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Kita-Lunch statt Abendkarte

Soße ansetzen oder Fleisch braten: Wie jeder Koch-Azubi lernt auch Nick Grabert den Beruf von A bis Z. Nur die Portionen sind im Catering häufig viel größer als im Restaurant.
Soße ansetzen oder Fleisch braten: Wie jeder Koch-Azubi lernt auch Nick Grabert den Beruf von A bis Z. Nur die Portionen sind im Catering häufig viel größer als im Restaurant. FOTO: Karolin Krämer/dpa
Berlin/Grafschaft. Wer Koch werden will, muss seine Lehre nicht zwingend im Restaurant absolvieren. Eine Alternative ist das Catering, egal ob für Events oder für Kitas. Die Ausbildung ist dieselbe. Tobias Hanraths

Köche arbeiten bis spät in die Nacht, in ständiger Hektik und unter hohem Druck. In der Lehre schneiden sie ein Jahr nur Zwiebeln. Ob das stimmt oder nicht, ist umstritten. Auf jeden Fall hat das Klischee dafür gesorgt, dass der Koch regelmäßig traurige Spitzenplätze auf den Ranglisten der unbeliebtesten Ausbildungsberufe belegt.

Dabei kann Nick Grabert die Horrorgeschichten aus der Küche gar nicht bestätigen. "Ich habe ganz normale Arbeitszeiten von acht Uhr bis 16.30 Uhr", sagt er. Und: "Dass man hier angeschrien wird, hab ich so noch nicht mitgekriegt, kann ich mir aber auch nicht vorstellen." Das mag allerdings auch an seinem Arbeitsplatz liegen. Denn der 28-Jährige absolviert eine Ausbildung zum Koch nicht klassisch in einer Hotel- oder Restaurantküche, sondern beim Berliner Caterer Optimahl.

Statt dem Lunch für Hotelgäste oder dem Abendessen für Restaurantbesucher kocht Grabert also Mittagessen für Kitas und Schulen, Menüs für Staatsempfänge oder Büfetts für Großveranstaltungen. Im Kern ist das Handwerk aber dasselbe wie in jeder anderen Küche. "Die Azubis lernen das Kochen hier ganz normal und von Grund auf", erklärt Graberts Ausbilder Maik Heptner.

Doch natürlich gibt es auch Unterschiede. "Die Mengen sind natürlich teilweise riesig", sagt Nick Grabert. Die dafür nötigen Berge an Gemüse zu schnippeln, das ist Schwerstarbeit - und nur im Team zu schaffen. Dafür gibt es aber auch jede Menge Abwechslung, je nach Kunde und Saison.

Vor allem geht es beim Catering aber nicht nur ums Kochen, sondern auch um das ganze Drumherum. "Es ist uns sehr wichtig, dass die Auszubildenden nicht denken, dass die Arbeit beendet ist, wenn das Essen die Küche verlässt", erklärt Ausbilder Heptner. "Präsentation, Auf- und Abbau - das gehört alles auch dazu."

Von solchen Besonderheiten abgesehen, ist die duale Ausbildung zum Koch im Eventcatering aber formell dieselbe wie im Restaurant oder Hotel. Das bedeutet: drei Jahre in Lehrbetrieb und Berufsschule. Ein bestimmter Schulabschluss ist für den Start in die Koch-Lehre nicht vorgeschrieben. Und im Gegensatz zu vielen anderen Ausbildungsberufen, die dann in der Praxis doch nur Schulabgänger mit mittlerer Reife oder Abitur einstellen, ist das hier Realität. "Wir gucken zurzeit jede Bewerbung an, was anderes können wir uns auch gar nicht leisten", sagt Heiko Becker, der beim Verband der Köche Deutschlands (VKD) für die Ausbildung zuständig ist.

Denn die Branche hat ein Riesenproblem mit dem Nachwuchs. Die Kehrseite der Medaille sind gute Aufstiegschancen. "Es suchen gerade fast alle Betriebe nach Köchen, ob Hotel oder Restaurant", sagt Becker. "Vom Tellerwäscher zum Küchenchef zu kommen ist aktuell definitiv möglich."

Auch für Nick Grabert steht noch nicht fest, ob er sein ganzes Berufsleben im Catering verbringen will. "Später würde ich schon gerne ein eigenes Restaurant haben wollen. Das ist aber noch so weit weg, das kann ich mir noch gar nicht richtig vorstellen", sagt er. Schließlich steht er noch ganz am Anfang seiner Ausbildung. "Vielleicht bleib ich ja auch hier."