Und das obwohl Uwe Rosenberg eine sehr akademische Herangehensweise an seine Spiele hat. Das Thema ist zweitrangig und der Spielmechanik untergeordnet. Fasziniert Uwe Rosenberg eine Mechanik, gestaltet er gerne mehrere Spiele damit. So auch beim Titel “Nova Luna”, der es in diesem Jahr auf die Nominierungsliste zum Spiel des Jahres geschafft hat. Ein leicht zu erlernendes Spiel, mit einigen Kniffeln, die bei seinen Spielern für Gehirn Zwirbler sorgen. Entstanden ist das Spiel in Zusammenarbeit mit Corné van Moorsel.
Das Spiematerial von “Nova Luna” ist herrlich fantasievoll ausgeschmückt mit dem namensgebenden Mond. Doch der hat mit dem Spiel eigentlich nichts zu tun.

So wird “Nova Luna” gespielt

Zu Beginn des Spiels liegt lediglich die Monduhr mit 11 darum versammelten Plättchen und einer Mondfigur auf dem Tisch. Jedes Plättchen hat eine Farbe, einen Zahlenwert und unterschiedlich viele Aufgaben. Im Laufe des Spiels nehmen sich die Spieler Plättchen von der Monduhr und legen sie vor sich ab um möglichst viele Aufgaben zu erfüllen.
Aufgaben sind beispielsweise “Lege 3 türkisfarbene Plättchen an dieses Plättchen an”. Hat ein Spieler eine Aufgabe erfüllt, kann er sie mit einer seiner 20 Holzscheiben abdecken. Es gewinnt der Spieler der zuerst alle seine Holzscheiben auf Aufgaben legen konnte.
Nun wäre “Nova Luna” sehr leicht, wenn sich jeder Spieler uneingeschränkt Plättchen nehmen könnte. Dachte sich wohl auch Uwe Rosenberg und brachte die Mondfigur und die Monduhr ins Spiel.
Der aktive Spieler hat die Wahl zwischen den nächsten 3 Plättchen die vor der Mondfigur liegen.
Der aktive Spieler hat die Wahl zwischen den nächsten 3 Plättchen die vor der Mondfigur liegen.
© Foto: Marcus Scheib
Nimmt sich ein Spieler ein Plättchen, stellt er die Mondfigur in die freigewordene Kerbe. Der nächste Spieler darf sich nur eines der drei Plättchen nehmen, die vor der Mondfigur liegen.
Durch diesen Kniff ist die Auswahl der Plättchen limitiert. Doch die Spieler haben noch etwas zu bedenken, bevor sie sich ein Plättchen nehmen.
Die Rede ist von den Zeitkosten. Richtig: Jedes Plättchen kostet unterschiedlich viel Zeit und das im wahrsten Sinn des Wortes. Auf der Monduhr hat jeder Spieler einen Marker, der anzeigt, wie viel Zeit er bereits ausgespielt hat. Die Reihenfolge in der die Spieler an der Reihe sind, hängt von der Uhr ab. Es spielt immer der Spieler als nächstes, dessen Marker auf der Monduhr am weitesten hinten liegt. Hat sich ein Spieler für ein Plättchen entschieden, muss er seinen Marker um so viele Felder auf der Monduhr nach vorne bewegen, wie es die Kosten des Plättchen angeben.
In der Mitte der Plättchen liegt die Monduhr. Auf dieser wandern die Scheiben der Spieler. Der Spieler dessen Scheibe auf der hintersten Position ist, darf sich das nächste Plättchen auswählen. Seine Scheibe wandert die entsprechenden Zeitkosten des Plättchen nach vorne.
In der Mitte der Plättchen liegt die Monduhr. Auf dieser wandern die Scheiben der Spieler. Der Spieler dessen Scheibe auf der hintersten Position ist, darf sich das nächste Plättchen auswählen. Seine Scheibe wandert die entsprechenden Zeitkosten des Plättchen nach vorne.
© Foto: Marcus Scheib
Durch diese Kniffel beim Auswählen des Plättchens, kommen die Gedanken beim spielen schon ganz schön in Wallung: “Welche Farbe passt am besten zu meiner Auslage? Kann ich Aufgaben auf dem Plättchen zeitnah erfüllen? Nehme ich lieber das teure Plättchen und bin demnächst nicht mehr an der Reihe oder nehme ich das billige und kann gleich noch einen Zug spielen?”
Ist das Plättchen erst einmal gewählt, drehen sich die Gedanken weiter: “Ich könnte das Plättchen hier anlegen um sofort diese Aufgabe zu erfüllen oder hier um später 2 Aufgaben gleichzeitig abzufertigen”. Das kann schon ganz schön knifflig werden.

Fazit

Die Spielzeit von “Nova Luna” variiert maßgeblich durch die Spieleranzahl und die beteiligten Spielertypen.
Da gibt es beispielsweise den Optimierer. Sein Ziel ist es mit möglichst wenig Plättchen möglichst alle gelegten Aufgaben zu erfüllen. Ein schwieriges unterfangen das einiges an Gehirnschmalz erfordert. Und auch Zeit. Denn es ist fast unmöglich sich eine Langzeitstrategie bei “Nova Luna” auszudenken. Denn welche Plättchen mir als Spieler zur Wahl stehen weiß ich erst, wenn der Spieler vor mir sein Plättchen genommen hat. Ein Spiel mit verkopften Optimierern kann deshalb sehr lange dauern aber auch viel Spaß machen. Wenn man auf harte Kopfnüsse steht.
Aber auch der Sparfuchs hat Chancen “Nova Luna” zu gewinnen. Er nimmt die zur Verfügung stehenden Plättchen wie sie sind und versucht sich nicht zu viele Gedanken zu machen. Sein Augenmerk liegt vor allem auf günstigen Plättchen. Irgendwie lassen sich diese schon zielbringend an die eigene Auslage legen. Diese Taktik kann auch klappen und spielt sich schön zügig.
“Nova Luna” ist ein gutes Beispiel für Uwe Rosenberg Spiele. Die Mechanik steht im Vordergrund. Das Thema “Mond” hat mit dem eigentlichen Spiel nichts zu tun und ist frei ersetzbar.
Und zum anderen sind viele Mechaniken des Spiels nicht neu. Die Idee einem Plättchen eine Zeit zu geben, hat Uwe Rosenberg bereits bei seinem Spiel “Patchwork” verwendet. Und das erfüllen von Aufgaben auf Plättchen in dem diese an passende Nachbarn angelegt werden, stammt aus dem Spiel “Habitats” von Corné van Moorsel. Uwe Rosenberg verwendete einen sehr ähnlichen Mechanismus gleich noch mal im Spiel “Sagani”.
Nova Luna ist ein schönes Spiel für Spieler, die gerne Tüfteln und es mögen dabei im Wettrennen mit den Mitspielern zu stehen.
Dieser Artikel ist Teil unserer Serie Brettspiel-Test.