So wird das Brettspiel “My little Scythe” gespielt

Um das “Ernteturnier” zu gewinnen, gilt es, Trophäen zu ergattern. Es stehen insgesamt 8 unterschiedliche Trophäen zur Verfügung. Die Spieler können eine Trophäe erlangen, indem sie eine bestimmte Aufgabe erledigen. Beispielsweise “Sammel 4 Äpfel und bringe sie zum Schloss”, “erhalte 8 Freundschaften” oder “gewinne eine Kuchenschlacht”. Sobald ein Spieler 4 Trophäen gesammelt hat, gewinnt er das Spiel.
Jeder Spieler hat ein Paar aus Tierfiguren, die über den Spielplan, der Hauptstadt des Tierkönigreichs, bewegt werden. Zu Beginn befinden sich beide Figuren im Basislager außerhalb des Spielbereichs.
My little Scythe - Spielertableau
My little Scythe - Spielertableau
© Foto: Marcus Scheib
Zusätzlich haben die Spieler ein Tableau vor sich, auf dem Aktionen aktiviert werden können und die Trophäen liegen. Während des Spiels können die Spieler Äpfel und Diamanten einsammeln, Freundschaften gewinnen und Kuchen produzieren.
Ist ein Spieler am Zug, stellt er seine Aktionsfigur auf eine der 3 Aktionen seines Tableaus. Er hat dabei die Wahl zwischen “Bewegen”, “Entdecken” und “Fabrizieren”.
Beim “Bewegen” kann der Spieler beide seiner Figuren bewegen und dabei Äpfeln, Diamanten und Abenteuern begegnen . Äpfel und Diamanten können die Figuren einsammeln und mitnehmen. Abenteuer können bewältigt werden, um weitere Ressourcen und Freundschaften zu sammeln.
My little Scythe - Kuchenschlacht
My little Scythe - Kuchenschlacht
© Foto: Marcus Scheib
Entscheidet sich der Spieler auf ein Feld mit einem Mitspieler zu gehen, überfällt er diesen und verwickelt ihn in eine Kuchenschlacht. Der Kampf wird mittels eines Gebots ausgetragen. Jeder Spieler gibt verdeckt auf einer Drehscheibe an, wie viel Kuchen er in der Schlacht einsetzen möchte. Der Spieler, der den meisten Kuchen wirft, gewinnt.
Wählt der Spieler zu Beginn seines Zuges die Aktion “Entdecken”, sorgt er dafür das neue Ressourcen auf den Spielplan gelangen. Dazu wirft er 4 Würfel. Diese zeigen eine Ressource wie Apfel, Diamant oder Abenteuer an und die Region, in welche die Ressourcen gelegt werden müssen. Der Spieler selbst hat die Wahl, auf welche Felder der Region er die Gegenstände platziert. Legt er sie jedoch direkt auf ein Feld eines Mitspielers, erhält er dafür neue Freundschaften.
My little Scythe - Entdecken
My little Scythe - Entdecken
© Foto: Marcus Scheib
Mit der Aktion “Fabrizieren” kann der Spieler aus Äpfeln Kuchen backen, aus Diamanten Zauberkarten fertigen oder Verbesserungen für seine Aktionen gewinnen.
Mit Hilfe all dieser Aktionen versuchen die Spieler Aufgaben zu erledigen um Trophäen zu gewinnen. Sobald ein Spieler seine 4. Trophäe erhalten hat, ist jeder Mitspieler noch einmal dran. Anschließend endet das Spiel und der Spieler mit 4 Trophäen und den meisten Freundschaften gewinnt.

