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Der Herr über das technische Herz der BTU

"Ich genieße es einfach", sagt Prof. Claus Lewerentz über sein Büro mit herrlichem Ausblick in der siebenten Etage des IKMZ. Seit 2012 ist er neben seinem Job als Lehrstuhlinhaber Software-Systemtechnik auch Herr über den IT-Turm auf dem BTU-Zentralcampus.
"Ich genieße es einfach", sagt Prof. Claus Lewerentz über sein Büro mit herrlichem Ausblick in der siebenten Etage des IKMZ. Seit 2012 ist er neben seinem Job als Lehrstuhlinhaber Software-Systemtechnik auch Herr über den IT-Turm auf dem BTU-Zentralcampus. FOTO: Ch. Taubert
Cottbus. "Ich bin von ganzem Herzen Hochschullehrer", sagt Professor Dr. Claus Lewerentz. Doch seit fast drei Jahren ist der Lehrstuhlinhaber für Software-Systemtechnik auch Leiter des Informations-, Kommunikations- und Medienzentrums (IKMZ) der BTU Cottbus-Senftenberg. Er ist damit verantwortlich für das "technische Herz der BTU", wie Lewerentz das futuristische Highlight der Uni selbst bezeichnet. Christian Taubert

Als die Cottbuser Hochschulleitung Anfang 2012 dem Lehrstuhlinhaber für Software-Systemtechnik das IKMZ anvertraute, war das für Claus Lewerentz "eine spannende Herausforderung". Sein Vorgänger Andreas Degkwitz hatte sich als Bibliotheksdirektor zur Humboldt-Uni Berlin verabschiedet. Von Lewerentz erwartete allerdings niemand, dass er eine neue Karriere als Bibliothekar beginnen würde. Vielmehr war in der BTU-Führung die Notwendigkeit erkannt worden, die Digitalisierung der Universität aus ganzheitlicher strategischer Perspektive zu betrachten.

Seine Herkunft als Informatiker verbunden mit dem Wissen um das tägliche Geschäft in Forschung und Lehre - der 1994 zum Professor an die neu gegründete BTU berufene Claus Lewerentz wurde zur Idealbesetzung. Denn neben der Bibliothek mit den mehr als 900 000 Medien, 22 000 elektronischen Zeitschriften und rund 10 000 E-Books gehören zum IKMZ das Multimediazentrum, das Rechenzentrum und die betriebliche IT. "Von der Unterstützung der Lehre über Webentwicklung und Videoproduktion bis hin zum Betrieb des Campusnetzes und aller IT-Dienste schlägt hier das technische Herz der BTU", fasst Lewerentz zusammen.

Was es bedeutet, wenn es einen "Herzinfarkt" in dieser Schaltstelle gibt, hat der 58-jährige gebürtige Oberbayer gerade erfahren. Zweimal musste er in den vergangenen Tagen das Rechenzentrum herunterfahren lassen, weil Fehler in den Klimasystemen des neuen Gebäudes aufgetreten waren. Da haben bei Lewerentz, der sich in dieser Funktion als Dienstleister des Uni-Betriebes sieht, die Alarmglocken geschrillt. Wenn innerhalb von 72 Stunden die Server nicht wieder in Betrieb und ans Netz gehen, "dann vergisst das System". Hunderte, ja Tausende E-Mails könnten verloren gehen. Datensicherungen laufen ins Leere. Es waren unruhige Stunden für den IKMZ-Chef, bis die Fehler entdeckt und behoben wurden .

Zu den Aufgaben von Claus Lewerentz gehört noch eine dritte "Baustelle", die sich aus der Uni-Neugründung von BTU und Hochschule Lausitz Senftenberg ergibt: Zwei Bibliotheken, zwei Rechen- und zwei Medienzentren müssen integriert werden. Es geht um die Reorganisation von zwei Verwaltungen und IT-Landschaften. Lewerentz betrachtet dies "als Chance zur längst fälligen organisatorischen und technischen Neuaufstellung". Dies beinhaltet viele Aspekte wie die gemeinsame Internet-Domain oder die Umstellung von E-Mail-Adressen für 13 000 Mitarbeiter und Studierende.

Dass bei all den Verantwortlichkeiten die Lehraufgaben für Prof. Lewerentz reduziert worden sind, ist nicht verwunderlich. Ein kompletter Rückzug aus Forschung und Lehre kommt für den Hochschullehrer aber nicht infrage. "Für mich sind Vorlesungen eine Belohnung." In diesem Semester hält er die Anfängervorlesung in Informatik und das Software-Praktikum für das zweite Studienjahr. "Das IKMZ ist für mich auch eine Art Realitätscheck", erläutert der Informatiker. Die Studierenden erfahren von Problemen und Lösungen direkt aus der Praxis.

Genau das ist der Stil der Wissensvermittlung von Claus Lewerentz. Für seine innovativen, spannenden Lehrveranstaltungen - konkret mit dem Konzept des Moduls Softwarepraktikum - wurde er 2009 mit dem BTU-Lehrpreis ausgezeichnet. Nicht zuletzt gehören dazu auch seine Forschungen zur Visualisierung komplexer Softwaresysteme, die auf Software-Landkarten dargestellt werden. Damit werden Programmstrukturen und Qualitätsprobleme sichtbar gemacht.

Ein beachtlicher Forschungserfolg, der in der Wirtschaft angekommen ist. Nach zehn Jahren Forschung ist es inzwischen so weit, dass die Verfahren und von der BTU entwickelte Werkzeuge unter anderem bei BMW in München eingesetzt werden - zur Qualitätssicherung in der Softwareentwicklung.

Anspruchsvolle Vorhaben haben Claus Lewerentz aber nicht nur an der Uni begleitet. Als er mit der Familie 1995 seinen vierten Umzug vollzog, um in Werben heimisch zu werden, sprach er "von unserem bisher spannendsten Projekt". Nicht ohne Grund: Denn mit Ehefrau und drei Kindern zog er damals in die zum Wohnhaus umgebaute Kapelle der katholisch-apostolischen Gemeinde. "Das Bauwerk sollte abgerissen, das Grundstück verkauft werden", erzählt Lewerentz. Die Familie, zu der heute noch zwei Enkeltöchter gehören, hat das Wagnis auf sich genommen. Das große helle Haus ist ein lebendiger Ort der Begegnung, aber auch des Rückzugs aus dem Alltagstrubel in die Stille des ehemaligen Gotteshauses.

Die bisher veröffentlichten Karriere-Porträts von BTU-Mitarbeitern lesen Sie auf: lr-online.de/btu

Zum Thema:
Als Claus Lewerentz 1977 sein Studium an der TU München aufnahm, gehörte er faktisch zur zweiten Informatiker-Generation. Dass der Studiengang parallel Medizin (Medizintechnik) anbot, entsprach seiner Intention, im Anwendungsbereich zu studieren. Doch seinen Weg machte er über die Uni Osnabrück und die RWTH Aachen, wo er 1988 promovierte, in der Informatik. Lewerentz war vor seiner Berufung an die BTU 1994 auch Wissenschaftsmanager an einem Fraunhofer-Institut. Die Firma Software-Tomography, in der er als Geschäftsführer und Berater tätig war, gründete sich 2003 aus der BTU aus.