

Der große Vorteil an den vielen Regeln ist, dass das Spiel an Komplexität gewinnt. Die Spieler können strategisch denken, Vorteile und Nachteile einer Aktion abwägen und handeln erst dann.

Um jedoch einen Kompromiss zwischen „viele Regeln“ und „Einsteigerfreundlichkeit“ zu bieten, gibt es bei „Star Wars Legion“ die Einsteigerbox. Die Box enthält ein 24-seitiges und stark illustriertes Regelheft mit den Grundregeln des Spiels und vereinfachten Kampagnen für den Einstieg. So werden die Spieler langsam an das Spiel heran geführt. Später, wenn die Kampagnen komplexer werden und die Einheiten größer, können die ausführlichen Regeln in Form eines Nachschlagewerks auf asmodee.de/swlegion gedownloadet werden. Das sind aktuell 79 Seiten.

Aber halt! Stand da eben „wenn die Einheiten größer werden“? Genau. Denn das ist ein weiterer Unterschied.

2.) Bei Tabletop-Spielen gibt es viel zum sammeln

Wie in den meisten Tabletop-Spielsystemen gibt es auch bei Star Wars Legion einige Miniaturen zu sammeln. Auf dem Bild sind die Miniaturen der Rebellen aus der Starterbox.
© Foto: Marcus Scheib
Im Gegensatz zu Brettspielen ist ein Tabletop-Spiel mit dem Kauf einer Box nicht vollständig. Es gibt auch nicht nur ein, zwei Erweiterungen. Stattdessen erscheinen bei den meisten Herstellern regelmäßig neue Miniaturen, Fraktionen und Einheiten. Was vielleicht für Außenstehende wie Geldmacherei wirkt, macht aus einer taktischen Sicht wieder Sinn. Denn durch eine größere Auswahl an verfügbaren Miniaturen wächst die Auswahl mit der ein Spieler seine Armee zusammen stellen kann. So können die Spieler ihre Armeen auf ihren Spielstil anpassen. Oder ganz neue Taktiken mit neuen Einheiten ausprobieren.

In der Starterbox von „Star Wars Legion“ gibt es zwei Armeen. Die Rebeln (Rebellen?) und das Imperium. Genug also, um zu zweit das Spiel zu beginnen. Und je nachdem ob ein Spieler lieber Imperium oder Rebellion spielt, kann er seine Armee später entsprechend erweitern.

Doch Freunde von Strategie in Spielen aufgepasst: Es wird noch komplexer! Denn nicht nur die Zusammenstellung der Armee macht bei Tabletop-Spielen jede Partie anders, sondern auch das Gelände.

3.) In Tabletop-Spielen gibt es kein Spielbrett

Richtig gelesen. Tabletop-Spiele nutzen kein Spielbrett. Stattdessen kann das Spiel auf dem Tisch, auf dem Teppich oder auf dem Sofa gespielt werden. Am meisten Spaß macht es jedoch auf einer Modellplatte.

Diese Platten verfügen oft über modulares Gelände. Gebäude, Wälder und Seen, die beliebig auf dem Spielfeld verteilt werden können. Aber wo bekommen die Spieler solch Platten und Gelände her? Dafür gibt es entweder vorgefertigte Matten, die mit gekauften Gelände bestückt werden oder die Spieler bauen die Platten selbst. Denn das ist ein weiterer, wichtiger Bestandteil am Tabletop-Hobby:

4.) Modellbau ist ein wichtiger Aspekt am Tabletop-Hobby

Im Tabletop-Hobby wird nicht nur gespielt, sondern auch gebastelt, geklebt, konstruiert und vor allem viel bemalt. Tabletop-Spieler sind oft richtige Modellbauprofis. Die Spielfelder sind nicht selten wunderschöne, thematische Landschaften, die mit viel Fantasie und Kreativität erstellt wurden. Und das ist nicht nur schön für das Auge. Unterschiedliche Geländeteile benötigen unterschiedliche Bewegungsaktionen und bieten unterschiedliche Deckung für die Miniaturen. Das Spielfeld kann in jedem Spiel variieren. Die Spieler müssen sich dadurch in jeder Runde neu auf das Gelände einstellen.

Erste Geländeteile gibt es bei Star Wars Legion bereits in der Starterbox. Diese Barrikaden bieten eine halbhohe Deckung. Die Miniatur ist für den Gegner also sichtbar, jedoch bei einem Fernkampfschuss schwieriger zu treffen.
© Foto: Marcus Scheib
Aber nicht nur am Gelände basteln Tabletop-Spieler viel herum. Auch die Miniaturen wollen oft geklebt und bemalt werden. Denn holt man die Figuren erstmals aus der Verpackung bestehen diese meistens aus einzelnen, grauen Teilen. Der Spieler sollte vor dem Spiel also die Figuren erst einmal zusammenkleben. Und da eine graue Miniatur trist auf einer fantasievoll gestalteten Platte aussieht, bemalen viele Spieler ihre Figuren.

Natürlich ist das Bauen einer eigenen Platte und das Bemalen der Figuren keine Pflicht. Wenn ein Spieler nur am Spielen interessiert ist, ist das legitim. Aber für viele Menschen ist das kreativ werden ein weiterer, spannender Aspekt am Tabletop-Hobby

Im Punkt basteln macht es „Star Wars Legion“ den Spielern mit der Starterbox einfach. Zwar müssen alle Figuren geklebt werden, jedoch werden sie ohne Gussrahmen geliefert. Der Spieler muss die Figuren daher, anders als bei Games Workshop, nicht erst aus einem Rahmen heraus klemmen. Im Regelheft der „Star Wars Legion“ Starterbox gibt es eine ausführliche Anleitung, welches Teil bei welcher Miniatur wo festgeklebt werden muss. Lediglich ein guter Sekundenkleber sollte zu der Starterbox dazu gekauft werden.

Der Einstieg in das Tabletop-Hobby wirkt am Anfang ziemlich aufwändig und benötigt Zeit. Starterboxen wie die von „Star Wars Legion“ sind jedoch ein guter Einstieg in das Hobby. Und der Aufwand lohnt sich. Denn die Freiheiten, die den Spielern in Tabletop-Spielen geboten werden, kann ein Brettspiel in dem Umfang nicht bieten. Zu der spielerischen Komponente kommt der Modellbauaspekt hinzu, welcher das Spiel noch individueller gestaltbar macht.

In Teil II der Serie wird der Modellbauaspekt weiter unter die Lupe genommen. Wir kleben und bemalen die ersten „Star Wars Legion“ Miniaturen und werden eine modulare und platzsparende Spielplatte erstellen. Jetzt Teil II lesen

In Teil III der Serie werden die Regeln und das Spiel von „Star Wars Legion“ weiter betrachtet.

Dieser Artikel gehört zu unserer Serie Brettspiel-Test.