Das macht “My little Scythe” spannend

Während des Spiels hält “My little Scythe” einige spannende Überlegungen für die Spieler bereit. Das beginnt bereits am Anfang eines Zuges. Denn nicht jede der drei Aktionen auf dem Tableau stehen dem Spieler zur Verfügung. Es können lediglich jene zwei Aktionen verwendet werden, auf denen der Aktionsmarker nicht steht. Die Entscheidung für eine Aktion beeinflusst somit auch den nächsten Spielzug, in dem die gleiche Aktion nicht erneut verwendet werden kann.
Das Transportieren von Ressourcen stellt in “My little Scythe” zusätzlich eine spannende Herausforderung bereit. Denn die gesammelten Äpfel und Diamanten tragen die Figuren wortwörtlich bei sich und nehmen sie bei jedem Schritt mit - von einem Feld zum anderen. Dadurch werden die Figuren langsamer und sind profitable Opfer von Kuchenschlachten. Eine Überlegung kann es daher sein, die Ressourcen auf einem Feld liegen zu lassen und erst einzusammeln, wenn sie benötigt werden. Andererseits ist es dann jedem Spieler möglich, die zwischengelagerten Ressourcen einzusammeln.
Die Freundschaftsleiste führt zu weiteren Überlegungen. Ist ein Spieler freundlich und hilft seinen Mitspielern? Dafür kann er zwar eine Trophäe ergattern, jedoch erreichen die Mitspieler ihre Trophäen ebenfalls schneller. Ein Spieler kann sich auch entscheiden, fies zu spielen. Dann kann er Mitspieler in Kuchenschlachten besiegen und ihre Ressourcen mopsen. Ist der Spieler jedoch zu unfreundlich, sinkt sein Wert auf der Freundschaftsleiste und es kann ihm verwehrt werden, neue Trophäen zu gewinnen.
My little Scythe
My little Scythe
© Foto: Marcus Scheib
Eine der spannendsten Überlegungen steht jedoch bei einer Kuchenschlacht an. Denn hier gilt es den Gegner direkt einzuschätzen. Wie viel Kuchen besitzt er und wie viel ist er bereit in einer Schlacht zu opfern? Eine Entscheidungshilfe ist die Kuchenleiste. Hier wird angezeigt, wieviel Kuchen ein Spieler bisher produziert hat. Jedoch kann ein Spieler auch weitere Kuchen auf seinen Zauberkarten besitzen. Ein gewisses Restrisiko besteht also weiterhin.

Die Erweiterung “Kommt ein Kuchen geflogen…”

My little Scythe - Minis
My little Scythe - Minis
© Foto: Marcus Scheib
Mit “Kommt ein Kuchen geflogen” erhielt “My little Scythe” seine erste Erweiterung. Die größte Veränderung ist das Luftschiff “Kai”. Das Luftschiff bietet die Möglichkeit, Ressourcen wie Äpfel und Diamanten einzusammeln. So können Ressourcen bewegt werden, ohne dass die Figuren diese gefährlich mit sich herum tragen müssen.
Zu den 7 bisherigen Tierreichen werden 2 weitere hinzugefügt. Zusätzlich erhält jedes Tierreich eine neue Fähigkeit, die mit dem Luftschiff in Verbindung steht.
Eine Partie “My little Scythe” mit der “Kommt ein Kuchen geflogen …”-Erweiterung endet erst, sobald ein Spieler 5 statt der üblichen 4 Trophäen erworben hat.

Fazit “My little Scythe”

“My little Scythe” hat sich vorgenommen ein bekanntes Kennerspiel auf ein Familienspiel herunterzubrechen. Und das schafft es auch. Wer jedoch dank der niedlichen Optik sogar ein Kinderspiel vermutet, liegt falsch. Zwar ist die Thematik, das Material und auch die Umsetzung sehr zugänglich, einige taktische Überlegungen müssen dennoch getroffen werden.
My little Scythe - Spielbrett
My little Scythe - Spielbrett
© Foto: Marcus Scheib
Hinzu kommt die Spieldauer. Mit angegebenen 45 Minuten ist “My little Scythe” zwar wesentlich kürzer als der große Bruder mit 2 Stunden Spielzeit, aber auch eine dreiviertel Stunde kann für jüngere Kinder schon lang sein.
In größeren Partien ab 4 Spielern aufwärts, kann es zu längeren Wartezeiten zwischen den Zügen kommen. Ungeduldige Kinder könnten dabei die Lust verlieren. Die Altersempfehlung ab 8 Jahren ist also durchaus gerechtfertigt.
Ebenfalls ein Problem bei größeren Runden kann der Ressourcenüberfluss sein. Da viele Spieler viel erkunden, kommt es schnell dazu, dass die Spieler mehr Ressourcen haben, als sie brauchen. Der Anreiz einer Kuchenschlacht ist dadurch eher gering.
Als Kinderspiel eignet sich “My little Scythe” also nicht. Als Familienspiel in kleinen Runden kommt es jedoch voll in Fahrt und eignet sich perfekt, um jüngere Spieler an komplexere Brettspiele heranzuführen. Aber auch ältere Spieler werden, solange sie das knuddelige Design nicht abschreckt, ihren Spaß mit “My little Scythe” haben.
Ähnlich wie beim großen “Scythe” ist die Ausstattung des Spiels bombastisch. Die Figuren können angemalt werden. Eine Malanleitung liegt dem Spiel zusätzlich bei.
Perfekt in Corona-Zeiten: Für Einzelspieler gibt es eine Solo-Variante.
Dieser Artikel ist Teil unserer Serie Brettspiel-Test.