So wird das Brettspiel “Villainous” gespielt

Im Spiel “Villainous” schlüpft jeder Spieler in die Rolle eines Disney-Bösewichts und versucht, einen finsteren Plan durchzuführen. Es geht jedoch nicht darum, wer am fiesesten ist, sondern wer sein Ziel am schnellsten erreicht. Dabei stellen sich den Schurken die bekannten Disney-Helden in den Weg.
Villainous - Material Hades
Villainous - Material Hades
© Foto: Marcus Scheib
Jeder Spieler hat ein eigenes Tableau, eine Figur, einen Kartensatz Bösewicht-Karten und einen Kartenstapel mit Schicksalskarten vor sich liegen. Während des Spiels nehmen sich die Spieler immer wieder Karten vom Bösewicht-Stapel. Hinter den Schicksalskarten verbergen sich die guten “Helden”. Diese werden von den Mitspielern gesteuert.
Ist ein Spieler am Zug, entscheidet er sich für einen der 4 Orte auf seinem Tableau und stellt seine Figur darauf. Da die Figur in jedem Zug wandern muss, ist ein Spieler nie 2 Runden in Folge am selben Ort.
Auf jedem Ort sind 4 Aktionen abgebildet, die der Spieler in beliebiger Reihenfolge aktiviert. Aktionen sind beispielsweise eine Karte ausspielen, Machtchips (eine Art Währung) erhalten oder Helden besiegen.
Villainous - Spielbereich Hades
Villainous - Spielbereich Hades
© Foto: Marcus Scheib
Durch das Ausspielen von Karten von der Hand können Handlanger oder Gegenstände an einen der 4 Orte gelegt oder Ereignisse ausgeführt werden. Dabei müssen die Kosten einer Karte mit Machtchips bezahlt werden.
Doch Bösewichte wären keine Bösewichte, wenn sie sich nicht gegenseitig in ihre Pläne pfuschen würden. Dafür gibt es die Aktion “Schicksal”. Nutzt ein Spieler diese Aktion, darf er sich einen beliebigen Mitspieler aussuchen und von dessen Schicksalskartenstapel eine Karte nehmen. Handelt es sich um einen Helden, wird dieser an einen beliebigen Ort auf dem Tableau des Mitspielers gelegt. Der Held blockiert 2 der 4 möglichen Aktionen an diesem Ort.
Hat sich ein Bösewicht einen Helden eingefangen, sollte er schnell versuchen, diesen zu besiegen. Nur so kann er wieder alle seine Aktionen freischalten. Um einen Helden zu besiegen, muss der Spieler seine Schergen an den gleichen Ort senden und mindestens die Stärke des Helden überbieten.
Die grundlegenden Regeln von “Villainous” sind schnell erklärt. Das besondere an diesem Spiel ist jedoch, dass jeder Bösewicht versucht ein eigenes Ziel zu erreichen. Die böse Königin will beispielsweise Schneewittchen vergiften. Um dieses Ziel erreichen zu können, sind die Kartendecks der Fieslinge grundverschieden und verlangen eine andere Spielweise.

Fazit zu “Villainous”

Villainous - Spieldecks
Villainous - Spieldecks
© Foto: Marcus Scheib
Villainous ist wirklich ein besonderes Spiel. Der Ansatz bekannte Bösewichte aus dem Disney-Universum zu spielen ist mindestens genauso spannend wie die Idee, dass sich jeder Fiesling anders spielt.
Aber “Villainous” hat aus meiner Sicht 3 klare Probleme. Das erste Problem ist die Zugänglichkeit. Obwohl ich bei einem Disney-Titel ein einsteigerfreundliches Spiel für eine breite Zielgruppe vermutet hätte, macht “Villainous” seinen Spielern den Einstieg nicht schwer, aber langwierig.
Villainous - Einstieg
Villainous - Einstieg
© Foto: Marcus Scheib
Bei einer ersten Partie sind die Grundregeln des Spiels zwar schnell erklärt, jedoch muss sich im Anschluss jeder Spieler intensiv mit seinem Charakter auseinandersetzen. Hier bietet das Spiel mit dem “Bösewichthandbuch” einen Leitfaden für jeden Charakter an. Das ist ein kleines Heft, in dem steht, welches Ziel ein Bösewicht hat und wie er gespielt werden muss, um dieses zu erreichen. Dieses Hefte sollten sich die Spieler vor dem Spiel durchlesen.
Zusätzlich empfiehlt es sich, dass die Spieler ihre Bösewichtkarten vorab kennenlernen. Nur so lässt sich ein ungefähres Gefühl für den Charakter erlangen und eine Strategie bilden. Diese lange Vorbereitungszeit kann am Tisch ein echter Stimmungskiller sein.
Eine weitere Schwäche des Spiels ist aus meiner Sicht die geringe Interaktionsmöglichkeit. Zwar können sich die Spieler durch die Aktivierung von Schicksalskarten gegenseitig Helden um die Ohren hauen, eine echte Interaktion ist das aber nicht.
Stattdessen fühlte sich das Spiel in unseren Partien stets wie folgt an: Ein Spieler ist an der Reihe und spielt alleine auf seinem Tableau Aktionen aus. Ist sein Zug vorbei, ist er dazu verdammt, still zu sitzen, solange seine Mitspieler ihre Aktionen machen. Je nach Spieleranzahl (das Spiel kann mit bis zu 6 Personen gespielt werden) und Kenntnisstand der Bösewichte kann das sehr lange dauern.
Doch das wohl größte Problem ist die fehlende Ausgewogenheit der Bösewichte. In meinen Partien habe ich die Box “Villainous - Böse bis ins Mark” gespielt. Zur Verfügung standen die drei Bösewichte Hades (Herkules), Dr. Facilier (Küss den Frosch) und die böse Königin (Schneewittchen). Gewonnen hat meistens Dr. Facilier. Und das lag vor allem am Zufall. Um mit Dr. Facilier zu gewinnen, benötigt der Spieler eine Kombination von Karten aus seinem Bösewichtstapel. Hat er diese gezogen, ist es nur eine Frage von kurzer Dauer, bis er gewinnt. Hat der Spieler die benötigten Karten von Beginn an (oder nur unwesentlich später) auf der Hand, endet das Spiel bevor es überhaupt anfing.
Villainous - Spielbereich Hades
Villainous - Spielbereich Hades
© Foto: Marcus Scheib
Dagegen hat Hades eine Mammutaufgabe. Er muss Titanen zum Olymp bringen. Dazu muss er das Glück haben, Titanen-Karten zu ziehen, sie anschließend am ganz linken seiner Orte ausspielen und Schritt für Schritt einzeln zum rechten Ort bringen. Eine sehr langwierige Aufgabe, selbst wenn sie nicht durch die Mitspieler gestört wird.
Das Spiel versucht durch spezielle Karten im Deck die Aufgaben leichter zu machen. Doch wirklich ausgewogen fühlte es sich trotzdem nicht an.
Dieser Artikel ist Teil unserer Serie Brettspiel-Test.