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Dieser Beruf geht unter die Haut

Viel Arbeit, kein Geld: Eine Ausbildungsvergütung bekommt die medizinisch-technische Radiologieassistentin Nina Uhlich, hier bei der Arbeit am CT, nicht.
Viel Arbeit, kein Geld: Eine Ausbildungsvergütung bekommt die medizinisch-technische Radiologieassistentin Nina Uhlich, hier bei der Arbeit am CT, nicht. FOTO: Lino Mirgeler/dpa
Berlin/Fulda. Medizinisch-technische Radiologieassistenten bestrahlen ihre Patienten, um Krankheiten zu enttarnen. Das erfordert technisches Verständnis und Fingerspitzengefühl. Bezahlt wird die Ausbildung meistens nicht. Sarah Thust

Medizinisch-technische Radiologieassistenten (MTRA) machen Bilder von dem, was sonst niemand sieht. Mithilfe von Strahlung durchleuchten sie die Körper ihrer Patienten und erstellen zwei- oder dreidimensionale Aufnahmen vom Körperinneren.

Nina Uhlich versteht sich als Vermittlerin zwischen Arzt und Patient. "Man erstellt zwar Bilder von dem, was die Ärzte sehen wollen, aber man kann auch selbst entscheiden und Vorschläge machen", erklärt die Auszubildende.

MTRA arbeiten im Röntgen, in der Strahlentherapie oder in der Nuklearmedizin. Sie müssen zur richtigen Zeit die richtigen Knöpfe drücken - doch nicht nur das. Sie bereiten den Patienten auch auf die Untersuchung oder Behandlung vor und bringen ihn in die richtige Position, damit die Strahlung die betroffene Stelle erreicht. So behandeln sie Krebserkrankungen oder diagnostizieren Krankheiten, Frakturen und Fehlfunktionen.

Uhlich hat ihre Ausbildung zur medizinisch-technischen Radiologieassistentin an der staatlichen Akademie der Gesundheit Berlin-Brandenburg fast abgeschlossen. Ihre Praktika, insgesamt rund ein Jahr, hat sie fast ausschließlich in der Berliner Charité absolviert. Dort startet sie im Herbst auch in ihre erste Festanstellung.

So schnell eine Anstellung zu finden, ist für medizinisch-technische Radiologieassistenten nicht ungewöhnlich. In Krankenhäusern und Praxen seien sie unersetzbar, sagt Martin Alfrink von der IB Hochschule aus Coburg - eine der wenigen Schulen in Deutschland, die mit dem Bachelor-Studiengang Medizinische Radiologie-Technologie mehr als eine Ausbildung anbieten. "Die Jobsuche nach der Ausbildung fällt relativ leicht, auch wegen der unattraktiven Ausbildungssituation", sagt Alfrink.

Mit einer Vergütung können Auszubildende nämlich in der Regel nicht rechnen, obwohl sie drei Jahre lang abwechselnd die Schulbank drücken und in Krankenhäusern oder Praxen arbeiten. Für die Ausbildung an privaten Berufsfachschulen fallen stattdessen Schulgebühren an. An staatliche Berufsfachschulen zahlen angehende MTRA immerhin nur für die Unterrichtsmaterialien und Gebühren für die Prüfung. Nina Uhlich konnte während der Ausbildung zum Glück bei ihrer Familie wohnen. Einige ihrer Mitschüler bekommen BAföG, andere jobben nebenher.

"Ich möchte nach der Ausbildung erst mal arbeiten und Erfahrung sammeln", sagt Nina Uhlich. "Darum habe ich mich für ein Krankenhaus entschieden." Sie könnte auch in einer Arztpraxis arbeiten, in der Forschung, beim Landesamt für Gesundheit oder als Lehrerin an einer der Berufsschulen.

Medizinisch-technische Radiologieassistenten brauchen Verantwortungsgefühl, räumliches Vorstellungsvermögen sowie Interesse an Technik und an der Patientenversorgung, sagt Rebecca Lauterbach, Präsidentin des Dachverbandes für Technologen und Analytiker in der Medizin Deutschland (DVTA) in Fulda. Lernbereitschaft sei ebenfalls wichtig, denn natürlich geht die technische Entwicklung stetig weiter. Außerdem wichtig zu wissen: MTRA arbeiten oft im Schichtsystem.

Röntgen, Strahlentherapie oder Nuklearmedizin: Medizinisch-technische Radiologieassistenten wie Nina Uhlich durchleuchten den Körper ihrer Patienten, um Krankheiten sichtbar zu machen.
Röntgen, Strahlentherapie oder Nuklearmedizin: Medizinisch-technische Radiologieassistenten wie Nina Uhlich durchleuchten den Körper ihrer Patienten, um Krankheiten sichtbar zu machen. FOTO: Lino Mirgeler/dpa
Wer sich wie Nina Uhlich an die Ausbildung zur medizinisch-technischen Radiologieassistentin wagt, darf keine Angst vor komplizierter Technik haben.
Wer sich wie Nina Uhlich an die Ausbildung zur medizinisch-technischen Radiologieassistentin wagt, darf keine Angst vor komplizierter Technik haben. FOTO: Lino Mirgeler/dpa