Darum geht’s in „Grimms Wälder“

Auf dem Immobilienmarkt zählt nur eins: „Lage, Lage, Lage“. Und da die Lage im Märchenwald besonders schön ist, entscheidet sich der gierige König für ein neues Bauprojekt. Der Märchenwald soll mit Häusern zugepflastert werden! Da die berühmtesten Bauherren, die drei kleinen Schweinchen, mittlerweile etwas alt und wirr sind, werden kurzerhand die Nachfahren angeworben.

Diese Nachfahren sind die Spieler. Sie kämpfen darum, als erstes drei Häuser fertiggestellt zu haben. Dabei ist es egal, ob die Häuser aus Stroh, Holz oder Ziegel gebaut sind. Doch wer gewinnen will, sollte nicht nur schnell bauen können. Durch das Ausspielen von Fabeln kann mit Tricks und Bösewichten das Spiel zum eigenen Vorteil beeinflusst werden.

"Grimms Wälder" - Ein Spiel von Tim Eisner, erschienen bei Mirakulus
© Foto: Marcus Scheib

So wird „Grimms Wälder“ gespielt

„Grimms Wälder“ wird in Runden gespielt. Jede Runde ist in eine Sammel- und eine Bauphase unterteilt. In der Sammelphase müssen sich die Schweinchen Baumaterialien für Ihre Häuser besorgen. Dazu können sie entweder auf das Feld gehen, um Stroh zu sammeln, in den Wald ziehen, um Holz zu bekommen, in die Ziegelei wandern, um Stein abzubauen oder den Markt besuchen, um von allen Ressourcen etwas zu kaufen.

Zu Beginn einer Runde werden alle vier Orte mit einer vorgegeben Anzahl an Ressourcen aufgefüllt. Auf den Getreidefeldern gibt es zwar reichlich Stroh, dieses ist aber sehr instabil. Die Ziegelei liefert zwar wenige, jedoch stabile Ziegel.

An welchen Ort die Schweinchen ziehen, entscheiden die Spieler verdeckt, in dem sie eine ihrer Ortskarten auswählen. Erst wenn jeder Spieler sich für einen Ort (und gegebenenfalls eine Fabel) entschieden hat, werden die Karten aufgedeckt.

Sind an einem Ort Schweinchen, werden alle Rohstoffe an diesem Ort abgebaut. Sind mehrere Schweinchen am selben Ort, müssen die Spieler sich die Rohstoffe teilen. Es gilt daher zu Beginn der Sammelphase seine Mitspieler geschickt einzuschätzen. Wer benötigt welche Rohstoffe?

Tom mit dem orangenen Schwein entscheidet sich in die Ziegelei zu gehen. Da er alleine an diesem Ort ist, bekommt er alle 3 Ziegel. Nina mit dem lila farbigen und Mark mit dem grünen Schwein ziehen beide in den Wald. Sie müssen sich daher das Holz teilen und jeder bekommt nur 2 Hölzer.
© Foto: Marcus Scheib

Ein Beispiel: Tom mit dem orangenen Schwein entscheidet sich in die Ziegelei zu gehen. Da er alleine an diesem Ort ist, bekommt er alle 3 Ziegel. Nina mit dem lila farbigen und Mark mit dem grünen Schwein ziehen beide in den Wald. Sie müssen sich daher das Holz teilen und jeder bekommt nur 2 Hölzer.

Doch bevor die Schweinchen überhaupt irgendeinen Ort besuchen, können die Spieler noch jeweils eine Fabel auswählen. Die Fabeln können dem Spieler Vorteile bringen, Orte aufwerten oder Bösewichte aktivieren.

Hat sich jeder Spieler für seinen Ort und gegebenenfalls für eine Fabel entschieden, werden die Karten nacheinander aufgedeckt. Zuerst werden die Fabeln umgedreht. Ein einleitender Satz auf der Fabelkarte beschreibt, wann der Effekt wirkt. Danach erst offenbaren die Spieler den Ort, auf den sie ihr Schweinchen platzieren.

Tom (Orange) hat die Fabel Riesen auf den Markt geschickt. Tom vermutet, dass seine Mitspieler den Markt besuchen werden und möchte ihnen nichts gutes. Nina (Lila) und Mark (Grün) tappen voll in die Falle. Sie werden vom Riesen erwischt und müssen nach dem Sammeln ihrem Freund, zwei Fabeln und eine Ressource von jeder Sorte abgeben.
© Foto: Marcus Scheib
Tom (Orange) hat die Fabel Riesen auf den Markt geschickt. Tom vermutet, dass seine Mitspieler den Markt besuchen werden und möchte ihnen nichts gutes. Nina (Lila) und Mark (Grün) tappen voll in die Falle. Sie werden vom Riesen erwischt und müssen nach dem Sammeln ihrem Freund, zwei Fabeln und eine Ressource von jeder Sorte abgeben.

Sind die Fabeln ausgewertet und alle Schweinchen an ihrem Ort, werden die Ressourcen verteilt. Anschließend beginnt die Bauphase.

Jedes Haus besteht aus drei Bauteilen. Boden, Wände und Dach. Die Bauteile für die unterschiedlichen Häuserarten sind alle gleicht teuer. Da jedoch in der Sammelphase weniger Ziegel als Holz und weniger Holz als Stroh zur Verfügung stehen, ist ein Ziegelhaus am schwersten zu bauen.
© Foto: Marcus Scheib
In der Bauphase können die Spieler von ihren Ressourcen Gebäudeteile kaufen. Jedes Haus besteht aus drei Teilen. Dem günstigen Boden, den Wänden und einem teuren Dach. Die Häuser müssen von unten nach oben gebaut werden.

Wenn bei einem Haus eine Wand gebaut wird, darf sich der Spieler einen Freund nehmen. Freunde haben nützliche Fähigkeiten und können den Spielern helfen. Jedoch sind unterschiedliche Freunde unterschiedlich stark. Und da jeder Spieler nur einen Freund gleichzeitig besitzen darf, werden die Freunde zu einem zusätzlichen, taktischen Spielelement.

Bei „Grimms Wälder“ stehen unterschiedlich starke Freunde zur Verfügung. Jeder Spieler darf nur einen Freund gleichzeitig haben. Zieht ein Spieler einen neuen Freund, kann er sich entscheiden. Möchte er den Freund behalten, ablegen oder an einen Mitspieler verschenken. Bekommt ein Spieler einen Freund von einem Mitspieler geschenkt, muss er seinen bisherigen Freund ablegen. Durch diese Regeln werden auch die Freunde zu einem taktischen Bestandteil von „Grimms Wälder“.
© Foto: Marcus Scheib
Denn Freunde können auch verschenkt werden. Und bekommt ein Spieler einen neuen Freund geschenkt, muss er seinen bisherigen Freund ablegen. So kann es schnell passieren, dass ein Spieler einen eigentlich starken Freund ablegen muss, da er einen schwächeren Freund „geschenkt“ bekommt.

Eine Partie „Grimms Wälder“ endet nach der Runde, in der das erste Schweinchen drei Häuser fertiggestellt hat. Am Ende der Runde wird ausgewertet. Gibt es mehr als einen Spieler, der 3 Häuser fertiggestellt hat, gewinnt der Spieler mit den stabilsten Häusern.

Fazit zu „Grimms Wälder“

Das Grundprinzip von „Grimms Wälder“ ist simpel und schnell erklärt: Jeder Spieler entscheidet sich heimlich für einen der Orte und bekommt die dortigen Ressourcen. Stehen mehrere Spieler auf dem selben Ort, müssen sie sich die Baustoffe teilen. Aus den gesammelten Materialien werden die Häuser gebaut. In dieser sehr simplen Variante kann „Grimms Wälder“ auch mit sehr jungen Spielern gespielt werden.

Komplexität bekommt das Spiel durch Fabel- und Freundeskarten, mit denen die Spieler ihre Gewinnchancen erhöhen können. Durch die vielen Karten ist „Grimms Wälder“ sehr abwechslungsreich.

Bis zu 4 Schweinchen können eine Partie zusammen spielen. Je nach Anzahl der Spieler gibt es Sonderregeln. Beim Spiel zu zweit simuliert ein Würfel einen dritten Spieler. Dieser mopst zwar in jeder Runde Ressourcen von einem der drei Orte, kann jedoch keine Fabeln nutzen. Da so nur zwei Spieler Fabeln ausspielen, ist die Gefahr, einem Monster zu begegnen sehr gering.

Spielen drei Personen zusammen, werden keine Sonderregeln benötigt. In der vier Spielervariante kommt der Markt als zusätzlicher Ort hinzu.

Nicht nur für die Schweinchen gibt es detailreiche Miniaturen. Auch die Bösewichte sind gekonnt in Szene gesetzt.
© Foto: Marcus Scheib
Egal mit wie vielen Spielern gespielt wird - „Grimms Wälder“ macht Spaß. Und das liegt zu einem großen Teil auch am aufwändig produzierten Spielmaterial. Jedes Schweinchen und jeder Bösewicht hat eine eigene, detailliert modellierte Spielfigur. Und das, obwohl die Miniaturen der Bösewichte manchmal nur für Sekunden auf dem Spielfeld stehen.

Auch die Gestaltung der weiteren Spielmaterialien lässt keine Wünsche offen. Jede Karte, jedes Spielertableau und jeder Ort ist geschmückt mit märchenhaften Illustrationen voller kleiner Details und Anspielungen auf die verschiedensten Märchen.

Diese Liebe zum Detail geht sogar bis in die Spielbox hinein. Ich habe noch nie ein so gut ausgestaltetes Boxinneres gesehen. Für jede Figur, jede Karte, jedes Spielteil gibt es einen eigenen, gut ersichtlichen Platz.

Obwohl dieses wunderschöne Spielmaterial ein wichtiger Bestandteil des Spielerlebnis ist, macht es das Spiel auch sperrig. Doch ersetzt man die Spielfiguren mit Markern und lässt die Spielertableauts zuhause, funktioniert „Grimms Wälder“ auch als kompaktes Reisespiel.

„Grimms Wälder“ ist ein Spiel von Tim Eisner und erscheint auf Deutsch beim Mirakulus Spieleverlag. In der Spiele-Schmiede, eine Crowdfounding-Plattform für deutschsprachige Brettspiele, ist bereits das nächste Spiel im Märchenreich in der Finanzierung. „Grimms Maskerade“ ist ebenfalls von Tim und Ben Eisner. Die Spieler sind Gäste auf einem Maskenball im Schloss des Biests. Versteckt hinter einer Maske gilt es zu erraten, wer die Mitspieler sind und selbst nicht aufzufliegen. Die Liebe zum Detail und die schönen Illustrationen scheinen auch in diesem Spiel wieder stattzufinden.

Dieser Artikel gehört zu unserer Serie Brettspiel-Test.