ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 04:34 Uhr

Arbeit mit allen Sinnen
Wie werde ich Sattler/in?

 Jasmin Kölle macht bei der Sattlerei Würtz in Brackenheim bei Heilbronn eine Ausbildung zur Reitsportsattlerin. Foto: Christoph Schmidt
Jasmin Kölle macht bei der Sattlerei Würtz in Brackenheim bei Heilbronn eine Ausbildung zur Reitsportsattlerin. Foto: Christoph Schmidt
Brackenheim. Wenn Jasmin Kölle an ihrer Werkbank sitzt, hat sie oft schwierige und zugleich schwere Arbeit vor sich. Die 24-Jährige macht eine Ausbildung zur Sattlerin - und ihre Leidenschaft gilt den Pferdesätteln. Von Verena Wolff, dpa

Das ist nicht selbstverständlich, denn die Ausbildung gibt es in drei Fachrichtungen: Reitsportsattlerei, Fahrzeugsattlerei und Feintäschnerei.

Arbeit fernab des Schreibtischs

Jasmin Kölle beschäftigt sich in erster Linie mit klassischen Sätteln, den Kontakt zu den Pferden hat sich von frühester Kindheit durch ihre Familie. „Die Pferde waren immer wichtig, aber ich wollte keine Berufsreiterin werden“, sagt die 24-Jährige. Nach dem Abitur entschied sie sich zunächst für ein Studium der Pferdewirtschaft in Nürtingen. Den Bachelor hat sie so gut wie abgeschlossen - und nun doch noch beschlossen, eine klassische Ausbildung zu beginnen. Sie mag die Kombination aus Kreativität und Handwerk in der Sattlerei. „Und der Bezug zum Tier ist auch da.“ Ein weiteres Plus für die 24-Jährige: Sie muss nicht am Schreibtisch sitzen.

Ähnlich sieht das ihr Chef Steffen Würtz, der seit vielen Jahren in Brackenheim bei Heilbronn eine Sattlerei betreibt. Er ist Fachobmann für den Reitsport im Bundesverband Fahrzeugausstattung und Reitsportausrüstung. Viel mehr als Noten und andere Formalitäten interessiert Würtz, ob Bewerber sich geschickt an Nadel und Leder anstellen. „Das ist kein hochtechnologisiertes Gewerk, sondern ein klassisches mit viel Tradition“, sagt er.

Den Umgang mit Leder lernen

In den seltensten Fällen fertigen Sattler heute noch komplett neue Sättel, vielmehr müssen sie bestehende reparieren oder anpassen. Ein kompletter Sattel ist ein Meisterstück, in dem 40 Stunden Arbeit stecken. Im Geschäft kostet er mindestens 4000 Euro, nach oben gibt es keine Grenzen. Kölle betont, wie viel Konzentration dafür nötig ist. Denn die Löcher für die Nähte müssen im Leder vorgebohrt werden. „Wenn man sich vertan hat, kann man nur noch versuchen, sein Werkstück zu retten“, erzählt die Auszubildende.

Das Gesellenstück ist daher ein Halfter oder ein Kopfstück. Zunächst gehe es in der Ausbildung darum, mit dem Werkstoff Leder umzugehen, Handnähte zu machen und mit den speziellen Maschinen zu nähen, erklärt Würtz. „Leder ist sehr komplex, keine zwei Stücke sind gleich. Das muss man mit allen Sinnen bearbeiten und auch eine gewisse Erfahrung haben.“

Auch angehende Fahrzeugsattler müssen das können und wissen - und doch ist die Arbeit eine komplett andere. „Die meisten Auszubildenden kommen über die Autoschiene in diesen Bereich, sie sind technikaffin“, sagt Dieter Augustin. Er ist Obermeister bei der Raumausstatter- und Sattler-Innung in Mittelfranken. Fahrzeugsattler beziehen etwa Ledersitze in alten Autos so, dass alle Technik noch funktioniert. Daneben stellen sie zum Beispiel Cabrioverdecke und Planen her und reparieren diese.

