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Auf den Dächern der Stadt

Rund 20 000 Schornsteinfeger gibt es in Deutschland, gut 2000 junge Leute lernen den Beruf.
Rund 20 000 Schornsteinfeger gibt es in Deutschland, gut 2000 junge Leute lernen den Beruf. FOTO: DoraZett/Fotolia
Berlin. Schornsteinfeger sorgen nicht nur für saubere Kamine. Die "Glücksbringer" sind viel unterwegs. Sie arbeiten in luftiger Höhe, aber auch in Häusern und Kellern. Verena Wolff

Selina Reimers liebt es, hoch oben unterwegs zu sein, über die Dächer Berlins zu schauen und dabei ihren Job zu lernen. Die 21-Jährige wird Schornsteinfegerin. "Das Tollste an dem Beruf ist eigentlich die Abwechslung, denn man verbringt ja nicht die ganze Zeit beim Kaminkehren", sagt sie.

Ein Schornsteinfeger ist viel unterwegs und berät Menschen, erledigt auch Büroarbeit - und kümmert sich natürlich um die Schornsteine. Das Säubern der Kamine gewährleistet die Sicherheit der Menschen und schont die Umwelt. Früher galten Schornsteinfeger als "Glücksbringer". Sie sorgten dafür, dass keine Rußbrände ausbrachen. Daraus ist ein Aberglaube erwachsen, der bis heute anhält - sogar in Großstädten wie Berlin. "Immer wieder bleiben Leute stehen, wenn sie uns in unserem Kehranzug sehen, und wollen uns die Hand schütteln", erzählt Reimers.

Jede Woche geht sie in Berlin zur Schule. Auszubildende außerhalb der Großstädte haben dagegen meistens Blockunterricht. Die Fächer Chemie, Mathe und Deutsch spielen in der Berufsschule eine große Rolle. Das seien die Fächer, in denen man in der Schule nicht allzu schlecht gewesen sein sollte, sagt Stephan Langer, Vorstand des Bundesverbandes des Schornsteinfegerhandwerks (ZIV).

Angehende Schornsteinfeger brauchen laut Langer vor allem Kommunikationsfähigkeit und -willen: "Den Großteil unserer Zeit verbringen wir in den Häusern und Wohnungen von Menschen." Sie sollten außerdem offen, ehrlich und zuverlässig sein, sagt Henry Vinke, Regionalsekretär Nord des Zentralverbandes Deutscher Schornsteinfeger.

Rund 20 000 Schornsteinfeger gibt es in Deutschland, gut 2000 junge Leute lernen den Beruf. "Wir haben einen Frauenanteil von zehn bis 15 Prozent, das gehört zu den höchsten in den Bauberufen im Handwerk", sagt Stephan Langer. Und: Der Schornsteinfeger ist einer von jenen Berufen, bei denen ein Meistertitel beim Eröffnen einer eigenen Firma zwingend notwendig ist.

Nach der bestandenen Prüfung stehen den Gesellen verschiedene Wege offen: Sie können in einem Schornsteinfeger-Meisterbetrieb ihrem Handwerk nachgehen oder die Meisterprüfung in Angriff nehmen. "Das kann man theoretisch sofort nach der bestandenen Gesellenprüfung machen. Sinnvoll ist aber, erst eine Weile Praxis im Betrieb zu sammeln", sagt Langer.

Auch Selina Reimers denkt darüber nach, einen Meister zu machen. Doch zunächst will sich die Auszubildende auf ihre Prüfungen konzentrieren. Untergebracht werden nach Henry Vinkes Worten so gut wie alle Gesellen. Auch Unternehmen, die Öfen, Kamine oder Schornsteine bauen, suchen Fachleute.

Ein paar Prozent verliere das Handwerk an die Hochschulen, sagt Stephan Langer. In einigen Bundesländern gibt es Klassen, in denen man mit der Ausbildung die Fachhochschulreife erlangt. Wer die Meisterprüfung bestanden hat, kann ohnehin an jeder Hochschule studieren. "Die meisten gehen dann Richtung Ingenieurwissenschaft, einige studieren Umwelt- oder Versorgungsingenieur, andere Maschinenbau", sagt Langer.

Meister können sich um einen ganzen Bezirk bewerben, vergeben werden die für sieben Jahre. "Dann ist man bevollmächtigter Schornsteinfeger und gleichzeitig eine Behörde, denn man erlässt einen Feuerstättenbescheid", so Langer. Und auch ein Meister lernt nie aus. Weiterbildungen sind Pflicht für Schornsteinfeger, damit sie in Sachen Umweltschutz und Energietechnik auf dem Laufenden bleiben.

Als angehende Schornsteinfegerin ist Selina Reimers nicht nur auf Hausdächern unterwegs. Sie misst auch im Gebäude die Abgasbestandteile von Gasthermen.
Als angehende Schornsteinfegerin ist Selina Reimers nicht nur auf Hausdächern unterwegs. Sie misst auch im Gebäude die Abgasbestandteile von Gasthermen. FOTO: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa