Im 19. Jahrhundert war Amerika der Sehnsuchtsort vieler Europäer. Ungeahnte Freiheiten lauerten in dem neu entdeckten Land. Doch einmal mit dem Schiff angekommen, standen die abenteuerlustigen Reisenden oft vor den Fragen: „Wie geht’s weiter?“, „Wie verdiene ich mein Geld?“ und „Wie mache ich mir einen Namen?“.

Darum geht’s in „Western Legends“

Vor genau diesen Fragen stehen die Spieler am Anfang von „Western Legends“. Denn dieses Spiel presst seine Spieler nicht in vorgefertigte Rollen. Stattdessen lässt es ihnen eine große Auswahl an Aktionsmöglichkeiten, um sich einen Namen zu machen. Je nachdem für welche Aktionen sich der Spieler entscheidet, kann er ein gejagter Bandit auf dem Wanted-Pfad, ein Gesetzeshüter auf dem Marshall-Pfad oder einfach ein fleißiger Bürger werden. Doch Vorsicht - auch die Mitspieler wollen zur größten Legende im Wilden Westen werden. Und so sind Reibungen vorprogrammiert.

Western Legends
© Foto: Marcus Scheib

So wird „Western Legends“ gespielt

„Western Legends“ kann von 2 bis 6 Spielern gespielt werden. Zu Beginn einer Partie erhält jeder angehende Western-Bewohner einen Charakter mit Miniatur und Startinventar. Je nach Charakter ist der Spieler zu Beginn gegebenenfalls auf dem Wanted- oder Marshall-Pfad unterwegs. Billy the Kid startet selbstverständlich mit einer kriminellen Laufbahn. Wenn das Spielfeld aufgebaut ist, alle Spielmaterialien bereit liegen und jeder Spieler einen Charakter hat, kann es losgehen.

Der rote Spieler hat die Zielmarke von 15 Legendary Points erreicht. Die aktuelle Runde und eine zusätzliche Runde werden noch gespielt. Dann wird ausgewertet. Der Spieler mit den meisten Legendary Points gewinnt. Weiß und Blau haben somit noch eine gute Chance zu gewinnen.
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Ziel des Spiels ist es am Ende die meisten Legendary Points (LP) zu besitzen. Das Spielende wird eingeleitet, sobald ein Spieler die vorher festgelegte Anzahl an Legendary Points überschreitet. Anschließend wird noch die laufende und eine zusätzliche Runde gespielt. So haben am Ende alle Spieler gleich viele Züge.

„Western Legends“ wird in Runden gespielt. Die Spieler sind im Uhrzeigersinn, nacheinander dran. Zu Beginn seines Zuges kann sich der aktive Spieler entscheiden, ob er $20, 2 Pokerkarten oder eine Pokerkarte und $10 haben will. In seinem Zug kann der aktive Spieler 3 Aktionen ausführen.

Zur Wahl stehen Aktionen auf dem Spielbrett wie beispielsweise Bewegen, Duellieren, Einkaufen, Goldschürfen oder Poker spielen. Aber auch manche Karten auf den Händen der Spieler haben Aktionen die gespielt werden können.

LR-Brettspieltest: Western-Spezial „Western Legends“-Diese Aktionen stehen den Spielern zur Verfügung.

Je nachdem für welche Aktionen sich ein Spieler entscheidet, kann seine Karriere beeinflusst werden. Raubt ein Spieler die Bank aus, überfällt Mitspieler oder klaut Rinder, erhält er Wanted-Punkte. Durch diese Punkte wird die Karriere auf dem Wanted-Pfad fortgesetzt. Die Karriere des Banditen verspricht den schnellen Sieg. Es winken regelmäßige Legendary Points. Es droht jedoch auch die Verhaftung durch den Sheriff oder einen Marshall. Einmal verhaftet kommt der Bandit in das Gefängnis und verliert alle Fortschritte auf seinem Wanted-Pfad. Er kann sich in seinem nächsten Zug neu entscheiden, welchen Karriereweg er gehen möchte.

Um schnell zur Legende im wilden Westen zu werden, können die Spieler den Marshall- oder den Wanted-Pfad nutzen. Der Wanted-Pfad verspricht den schnellen Erfolg ist aber auch sehr risikoreich. Beim Marshall-Pfad führt der stetige Fleiß zum Ziel.
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Verhaftet ein Spieler einen Banditen oder hütet Rinder, schlägt er eine Karriere als Marshall ein. Hier winkt nicht der schnelle Sieg, aber eine faire Bezahlung, gelegentliche Legendary Points und weitere LP´s am Ende des Spiels. Der Marshall-Pfad kann jederzeit durch eine illegale Tätigkeit verlassen werden. Der Spieler schlägt dann den Wanted-Pfad ein.

