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| 13:18 Uhr

Veränderung der Arbeit
Die Arbeit von Übersetzern und Dolmetschern in Zeiten großer Migrationsströme

In den letzten Jahren sind viele Menschen aus aller Welt zu uns gekommen, die vor Krieg, Folter und Tod geflohen sind. Dies hat auch die Arbeit von Dolmetschern und Übersetzern verändert.

Sie übernehmen Aufgaben bei Behörden, der Polizei, vor Gericht und in vielen anderen Kontexten. Häufig kommt es hierbei nicht nur auf die sichere Beherrschung von Sprachen, sondern auch auf kulturelle Aspekte an. Geflüchtete sprechen oftmals von sehr sensiblen, persönlichen Themen wie ihre Fluchterfahrung oder Krieg und Tod, was auch für Dolmetscher und Übersetzer zusätzliche Herausforderung darstellt.

Dolmetscher und Übersetzer für seltene Sprachen

Gefragt sind vor allem Dolmetscher und Übersetzer, die Sprachen wie Arabisch, Urdu, Farsi oder Kurdisch beherrschen, da viele Menschen, die in den letzten Jahren zu uns gekommen sind, aus Syrien, dem Iran oder Afghanistan stammen. Dazu kommen Sprachen, die in afrikanischen Ländern gesprochen werden wie Tigrinisch (auch Tigrinya oder Tigre genannt). Tigrinisch wird vor allem in Eritrea gesprochen.

Der Bedarf an Dolmetschern für Sprachen, die in anderen afrikanischen Ländern wie Nigeria, Senegal oder Kamerun gesprochen werden, ist ebenfalls groß. Allein in Kamerun werden mehr als 230 Sprachen gesprochen. Hier haben sich Englisch und Französisch als Amtssprachen durchgesetzt, allerdings sprechen viele Menschen dort auch ein Pidgin-Englisch als Verkehrssprache. Varianten des Pidgin-Englisch auch in Ländern wie Nigeria oder Liberia, daher gibt es auch hierfür eine Nachfrage an Dolmetschern.

Für seltenen Sprachen wie Urdu, dass unter anderem in Pakistan, Indien und Afghanistan gesprochen wird, gibt es jedoch nur wenige gut ausgebildete und vereidigte Dolmetscher und Übersetzer. Laien fehlt hier meist neben einer fundierten Ausbildung auch Wissen über Techniken beim Dolmetschen sowie soziale Kompetenzen. Dazu kommt, dass es gerade in sensiblen Situationen mit schwerwiegenden Themen wie Krieg, Tod oder Folter für Dolmetscher und Übersetzer von großer Bedeutung ist, eine professionelle Distanz zu wahren.

Anforderungen an Sprachmittler

Gerade bei sensiblen Themen rund um die Erfahrungen von Geflüchteten kann eine der Grundaufgaben von Dolmetscher und Übersetzern, das Übersetzen von wichtigen Details, besonders wichtig sein. Übersetzer und Dolmetscher dürfen auch hier keine Informationen hinzufügen oder weglassen. Sie sollten neutral sein und sich auf keine der beiden Seiten stellen, für die sie übersetzen. Vor allem im Umgang mit Geflüchteten kann es darüber hinaus besonders wichtig sein, kulturelle Besonderheiten im Blick zu behalten und im Rahmen der Übersetzung korrekt zu erklären.

Gerade 2015 mussten nicht nur die Behörden in Deutschland in kurzer Zeit viele Aufgaben bewältigen, auch auf Dolmetscher und Übersetzer kamen neue Aufgaben zu. Menschen, die Sprachen wie Arabisch, Farsi oder Urdu sprechen, wurden händeringend gesucht. Allerdings mangelt es vielerorts an Übersetzern und Dolmetschen mit der entsprechenden Qualifikation. Im Übrigen fehlen nicht erst seit 2015 hierzulande vor allem bei Behörden und Gerichten gut ausgebildete Dolmetscher und Übersetzer, auch für gängige Sprache wie Niederländisch oder Portugiesisch.

Dolmetschen im Rahmen des Asylverfahrens

Vor allem bei bürokratischen Prozessen im Asylverfahren, aber auch vor Gericht, kommt Dolmetschern und Übersetzer eine wichtige Rolle zu. Dolmetscher haben im Rahmen des Asylverfahrens die Aufgabe, die Erzählungen der Geflüchteten ins Deutsche zu übertragen. Damit haben ihre Ausführungen häufig entscheidenden Anteil daran, ob einem Geflüchteten das Recht auf Asyl in Deutschland zuerkannt wird oder nicht.

