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Arbeitgeber bewerten
Traumjob mit fünf Sternen: Online-Bewertungen für Chefs

Sieht gut aus - oder? Viele Berufstätige vertrauen bei der Jobsuche auf solche Bewertungen. Ganz verlassen sollten sie sich darauf aber nicht, warnen Experten. Foto: Florian Schuh/dpa-tmn
Sieht gut aus - oder? Viele Berufstätige vertrauen bei der Jobsuche auf solche Bewertungen. Ganz verlassen sollten sie sich darauf aber nicht, warnen Experten. Foto: Florian Schuh/dpa-tmn FOTO: Florian Schuh
Berlin. Hier große Zufriedenheit, da viel Gemecker: Wer sich durch Arbeitgeber-Bewertungsportale wie Glassdoor, Kununu etc. klickt, sieht schnell die ganze Bandbreite von Kritik. Der eine feiert seinen „Top Arbeitgeber“, der nächste übt harsche Kritik. Von Christina Bachmann, dpa

Was andere denken, interessiert viele - nicht nur bei Reisen und Restaurants, sondern auch auf dem Arbeitsmarkt. Für Jobsuchende haben die Portale durchaus Vorteile, sagt Juliane Petrich, Expertin für Bildung beim IT-Verband Bitkom. „Man hat die Möglichkeit, das Unternehmen von einer anderen Seite kennenzulernen als über die zumeist sehr positive Selbstdarstellung.“ Allerdings sieht sie auch das Problem, „dass vereinzelt frustrierte Arbeitnehmer, die das Unternehmen bereits verlassen haben, solche Bewertungsplattformen nutzen, um ihrem Unmut Luft zu machen“.

Kununu hat rund zwei Millionen Bewertungen zu fast 400 000 Unternehmen gesammelt. Zwei Drittel davon seien positiver Natur, sagt Johannes Prüller, Sprecher des Wiener Unternehmens. Genau wie die Anonymität der Poster gewahrt bleibt, checken bei Kununu ein Algorithmus und dann ein Team von Mitarbeitern die abgegebenen Statements.

Wer die Regeln nicht beachtet, geht mit seiner Bewertung nicht online, erklärt Prüller. Ein Beispiel: „Bei uns ist es verboten, die Bewertung so zu formulieren, dass man auf eine Person im Unternehmen rückschließen kann.“ In diesem Fall werde der Poster kontaktiert und gebeten, seine Formulierung anzupassen. Auch Beschwerden von Unternehmen gehe man nach. „Wir wehren uns aber auch gegen ungerechtfertigte Kritik. Wenn die rechtlichen Rahmenbedingungen und die moralischen Richtlinien eingehalten wurden, dann geht eine Bewertung auch wieder online“, sagt Prüller.

Wer sich nicht an diese Richtlinien hält, kann umgekehrt sogar rechtlichen Ärger bekommen. Grenzen seien erreicht, „wenn es weniger um eine sachliche und neutrale Darstellung geht, sondern vielmehr um Schmähkritik oder die Verbreitung von unwahren Tatsachen“, so Petrich.

Denkbar ist natürlich auch, dass die Geschäftsführung eines Unternehmens sich bei Glassdoor, MeinChef und Co. selbst großzügig Pluspunkte gibt. „Ich bin mir auch sicher, dass das manche machen“, sagt Prüller. „Wir sind aber davon überzeugt, dass das relativ wenig bringt.“ Seiner Erfahrung nach achten die Nutzer nicht zuerst auf Sterne und Punkte, sondern vor allem auf die frei formulierten Statements.

Allein darauf verlassen sollte man sich aber nicht, warnt Bewerbungsberater Jörg Hallberg. „Man sollte das immer abgleichen, bestenfalls mit persönlichen Erfahrungen oder, wenn möglich, durch Gespräche mit Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen des Unternehmens.“

Georg Tryba von der Verbraucherzentrale NRW plädiert dafür, Online-Bewertungen generell als subjektiv anzusehen. „Ich kenne die Situation des Bewertenden nicht, warum er dieses Gefühl hat. Deshalb darf man das nicht zu hoch gewichten. Das sind gefühlte Fakten.“ Für viele seien solche subjektiven Bewertungen inzwischen wichtiger als unabhängige Tests, sagt Tryba - und das zu Unrecht.

Juliane Petrich ist Expertin für Bildung beim IT-Verband Bitkom. Foto: Bitkom/dpa-tmn
Juliane Petrich ist Expertin für Bildung beim IT-Verband Bitkom. Foto: Bitkom/dpa-tmn FOTO: Bitkom
Johannes Prüller ist Pressesprecher der Bewertungsplattform Kununu. Foto: Kununu/dpa-tmn
Johannes Prüller ist Pressesprecher der Bewertungsplattform Kununu. Foto: Kununu/dpa-tmn FOTO: Kununu
Jörg Hallberg ist Coach und Bewerbungsberater. Foto: Elisabeth Wiesner/dpa-tmn
Jörg Hallberg ist Coach und Bewerbungsberater. Foto: Elisabeth Wiesner/dpa-tmn FOTO: Elisabeth Wiesner
Georg Tryba ist Pressesprecher der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Foto: Verbraucherzentrale NRW/dpa-tmn
Georg Tryba ist Pressesprecher der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Foto: Verbraucherzentrale NRW/dpa-tmn FOTO: Verbraucherzentrale NRW