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| 14:52 Uhr

Modetrends
In Frack & Spitze: Ein Knigge zum Viktorianischen Vintage-Trend

Cottbus. Die Mode-Uhr läuft rückwärts: Vom Retrostil Bohemian bis hin zum Steampunk gibt es in Cottbus die unterschiedlichsten Vintage-Trends.

Letzterer Stil orientiert sich an der viktorianischen Mode und ist aktuell Thema einer Fotoausstellung im Cottbuser Blechen Carré.
Der Lausitzer Dampflok Club e.V. veranstaltet die Ausstellung mit dem Motto „Steampunk meets Dampfross“ gemeinsam mit dem Fotografenpaar C. und H. Stephan. Was das Dampfross ist, versteht sich von selbst. Aber was genau macht eigentlich den Steampunk aus?

Viktorianischer Vintage

Denkt man an die bewegte Periode der Viktorianischen Zeit, so erhält der Ausdruck Spitzenlook eine neue Bedeutung. Prächtige Schnürmieder, enge Korsetts, üppige Röcke, Rüschen und Spitze dominierten die damalige Frauenmode. Während Königin Viktorias Herrschaft trug die obere Schicht solche aufwendig verzierten Kleidungsstücke zum Ausdruck des eigenen Wohlstands. Von Petticoats bis hin zu Krinolinen, Westen bis hin zu Fracks und Gehröcken bis Kniebundhosen galt die Männer- sowie Frauenmode damals als Statussymbol. Hüte wie der Zylinder waren obligatorische Accessoires und Schmuckstücke wie hochwertige Premium-Uhren, die heute noch gebraucht zu finden sind, rundeten den Auftritt ab. Auf dieser Modeepoche basiert nicht nur der heutige Gentleman-Stil: Ab den 80ern entwickelte sich in Orientierung daran der Steampunk-Trend, der aus viktorianischer Perspektive in die Zukunft blickt.

Victorian Mourning Goes Gothic

Typisch viktorianische Mode trifft im Steampunk auf Elemente des Gothic- und Western-Stils. Vor allem die Gothic-Anleihen wohnten schon der damaligen Zeit in gewisser Hinsicht inne. Kunst und Kultur thematisierten im 19. Jahrhundert Morbides wie den Tod, obwohl die Zeit zugleich als Aufbruchsperiode galt. An der Schwelle zur Industriellen Revolution prägte trotz Zukunftsangst Fortschrittssehnsucht die Viktorianische Ära. Die damalige Kunst verarbeitete diese Ambivalenz in Form von Themen wie Vergänglichkeit. Als während der 80er der Gothic-Trend neu erblühte, zog das viktorianische Vergänglichkeitsbewusstsein viele Anhänger in seinen Bann. Die darauf basierende Vermengung von Gothic und viktorianischer Vintage fand im sogenannten Victorian Mourning einen Aufhänger. Dieses geschichtsträchtige Ereignis bezeichnet die elf Jahre lange Trauerphase, die Königin Victoria nach dem Tod ihres Gatten beging. Sie erschien damals nur noch in schwarzen Roben außer Haus. Der heutige Steampunk steht zwar auf Dunkel, aber Schwarz muss es nicht zwingend sein. Mit Braun, Metallic, Grün und Lila bewegt sich der heutige Trend in Richtung Dunkelbunt. Ganz in Schwarz zeigt man sich eher in der Subbewegung Gothic-Lolita.

Düstere Eleganz mit neuen Elementen

Knöpfe, Ösen und Haken an enggeschnürten Korsetts, Miedern und voluminösen Röcken: Die düstere Eleganz der viktorianischen Trauerphase prägt den heutigen Steampunk zwar, aber die Trendbewegung interpretiert die Mode von damals neu. Heute trägt man zur viktorianischen Mode Arbeiteraccessoires, setzt auf bequemere Schnitte und moderne Textilien. Dadurch wird Viktorianischer Vintage auch für Frauen tragbar, denen beim Ankleiden keine Zofen zum Schnüren zur Seite stehen. Trotz der historischen Bezüge ist heutiger Steampunk eher ein Retro-Futurismus, bei der sich Gründerzeitmode mit aufwändigen Accessoires zu genauso vergangenheitsinspirierten wie zukunftsorientierten Outfits ergänzt. Schweißerbrillen und Zahnradschmuck stehen Spitzentaschen, Schnürstiefeln und Medaillons gegenüber. Knotenohrringe baumeln an den Ohren und um den Hals hängen alte Maschinenteile.

Dass dieser Stil in „Steampunk meets Dampfross“ eine Hauptrolle spielt, liegt nichts ausschließlich an seinem Trendpotenzial. Die Cottbusser Ausstellung des Lausitzer Dampflock e.V. ist ein gemeinnütziges Projekt, das zur Rettung der LDC-Dampflokomotiven Fotokalender verkauft. Sogar, wer selber keine viktorianische Robe trägt, wird die Ästhetik der ausgestellten Fotomotive zu schätzen wissen.