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| 02:46 Uhr

Tierisch beliebte Studienrichtung

Berlin. Schon als Kind träumen viele davon, Tierarzt zu werden. Und so mancher bleibt später dabei. Die Konkurrenz um die Studienplätze ist groß. Romantisch verklären sollte man den Beruf aber nicht. Der Joballtag ist hart. Tierliebe allein reicht nicht aus. Larissa Lee Beck

Bärbel Rühe hat einen Beruf, von dem viele Kinder schwärmen. Sie arbeitet als Tierärztin in der Kleintierklinik der Freien Universität Berlin. Rühe mag ihren Beruf. "Man bekommt so viel Gutes zurück", sagt sie. Doch das Studium ist hart. Und auch der Arbeitsalltag später kann sehr anstrengend sein.

Jedes Jahr bewerben sich rund 5000 Menschen auf die etwa 1000 Studienplätze der Veterinärmedizin. Die meisten der Studierenden (85 Prozent) sind Frauen. Nach dem Studium starten Absolventen häufig als sogenannte Anfangsassistenten in den Praxen - für ein mageres Gehalt. Prof. Thomas Göbel, Studiendekan der Tierärztlichen Fakultät der Ludwigs-Maximilians-Universität München, sagt: "Es bleibt ein Idealistenberuf."

Wer Tierarzt werden möchte, sollte zwar tierlieb sein. Viele dächten aber nicht daran, dass es auch unternehmerisches Denken braucht, sagt Roger Battenfeld, Geschäftsführer der Tierärztekammer Berlin. Denn rund die Hälfte derer, die als Tierarzt arbeiten, macht sich selbstständig - Studenten sollten sich dessen bewusst sein. Teamarbeit und Kommunikationsfähigkeit gehörten ebenfalls dazu - denn Tierärzte müssen in der Lage sein, verängstigte Halter zu beruhigen.

Die Berufschancen nach dem abgeschlossenen Studium seien prinzipiell gut, weil es viele verschiedene Bereiche gibt, in denen man arbeiten kann, sagt Battenfeld. Wer Veterinärmedizin studiert, muss nicht zwingend als Tierarzt in Klein- und Großtierpraxen arbeiten. Graduierte können zum Beispiel auch in die Lebensmittelkontrolle, zum Veterinäramt, in den Tierschutz oder die Pharmazie gehen. Tierärzte hingegen haben es in den großen Städten oft schwerer, einen Job zu finden, als auf dem Land, sagt Battenfeld. Studenten sollten deswegen versuchen, örtlich flexibel zu sein.

Hinzu kommen anstrengende Arbeitstage. "Nachtdienste, Wochenenddienste und Überstunden gehören schon dazu", sagt Rühe. Ihr Tag beginnt meist um acht Uhr mit der Frühbesprechung und endet nach der letzten Visite gegen 16.30 Uhr. Kommt ein Notfall kurz vor Schluss rein, bleibt sie länger.

"Wer selbstständig ist, muss nach der Sprechstunde noch Rechnungen schreiben und Ähnliches erledigen. Die Arbeitsbelastung ist dementsprechend hoch", sagt Battenfeld. Trotzdem sieht er die Selbstständigkeit positiv: "Das bedeutet auch, dass man Freiräume hat und sein Hobby, zum Beispiel Reiten, mit dem Beruf verbinden kann."