Oftmals geht es hier um sehr intensive, intime Themen wie traumatische Erfahrungen auf der Flucht, Folter oder den Tod naher Angehöriger. Auf Dolmetscher und Übersetzer kommen so unter Umständen auch psychisch belastende Themen und Situationen zu. Im besten Fall sollten Dolmetscher und Übersetzer, die im Asylverfahren mitarbeiten oder Geflüchteten ihre Dienste anbieten, auf ihre Aufgabe sehr gut vorbereitet sein. Leider ist dies nicht immer der Fall.

Im Asylverfahren kommt Sprachexperten oft auch die Aufgabe zu, zu beurteilen, ob die Geschichte des Geflüchten korrekt ist. Hier geben möglicherweise Dialekte, Informationen über kulturelle Aspekte oder Ortsangaben Auskunft. Im Idealfall ist der Dolmetscher daher nicht nur mit der Sprache, sondern auch mit der Geschichte und der Kultur des Landes, dessen Sprache er übersetzt, vertraut. Bestenfalls verfügen Dolmetscher und Übersetzer, die im Asylprozess mitarbeiten, auch über Fachwissen im Bereich des Asylsrechts. Die Aufgaben, die Übersetzer und Dolmetscher in Zeiten großer Migrationsströme übernehmen müssen, werden damit immer größer.

Zusammenarbeit mit dem Bamf

Dolmetscher und Übersetzer arbeiten oft eng mit dem Bundesamt für Flüchtlinge und Migration (Bamf), aber auch mit ehrenamtlichen Helfern, zusammen. Oftmals greifen das Bamf oder andere Behörde allerdings auf Laien, also keine ausgebildeten und vereidigten Übersetzer und Dolmetscher, zurück. Dies birgt für die Geflüchteten ebenso wie für die zuständigen staatlichen Stellen große Risiken.

Das Bamf verlangt mittlerweile, dass Laiendolmetscher einen Nachweis darüber erbringen müssen, dass sie einen Sprachkurs Deutsch auf dem Niveau C1 belegt haben. Für besonders seltene Sprachen kann dies jedoch auch entfallen. So kann es vorkommen, dass ein Dolmetscher beispielsweise fließend Farsi spricht, jedoch nicht ausreichend Deutsch. Im Idealfall sollte ein Sprachmittler Ausgangs- und Zielsprache auf muttersprachlichem Niveau beherrschen und auch der Lage sein, kulturelle Eigenheiten zu erläutern. Beim Bamf sind die Vorgaben für Dolmetscher und Übersetzer noch immer uneindeutig. Es ist beispielsweise unklar, welche Qualifikationen ein Dolmetscher mitbringen muss. Ein sprachbezogenes Studium hält das Bamf lediglich für "wünschenswert". Dennoch sind mehr als 8.500 Sprachmittler für das Bamf in Asylverfahren tätig.

Dolmetscher haben eine sehr große Verantwortung für Geflüchtete und deren Schicksal. So können beispielsweise Übersetzungsfehler zur einer Ablehnung des Asylantrags führen. Zudem dauern die beim Bamf geführten Interviews oft mehrere Stunden, was auch für Dolmetscher sehr anstrengend ist. Im EU-Parlament oder bei Konferenzen werden Dolmetscher häufig bereits nach 20 Minuten ausgetauscht.

Dolmetschen vor Gericht oder bei der Polizei

Dolmetscher begleiten Geflüchtete nicht nur im Asylverfahren, sondern auch beispielsweise vor Gericht oder bei der Polizei. Vor Gericht sind in Deutschland nur vereidigte Dolmetscher zugelassen. Vereidigte Dolmetscher verpflichten sich nicht nur zur Verschwiegenheit, sondern auch dazu, gewissenhaft zu übersetzen. Bei der Polizei werden allerdings oftmals Laien zum Übersetzen eingesetzt. Das Heranziehen von Laien sowie Dolmetschern und Übersetzern mit nicht ausreichender Qualifikation bei Behörden oder der Polizei wird von vielen Experten, beispielsweise dem Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer, deutlich kritisiert.

Beispielsweise im Gerichtssaal kann es nicht nur aufgrund der dort besprochenen Themen immer wieder zu schwierigen Situation kommen. So kann es zu Konflikten kommen, wenn Dolmetscher und Geflüchter Angehörige unterschiedlicher ethnischer Gruppen in ihrem Heimatland sind. Dies sollte bei der Auswahl des Dolmetschers berücksichtigt werden.

An Gerichten übersetzen Dolmetscher in der Regel eine ganze Verhandlung. Nur in den Verhandlungspausen können sie ein wenig verschnaufen. Vor Gericht kann ein falsch übersetztes Wort den Ausgang des Verfahrens maßgeblich beeinflussen. Daher ist es auch hier besonders wichtig, gut ausgebildete Sprachmittler einzusetzen. Wird beispielsweise ein Übersetzungsfehler zu spät festgestellt, kann es dazu kommen, dass das gesamte Verfahren von neuem beginnen muss.