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| 16:20 Uhr

Erbrecht
Auf einen Blick: alles, was bei der Abwicklung einer Erbschaft zu beachten ist

FOTO: Pixabay / rawpixel
Ob Geldbeträge, Wertpapiere oder Immobilien, der Antritt eines Erbes ist auch immer mit rechtlichen Notwendigkeiten verbunden. Doch was genau ist bei der Erbschaft zu beachten?

Erbschaft: Pflichten und Rechte im Überblick

Unter der Erbschaft werden alle Begrifflichkeiten zur Vermögensnachfolge nach dem Tod eines Menschen zusammengefasst. Schon beim Aufsetzen eines Testaments ist auf die richtige Terminologie zu achten, da bestimmte Formulierungen unterschiedliche rechtliche Bedeutungen haben können. So ist zwischen Erben und Vermächtnisnehmern zu unterscheiden.

- Der Erbe übernimmt den Nachlass des Erblassers. Diesen verwaltet er daraufhin genauso, wie es zu Lebzeiten der Verstorbene getan hat, mit allen Rechten und Pflichten, die dazugehören. Zusätzlich hat der Erbe allerdings auch Haftungsrisiken zu tragen, sofern der Nachlass verschuldet sein sollte. Wenn der Erbe sich nicht rechtzeitig vor der Haftung schützt, kann er mit dem eigenen Vermögen für den Nachlass haften.

- Der Vermächtnisnehmer hat gegenüber dem Erben einen Anspruch auf Herausgabe des Vermächtnisses, was ihm im Testament vom Erblasser vermacht worden ist. In den meisten Fällen ist der Vermächtnisnehmer nicht für die Verpflichtungen, die ein Erbe mit sich bringt, verantwortlich.

Weder Erben noch Vermächtnisnehmer müssen einer Erbschaft ausdrücklich zustimmen, sondern übernehmen den Nachlass nach der Testamentsvollstreckung automatisch in ihren Besitz.

Kompliziert wird es, wenn nicht nur eine Person erbt, sondern eine Erbgemeinschaft entsteht, die für die Verwaltung und die Aufteilung des Erbes verantwortlich ist. Hier ist es am Sinnvollsten, mit den weiteren Mitgliedern der Erbgemeinschaft eine einvernehmliche Vereinbarung über die Aufteilung des Erbes auszuhandeln.

Dieser sogenannte Auseinandersetzungsvertrag sollte - und wenn Immobilien vorhanden sind muss - noch notariell beglaubigt werden, um allen potentiellen Streitigkeiten in Zukunft über den Nachlass aus dem Wege zu gehen, die nach einem Todesfall sicherlich keiner haben möchte.

Erbanteile verkaufen: oft eine sinnvolle Option

Die Erbgemeinschaft bildet in rechtlicher Hinsicht eine Gesamthandgemeinschaft, das heißt jeder Gegenstand und jeder Wert des Nachlasses gehört allen Mitgliedern der Gesamthandgemeinschaft. Folglich muss bei jeder Entscheidung ein gemeinschaftlicher Konsens unter den Mitgliedern der Erbgemeinschaft gefunden werden, und das kann oft schwer werden sowie Streit nach sich ziehen. Wer dem Ganzen aus dem Weg gehen will, hat die Möglichkeit, seine Erbanteile zu verkaufen.

Dies ergibt Sinn, wenn beispielsweise Geschwister das Elternhaus erben und der eine Geschwisterteil in das Haus einziehen möchte. Ein Gutachter kann beispielsweise beauftragt werden, um den Wert des Hauses zu bestimmen, und der eine Geschwisterteil zahlt unkompliziert den anderen aus, um das Haus in seinen alleinigen Besitz zu überführen.

Leider läuft der Verkauf der Erbanteile oft nicht so reibungslos, wie es sich viele Menschen wünschen. Geld ist auch in den besten Familien ein empfindliches Thema und oft fühlen sich die Erben beim Kauf oder Verkauf von Erbanteilen innerhalb der Erbgemeinschaft übervorteilt. Um einem Erbstreit aus dem Weg zu gehen, können Erbanteile nach Erbantritt an dritte verkauft werden. Das Deutsche Erbenzentrum ist auf den Kauf von Erbanteilen spezialisiert und rät dazu, im Falle von Streitigkeiten innerhalb der Erbgemeinschaft die eigenen Anteile zu verkaufen. Sofern der Erbe keinen Käufer findet, unterstützt der Dienstleister bei der Suche nach einem Käufer.

Die eigenen Erbanteile können ohne Zustimmung und Benachrichtigung der Erbgemeinschaft verkauft werden. Jedoch haben die Mitglieder der Erbgemeinschaft ein gesetzliches Vorverkaufsrecht und können innerhalb von zwei Monaten in den Vertrag einsteigen - aber nur zu denselben Konditionen, für den verkaufenden Erben ändert sich also nichts. Der Vorteil hierbei ist der komplikationsfreie Austritt aus der Erbgemeinschaft bei Wahrung der eigenen finanziellen Interessen. Im weiteren Verlauf wird sich der Käufer der Erbanteile darum kümmern, eine finanzielle Übereinstimmung über das Erbe mit den weiteren Mitgliedern der Erbgemeinschaft zu finden. Dies kann dazu führen, dass jahrelange Erbstreitigkeiten beendet werden und wieder Frieden in das Familienleben einziehen kann.

Grundsätzlich gilt: Je mehr Kommunikation über die Erbschaft noch zu Lebzeiten des Erblassers stattfindet, desto leichter wird die Abwicklung einer Erbschaft. Rechtliche Folgen lassen sich rechtzeitig einschätzen und auch einem potentiellen Erbschaftsstreit unter den Erben kann aus dem Weg gegangen werden.