Bewerbungsvoraussetzungen und Vergütung

Bewerber sollten vor allem praktisches Verständnis vorweisen können. Von ihrem Schulwissen hat etwa Jasmin Kölle nicht allzu viel mit in die Ausbildung bringen müssen. „Die Fachbegriffe muss man ohnehin neu lernen, da fängt man bei Null an“, sagt sie. Etwas künstlerisches Talent sei gut, um die Werkstücke skizzieren zu können. „Und ein bisschen Mathe muss sein“, sagt ihr Chef.

Die Ausbildungsvergütung ist nicht überall tariflich geregelt. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit liegt sie etwa bei 480 bis 650 Euro im Monat, in der Industrie ist sie mitunter höher. Ausgebildete Fachkräfte verdienen im Schnitt etwa 2300 bis 3000 Euro pro Monat.

Berufsbild bei der Bundesagentur für Arbeit

 Jasmin Kölle hat ihren Bachelor in Pferdewirtschaft fast in der Tasche. Jetzt setzt die 24-Jährige noch eine Ausbildung zur Sattlerin obendrauf. Foto: Christoph Schmidt
Jasmin Kölle hat ihren Bachelor in Pferdewirtschaft fast in der Tasche. Jetzt setzt die 24-Jährige noch eine Ausbildung zur Sattlerin obendrauf. Foto: Christoph Schmidt FOTO: Christoph Schmidt
 Sattlermeister Steffen Würtz (l) schaut seiner Auszubildenden Jasmin Kölle bei der Arbeit an einem Sattel über die Schulter. Foto: Christoph Schmidt
Sattlermeister Steffen Würtz (l) schaut seiner Auszubildenden Jasmin Kölle bei der Arbeit an einem Sattel über die Schulter. Foto: Christoph Schmidt FOTO: Christoph Schmidt
 Jasmin Kölle ist angehende Sattlerin der Fachrichtung Reitsportsattlerei. Für die Arbeit am Leder sind Körpereinsatz und Geschick gefragt. Foto: Christoph Schmidt
Jasmin Kölle ist angehende Sattlerin der Fachrichtung Reitsportsattlerei. Für die Arbeit am Leder sind Körpereinsatz und Geschick gefragt. Foto: Christoph Schmidt FOTO: Christoph Schmidt
 Für die Nähte im Leder müssen zunächst Löcher vorgebohrt werden: Worauf es dabei ankommt, lernen angehende Sattler in ihrer Ausbildung. Foto: Christoph Schmidt
Für die Nähte im Leder müssen zunächst Löcher vorgebohrt werden: Worauf es dabei ankommt, lernen angehende Sattler in ihrer Ausbildung. Foto: Christoph Schmidt FOTO: Christoph Schmidt
 Bei der Arbeit mit Leder ist Konzentration gefragt: Jasmin Kölle näht an einem Gürtel. Foto: Christoph Schmidt
Bei der Arbeit mit Leder ist Konzentration gefragt: Jasmin Kölle näht an einem Gürtel. Foto: Christoph Schmidt FOTO: Christoph Schmidt
 Selbst zu reiten, bringt in der Fachrichtung Reitsportsattlerei Vorteile - denn dann wissen die Azubis, worauf es ankommt. Foto: Christoph Schmidt
Selbst zu reiten, bringt in der Fachrichtung Reitsportsattlerei Vorteile - denn dann wissen die Azubis, worauf es ankommt. Foto: Christoph Schmidt FOTO: Christoph Schmidt
 Einen ganzen Sattel stellen eigentlich nur Meisterschüler her. Sattler in Ausbildung kümmern sich zunächst um Halfter oder Kopfstücke. Foto: Christoph Schmidt
Einen ganzen Sattel stellen eigentlich nur Meisterschüler her. Sattler in Ausbildung kümmern sich zunächst um Halfter oder Kopfstücke. Foto: Christoph Schmidt FOTO: Christoph Schmidt
 Einen ganzen Sattel herzustellen dauert mindestens 40 Stunden. Als Auszubildende kümmert sich Jasmin Kölle vorerst eher um die Instandhaltung schon bestehender Modelle. Foto: Christoph Schmidt
Einen ganzen Sattel herzustellen dauert mindestens 40 Stunden. Als Auszubildende kümmert sich Jasmin Kölle vorerst eher um die Instandhaltung schon bestehender Modelle. Foto: Christoph Schmidt FOTO: Christoph Schmidt