Bei dem Spiel Draftosaurus von Boardgame Box wird einem die Brettspiel-Mechanik, das “Draften” auf die einfachste Art näher gebracht.
Beim Draften werden Elemente eines Spiels (meist Handkarten) von Spieler zu Spieler gereicht. Dabei sucht jeder Spieler ein passendes Element aus und reicht die restlichen Elemente seiner Hand weiter. Dies geht meist über mehrere Runden. In diesem Spiel sind es aber keine Handkarten, sondern niedliche, kleine Holz-Dinos.
Für diese Rezension wurde uns das Grundspiel, welches 2020 auf die Empfehlungsliste zum Spiel des Jahres schaffte, sowie das Promo-Pack zur Verfügung gestellt. Außerdem bekamen wir noch die Erweiterungen “Marina” und “Aerial Show”, welche im Februar 2021 erschienen sind. Ich werde auf das Grundspiel ausführlicher eingehen und bei den Erweiterungen die Besonderheiten erklären.
Bei Draftosaurus gibt es eine Sommer- und Winterseite.
Bei Draftosaurus gibt es eine Sommer- und Winterseite.
© Foto: Sebastian Schubert

Spielprinzip

Grundspiel:

In dem Grundspiel sind die Dinos: Brachiosaurus, Spinosaurus, Tyrannosaurus Rex, Triceratops, Stegosaurus und Parasaurolophus enthalten. Von jeder Dinoart gibt es 10 Holz-Dinos. Entsprechend der Spieleranzahl werden so viele Dinos einer Rasse in den blickdichtem Beutel gegeben, wie in der Spielanleitung angegeben.
Jeder Spieler bekommt eine Dinopark-Platte. Dabei besteht diese aus zwei Seiten, der Sommer- und der Winterseite. Alle Spieler müssen sich für ein und dieselbe Seite entscheiden. Der Dinopark ist in die Bereiche: Wald-, Sand-, Café- und Toiletten-Bereich unterteilt.
Das Spiel wird in zwei Phasen geteilt. Zu Beginn jeder Phase zieht jeder Spieler sechs Dinos aus dem Beutel und nimmt diese verdeckt auf die Hand. Diese Dinos dürfen die anderen Mitspieler nicht sehen.
Der jüngste Spieler wird Startspieler und würfelt den Regelwürfel. Je nach Würfelseite müssen alle einen Dino ihrer Wahl entsprechend dem Würfelergebnis platzieren. So zeigt der Würfel an, ob der Dinosaurier entweder im: Wald-, Sand-, Café- oder Toiletten-Bereich platziert werden muss. Außerdem hat der Würfel auch noch die 2 Sonderbedingungen, dass der Dino in ein Gehege gesetzt werden muss, wo sich noch kein Dinosaurier befindet. Oder ein Dino muss in ein Gehege gesetzt werden, wo noch kein T-Rex vorhanden ist.
Pro Spielplan-Seite gibt es unterschiedliche Gehege. Jedes dieser Gehege hat eine andere Anforderung um Punkte zu erzielen. Wieviele Punkte pro Gehege erzielt werden können, ist auf dem Spielertableau gekennzeichnet.
So gibt es zum Beispiel auf der Sommerseite entsprechend viele Punkte, wenn man Dinos einer gleichen oder unterschiedlicher Art sammelt. Es gibt ein Gehege der Verliebten, wo immer zwei Dinos einer Art Punkte bringen. Oder auch das Gehege des Einzelgängers. Wobei es nur Punkte gibt, wenn ein Dinosaurier platziert wurde, welcher nur einmal im gesamten Park vorkommt.
Auf der Winterseite hingegen müssen zum Beispiel zwei verschiedene Dinosaurier platziert werden - in einer festgelegten Reihenfolge. Es gibt auch den Bereich der verliebten Dinos, aber dort sind sie von einer Brücke getrennt. Es gibt aber noch viele weitere Gehege-Arten.
Außerdem gibt es noch pro platziertem T-Rex einen extra Punkt.
Falls ein Spieler keinen Dino sinnvoll platzieren kann, kann dieser auch in den Fluss gesetzt werden, dafür gibt es immerhin noch einen Punkt.
Viele Dinosaurierarten kommen in Draftosaurus vor.
Viele Dinosaurierarten kommen in Draftosaurus vor.
© Foto: Sebastian Schubert

Nachdem ein Dino gesetzt wurde, werden alle übrigen Dinosaurier in der verdeckten Hand weitergereicht. Der Sitznachbar bekommt den Regelwürfel und ist somit neuer Startspieler. Wenn alle Spieler sechs Dinos gesetzt haben, ist die erste Phase zu Ende.
Im Anschluss beginnt gleich die zweite Phase, diese läuft genauso wie die erste Phase ab. Jeder Spieler muss also wieder sechs Dinos aus dem Beutel ziehen und das Draften geht von vorne los.
Haben alle Spieler 12 Dinos in ihrem Park platziert, ist das Spiel zu Ende. Nun zählen alle Spieler ihre Punkte zusammen. Wer die meisten Punkte hat, gewinnt Draftosaurus.
Die Erweiterungen für das Grundspiel können alle zusammen gespielt werden oder es kann optional entschieden werden, welche Erweiterung man dazu nutzen möchte.

