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| 10:25 Uhr

Tipps und Infos zur Studienplatzklage
Der letzte Weg in eine überfüllte Uni?

Die Zahl der Studierenden lag bis zum Wintersemester 2008/09 über Jahre konstant bei knapp unter 2 Millionen. Seitdem steigt die Anzahl an Studenten kontinuierlich an und erreicht im Wintersemester 2017/18 fast die 3-Millionen-Marke.Das ist ein Zuwachs von in etwa 50 Prozent in weniger als zehn Jahren. Viele Universitäten können die damit einhergehende Nachfrage nach Studienplätzen nicht vollständig decken, insbesondere bei beliebten Studiengängen wie Medizin, Pharmazie und Tiermedizin.

Die meisten Hochschulen bestimmen selbst, mit welchen Bewerbern sie ihre Kapazitä-ten füllen. Psychologie- oder BWL-Hochschulplätze werden zum Beispiel von jeder Uni selbst vergeben. Bei Studiengängen aus dem medizinischen Bereich findet die Studienplatzvergabe zentral organisiert für ganz Deutschland statt. Das Überangebot an Bewerbern führt zu einer großen Konkurrenz bei der Vergabe der verfügbaren Plätze. Doch welche Vorgehensweise führt zum Erfolg, wenn die Hochschule die Bewerbung (vorerst) ablehnt?

Warum kann eigentlich nicht jeder das studieren, was er möchte?

Im Grundgesetz ist zwar verankert, dass jeder Staatsbürger seine Ausbildungsstätte frei wählen kann. Dem entgegen steht jedoch, dass eine einzelne Hochschule nicht beliebig viele Studierende aufnehmen kann, da die Räumlichkeiten und das Lehrpersonal begrenzt sind. Je mehr Bewerber es für einen beliebten Studiengang gibt, desto mehr werden abgelehnt. Das muss man nicht immer hinnehmen. Es gibt durchaus Möglichkeiten, wie man die eigenen Chancen auf einen Studienplatz erhöhen kann und doch noch zum Wunsch-Studienplatz kommt.

Die Chancen auf einen Studienplatz erhöhen

Essenziell ist eine formal korrekte und fristgerecht eingereichte Bewerbung. Unterlaufen hier Fehler, müssen sich Bewerber in der Regel um ein Semester vertrösten. Das gilt für bundesweit organisierte Studiengänge ebenso wie für die Einschreibung in einen örtlich zulassungsbeschränkten Studiengang. Auch wenn einzelne Hochschulen eigene Kriterien festlegen, gibt es einige Faktoren, die sich generell positiv auf eine Bewerbung auswirken.
· Der Notenschnitt des Abiturs (NC) ist das zentrale und am leichtesten messbare Instrument, um die Tauglichkeit eines Abiturienten für einen Studiengang zu bestimmen. Für jeden Studienort wird der NC jedes Semester für jedes Fach neu bestimmt. Der Student mit dem schlechtesten Abiturschnitt legt ihn fest. Die NCs aller Studiengänge sind öffentlich zugänglich.
· Eine abgeschlossene Berufsausbildung wirkt sich bei einigen Standorten positiv auf den NC aus.
· Einige Hochschulen, vor allem im medizinischen Bereich, verrechnen den NC mit einem fachspezifischen Eignungstest (TMS = Test für Medizinische Studiengänge).
· Über die Warteliste wird jedes Semester ein bestimmtes Kontingent an Studienplätze vergeben. Je schlechter der NC, desto weiter hinten landet man allerdings auf der Liste.
· Streut man die Bewerbungen, erhöhen sich die Chancen, dass man das studieren kann, was man möchte. Allerdings auf Kosten des Orts, an dem studiert wird.

Was ist der nächste Schritt nach einer Absage?

Alle, die definitiv im geplanten Semester ihr Studium beginnen möchten, bleibt bei einer Absage meist nur ein juristisches Vorgehen gegen den Ablehnungsbescheid. Zwar kann eine Klage ohne einen Anwalt eingereicht werden, jedoch ist ein Scheitern wegen formaler Fehler wahrscheinlich. Eine Studienplatzklage läuft in etwa wie folgt ab:

1. In einem Beratungsgespräch mit einem Fachanwalt für Verwaltungsrecht - so die offizielle Bezeichnung für Anwälte, die sich auf Studienplatzklagen spezialisiert haben - erfährt ein Abgelehnter in der Regel schnell, wie hoch die Erfolgschancen einer Klage sind und welche Kosten dabei auf den Kläger zukommen.

2. Der konsultierte Jurist setzt ein Schreiben auf und wendet sich damit an die Hochschule. Damit stellt er die von der Universität festgelegten Kapazitäten in Frage und beantragt gleichzeitig außerkapazitäre Studienplätze.

3. Über ein Amts- oder Verwaltungsgericht wird die Verfügbarkeit von zusätzlichen Studienplätzen geprüft.

4. Im Erfolgsfall schafft eine Hochschule so neue Studienplätze, die von den Klägern besetzt werden. Ist die Anfrage weiterhin zu hoch, werden die Plätze über das Los oder über Leistungskriterien vergeben.

Sollte dieser Weg nicht zum Erfolg führen, muss ein Bewerber auf andere Studienorte ausweichen oder sich im nächsten Semester erneut bewerben und gegebenenfalls wieder gerichtlich gegen eine Absage vorgehen. Um die Chancen zu erhöhen, können mehrere Bildungsstätten parallel verklagt werden. Allerdings steigen mit jeder Klage die Kosten.

Alternativen, wenn selbst eine Klage keinen Erfolg bringt

Eine Studienplatzklage hat in manchen Fachrichtungen gute Erfolgschancen. Eine absolute Garantie gibt es hierfür allerdings nicht. Dennoch gibt es Alternativen:
· Die Zeit auf einer Warteliste kann sinnvoll genutzt werden. Eine Ausbildung, die inhaltlich nahe zum gewünschten Studienfach steht, kann nicht nur die Wartezeit verkürzen. Durch sie können wertvolle Praxiserfahrungen gesammelt werden. Ein Wartender darf jedoch kein anderes Studium aufnehmen.
· Ein Studium im Ausland ist zwar unter Umständen teuer, kann aber dennoch einer langen Wartezeit vorgezogen werden.
· Wer sich keine Klage leisten kann oder will - immerhin kostet das Verklagen jeder Uni in etwa 500 bis 1000 Euro - kann eine Absage nutzen, um sich persönlich neu zu orientieren. Andere Studienfächer können einen attraktiven Plan B darstellen.