| 02:48 Uhr

Arbeiten als Helfer im Flüchtlingslager

Rezk arbeitet in Dadaab in Kenia, dem größten Flüchtlingslager der Welt. Er dokumentiert dort die Schicksale der Flüchtlinge, die zum größten Teil aus Somalia stammen.
Rezk arbeitet in Dadaab in Kenia, dem größten Flüchtlingslager der Welt. Er dokumentiert dort die Schicksale der Flüchtlinge, die zum größten Teil aus Somalia stammen. FOTO: dpa
Dadaab. () Sand wirbelt auf, es sind rund 35 Grad. Dreimal pro Woche landet ein Flugzeug der Vereinten Nationen hier in Dadaab. dpa/cm

Mitten in der Halbwüste im Nordosten Kenias liegt das größte Flüchtlingslager der Welt. Neben der Landepiste warten Fahrzeuge mit Logos von Hilfsorganisationen. Etwa zehn Minuten dauert die Fahrt im klimatisierten Auto über sandige Straßen zum UN-Gelände.

Seit vier Jahren lebt Rezk dort. Er arbeitet für das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR). Seine Aufgabe ist es, die Situation einzelner Flüchtlinge zu dokumentieren und damit eine mögliche Umsiedlung in Drittstaaten zu unterstützen. Seine Arbeitswoche verbringt der 30-Jährige daher zumeist "im Feld", das heißt, er ist mit einem Team in den Camps unterwegs, die mehrere Kilometer außerhalb von Dadaab liegen.

Mehr als 260 000 Menschen leben im Flüchtlingslager, rund 90 Prozent kommen aus Somalia. Unterstützung bekommen die Menschen hier von UN und zahlreichen Hilfsorganisationen. Etwa 1000 Mitarbeiter sind vor Ort. Wie kommt man zu so einem Job?

"Grundsätzlich gibt es unterschiedliche Stufen des Einstiegs", erklärt Hellmut Meinhof, Leiter des Büros Führungskräfte zu Internationalen Organisationen (BFIO) der Bundesagentur für Arbeit. "Als Praktikant, Absolvent oder Absolvent mit Berufserfahrung." Früh anfangen sei immer gut. Wenn man mal drin war, ist es später leichter, weil man Personen und Spielregeln kennt.

Aber auch Herzblut sei gefragt: "Sie sollten zu dem Thema eine Beziehung aufbauen, politisches und humanitäres Interesse zeigen", rät er. Glaubhaft vermitteln könne man dies etwa durch die Wahl des Studiums, Auslandsaufenthalte oder ehrenamtliche Tätigkeiten.

Über die Zeit hinweg wurde das UNHCR-Gelände in Dadaab zu einem kleinen Dorf. Nun ist immer wieder in der Diskussion, dass es geschlossen werden soll. Längst sind die Büros und Unterkünfte keine Container mehr. Zwischen den Gebäuden schlängeln sich zementierte Pfade durch kleine Gartenanlagen.

Man brauche für die Arbeit bei einer Nichtregierungsorganisation (NGO) nicht unbedingt Abitur was man braucht, seien Fachkenntnisse, sagt Anke Kurat, stellvertretende Geschäftsführerin vom Verband Entwicklungspolitik und Humanitäre Hilfe, der rund 120 deutsche NGOs vertritt. "Das Berufsfeld ist unglaublich weit. Das reicht vom Imker über Wasserbauingenieure bis zu Ärzten, Hebammen und Managementpersonal." Eigentlich sei die ganze Bandbreite an Berufen gefragt, die es auch in Deutschland gibt.

"Was man braucht, ist Interesse, Engagement, Neugier und viel kulturelle Sensibilität", erläutert Kurat. Dafür bekäme man eine sinnstiftende Aufgabe.

Rezk kann das bestätigen. "Wenn dir irgendjemand in diesem Feld sagt, dass er niemals Zweifel habe, dann lügt er", sagt Rezk. Doch am Ende ist er von seinem Job überzeugt. Er fühle sich seiner Arbeit mit Flüchtlingen verpflichtet. "Was sollte ich sonst tun?"