Mit den Kunstwerken der lieben Kleinen ist das so eine Sache. Sollten Eltern Kinder für jedes Gekritzel loben oder ehrlich sagen, wenn es ihnen nicht so gefällt oder sie auf den Bildern überhaupt nichts erkennen können?

„Weder das eine noch das andere“, findet Nicola Schmidt. Stattdessen hat die Erziehungsexpertin einen Trick parat. „Wichtig ist, die Sachen nicht zu bewerten. Dann muss man auch nicht lügen. Stattdessen sagen wir, was wir sehen oder empfinden“, rät die Buchautorin von „Erziehen ohne Schimpfen“.

Zeichnungen beschreiben und nicht bewerten

So könne man sagen: „Oh, da sind ja so viele Farben verteilt“ oder „Ach, das sind ja so viele Linien, da wird mir ja ganz schwindelig wie in einem Karussell“. Eine andere Reaktion könne auch sein: „Ah, ein Delfin. Den kann ich schon viel besser erkennen als beim letzten Mal.“ Man könne die Sache noch ausbauen und erklären: „Da kann man richtig erkennen, dass du Spaß hast. Wenn der Delfin jetzt noch einen Zacken bekommt, erkennt man ihn noch besser.“

Bleibt die Frage, was man mit den ganzen Kunstwerken macht: Aufheben für die Ewigkeit oder nach der Marie-Kondo-Methode verfahren und sagen: Du hast mich glücklich gemacht, aber jetzt ist es Zeit zu gehen? Nicola Schmidt rät, nur einige Zeichnungen aufzuheben: „Zum Beispiel drei Bilder, auf denen die ersten Köpfe zu erkennen sind, und das erste Pferd, das nach Pferd aussieht“, schlägt sie vor.

Keine Bilder heimlich wegschmeißen

Bei größeren Kindern sollte man das Kind mit einbeziehen. Sagt es „alle aufheben“, müsse man das auch tun. Dabei warnt Schmidt: „Eltern sollten dann auch nichts heimlich wegschmeißen. Denn Kinder erinnern sich daran.“ Dabei könne allerdings auch schon die richtige Fragestellung entscheidend sein. Wer das Gespräch mit „Wollen wir mal ein paar Gemälde aussortieren?“ beginnt, habe schon verloren.

„Stellen Sie keine Fragen, auf die ein "Nein" keine Option für Sie ist“, warnt die Expertin. Schlauer wäre daher: „Welche drei Bilder wollen wir behalten?“ Mit der Frage landen dann die drei schönsten aus jedem Jahr in einer Kunstmappe.

Nicola Schmidt hat noch einen Tipp dazu, wie Eltern die Kunstwerke zumindest nicht ewig aufbewahren müssen. „Weil die Mappe ja meist kein Kind mitnimmt, wenn es auszieht, kann man sie zu einem Kalender verarbeiten und erwachsenen Kindern schenken.“ Damit sind Eltern das Problem irgendwann los, und das Kind muss entscheiden, was aus den Kunstwerken wird.

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