Promo Erweiterung:

Die Regeln bleiben gleich, aber es gibt zwei neue Gehege, die mittels von zwei Plättchen auf das vorhandene Spielertableau vom Grundspiel gelegt werden.
Auf der Sommerseite können nun Punkte erzielt werden, wenn die Dinos gestapelt werden und ein Turm aus Dinos gebaut wird.
Auf der Winterseite können nun zwei verschiedene Arten platziert werden, für jedes weitere Pärchen dieser Kombination werden weitere Punkte erzielt.
Bei der Draftosaurus Promo-Erweiterung müssen die Dinos gestapelt werden.
Bei der Draftosaurus Promo-Erweiterung müssen die Dinos gestapelt werden.
© Foto: Sebastian Schubert

Marina Erweiterung:

Mit der Marina Erweiterung kommt nun eine neue Spezies hinzu, die Plesiosaurier. Diese Urzeitwesen lebten im Wasser. Zu den neuen Dino-Spielfiguren gibt es auch einen zusätzlichen, doppelseitigen Spielplan. Neben den anderen Dinosaurier im Beutel werden also auch noch die neuen Dinos untergemischt. Die Regeln bleiben vom Grundspiel gleich. Es kommt aber eine Sonderregel hinzu.
Wenn ein Plesiosaurier aus dem Beutel gezogen wird, wird dieser sofort in diesen Fluss gesetzt. Je weiter dieser Dino sich am Fluss entlang bewegt, umso mehr Punkte erhält der Spieler. Der Fluss ist in unterschiedliche Abschnitte mithilfe einer Brücke geteilt. Auf der Brücke sind die Dinos vom Grundspiel symbolisiert. Sobald einer von diesen Dinos in ein Gehege gesetzt wird, darf der Plesiosaurier ein Flussabschnitt vorrücken und erzielt somit zusätzliche Punkte.
Mit den beiden Erweiterungen kommen Plesiosaurier und Pterodactylen ins Spiel.
Mit den beiden Erweiterungen kommen Plesiosaurier und Pterodactylen ins Spiel.
© Foto: Sebastian Schubert

Aerial Show:

Bei der Aerial Show kommen Flugsaurier hinzu. Um genau zu sein Pterodactylen. Neben den zehn neuen Holzfiguren gibt es auch einen weiteren doppelseitigen Spielplan.
Die Besonderheit bei der Erweiterung ist, dass zu Beginn der Runde zwei Dinos aus dem Beutel gezogen werden und auf die “Ei-Felder” gestellt werden. Danach kommen zwei Flugsaurier pro Spieler in den Beutel. Sobald ein Spieler nun einen Pterodactylus zieht, können zusätzliche Funktionen freigeschaltet werden. Entweder kann ein Dino verwendet werden, der auf dem “Ei-Feld” stand. Dieser kann nun in ein Gehege von dem Grundspielplan platziert werden. Es besteht die Möglichkeit eine Runde den Regelwürfel zu ignorieren. Pro Spielertableau gibt es eine andere Dinoart, die einem Spieler zusätzliche Punkte bringen, wenn diese öfters gesammelt werden.

Fazit

Mein Lieblingsdinosaurier war schon immer der Parasaurolophus. Mich hat es gefreut, dass Boardgame Box diesen Dino mit in die Box gepackt hat. Dies ist natürlich nicht der Grund, warum ich dieses Spiel so gut finde. Draftosaurus sieht einfach knuffig aus und die Dino-Figuren aus Holz gefallen mir. Es ist schwierig, die Dinos im Beutel zu fühlen. Daher kann man sich nicht einfach die Dinos ziehen, die man benötigt. Zumal es durch das Draften irrelevant wird.
Draftosaurus ist schnell zu erklären, die Piktogramme sind sehr verständlich und eindringlich. Das Spiel bietet einige taktische Möglichkeiten, um Siegpunkte zu erzielen. Außerdem geht das Spiel sehr flott und es entsteht kaum Downtime (Wartezeit auf den nächsten Spielzug), da alle gewissermaßen gleichzeitig spielen. Daher ist dieses Spiel besonders gut für Familien geeignet. Insbesondere Kinder sollten ihren Spaß dabei haben. Aber auch in Erwachsenen-Runden ist es ein schönes Spiel, um den Brettspielabend zu beginnen oder zu beenden.
Obwohl es ein sehr entspanntes Spiel ist, könnte man sich dann doch ab und zu mal die Haare raufen, wenn andere Spieler einem die Dino-Figuren wegschnappen, die man selber gerne wollte.
Ich bin begeistert, dass der Draft-Mechanismus in einem familienfreundlichen Spiel Platz gefunden hat. Es spricht schon für sich, dass dieses Spiel auf der Empfehlungsliste stand und mittlerweile schon die vierte Auflage gedruckt wurde.
Die beiden Erweiterungen sind eine sehr nützliche Ergänzungen. Obwohl ich sagen muss, dass die Marina-Erweiterung aus meiner Sicht die einfachere und die Aerial-Show die herausfordernde Variante ist. Aber auf jeden Fall machen beide Sinn und bieten somit noch mehr taktische Möglichkeiten. Durch die unterschiedlichen Seiten, egal ob beim Grundspiel oder den Erweiterungen bietet Draftosaurus eine Menge Variationen, sodass keine Partie langweilig und der Anderen gleichen sein sollte.
Dieser Artikel gehört zu unserer Serie Brettspiel-Test.