Western Legends kann auch gespielt werden ohne einen der beiden Pfade einzuschlagen. Denn Legendary Points können ebenso beim Goldschürfen oder im Varieté gewonnen werden. Wenn sich jedoch jeder Spieler für diese Spielweise entscheidet, macht Western Legends nicht wirklich viel Spaß.

„Billy the Kid“ duelliert sich mit „Blutiges Messer“. „Blutiges Messer“ gewinnt und erhält dafür 2 Legendary Points.
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Besonders reizvoll sind die Kämpfe in Western Legends. Im Laufe des Spiels kann gegen den Sheriff, Banditen, den Security-Mann der Bank oder gegen Mitspieler gekämpft werden. Doch egal wer der Gegner ist - der Kampf wird in einem Kartenstechen ausgetragen. Dafür nutzen die Spieler ihre Pokerkarten. Die Pokerkarten zeigen jedoch nicht nur die bekannten Farben und Zahlen, sondern auch Reaktionen. So kann es zwar sein, dass der Gegner eine stärkere Karte spielt, diese jedoch durch eine Reaktion oder einen anderen Modifikator geändert wird. So kann man sich nie des Sieges sicher sein.

Neben ihrer normalen Funktion als Pokerkarten, haben die Karten in „Western Legends“ auch Zusatzfunktionen.
© Foto: Marcus Scheib

Die Pokerkarten der Spieler kommen jedoch nicht nur in den Kämpfen auf den Tisch. Auch beim Pokerspiel im Saloon können sie verwendet werden. Das Pokerspiel im Saloon läuft ähnlich einem richtigen Pokerspiel ab. Jedoch wird nur der Flopp gespielt. Es werden also nur drei Karten aufgedeckt. Die Spieler wählen dann zwei Karten aus Ihrer Hand aus, mit denen sie eine möglichst gute Kombination spielen können.

Fazit zu „Western Legends“

Jedes Jahr erscheinen hunderte von neuen Spielen. Oftmals bekommen die Spieler jedoch eine bereits bekannte Spielerfahrung in neuem Gewand oder mit einer kleinen Raffinesse angeboten. Komplett neue Konzepte gibt es selten.

„Western Legends“ traut sich und geht einen neuen Weg. Es gibt seinen Spielern lediglich ein Ziel vor. Um dieses Ziel zu erreichen, gibt es sehr viele Möglichkeiten. Western Legends ist somit eher eine Sammlung von kleinen Spielen, die durch Mechanismen miteinander verbunden sind.

Durch die vielen verschiedenen Möglichkeiten ist das Spielerlebnis für jeden Spieler anders. Partien in denen Marshalls und Banditen in Konkurrenz zueinander treten, können sehr spannend werden. Ähnlich wie bei Risiko kann sich solch eine Stänkerei als sehr emotional gestalten.

In „Western Legends“ können die Spieler sich einen Charakter auswählen. Jeder Charakter hat einen historischen Hintergrund. Dieser ist auf der Charakterkarte vermerkt.
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Eine Partie in der die Spieler jedoch „nur“ brave Bürger sind, Goldschürfen und keinen der beiden Karrierewege nutzen, wird vermutlich sehr langweilig werden.

Die Regeln und Mechaniken von „Western Legends“ sind einfach und schnell zu verstehen. Durch die hohe Anzahl an “Mini-Spielen” ist das Regelwerk dennoch etwas umfangreich. Für jeden Spieler ist ein Blatt mit Regelzusammenfassungen vorhanden. Das Regelheft sollte in den ersten Partien dennoch nicht zu weit weg gelegt werden.

Jeder Spieler erhält zu seinem Charakter ein passendes Tableau. Auf diesem ist Platz für Inventar, Geld, Goldnuggets und Reittier. Die Lebensanzeige am unteren linken Rand, gibt ebenfalls an, wie viele Pokerkarten ein Spieler auf seiner Hand haben darf.
© Foto: Marcus Scheib
Wurden ein paar Runden gespielt und die Spieler sehnen sich nach neuen Spielmöglichkeiten, können die Erweiterungen “Ante Up”, “Der Gute Der Böse und Der Schöne” und “Eine Handvoll Extras” erworben werden. So kommt beispielsweise ein Zug ins Spiel der überfallen werden kann.

„Western Legends“ ist ein geniales Spiel und perfekt für Spielgruppen, die sich nach einem komplett neuen Spielerlebnis sehnen. Wie bei den meisten Kennerspielen sollte sich die Spielgruppe jedoch die Zeit für eine Kennlernrunde nehmen.

Dieser Artikel gehört zu unserer Serie Brettspiel-Test.