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| 14:00 Uhr

Ärzte
Ärztemangel in Brandenburg: Großer Bedarf, kaum Nachschub

FOTO: HNFOTO - stock.adobe.com / Heiko Niggemeier
Lange Wartezeiten, volle Wartezimmer und kilometerweite Anfahrtswege müssen Patienten in Brandenburg immer häufiger hinnehmen.

Die ärztliche Versorgung folgt schon seit geraumer Zeit einem sinkenden Trend, denn es mangelt an Nachwuchs, während der Bedarf an Behandlungen steigt. Was aber lässt sich gegen diese Entwicklung tun? Eine Bestandsaufnahme und wie es künftig besser werden soll.

Wie viele Ärzte fehlen in Brandenburg?

Schon lange steht Brandenburg im bundesweiten Vergleich der Ärztedichte schlecht da. Dort ist für etwa 251 Einwohner ein berufstätiger Mediziner verantwortlich. Und auch wenn sich die Ärztezahlen in den vergangenen Jahren leicht erhöht haben, ist keine Entspannung in Sicht. Das liegt unter anderem daran, dass das Arbeiten in Einzelpraxen an Attraktivität verloren hat. Nur knapp 52,4 Prozent der Ärzte sind in diesem Bereich tätig, der Rest arbeitet angestellt in Krankenhäusern oder Gesundheitszentren. Auch hier zeigt sich, dass die nackten Zahlen alleine nicht aussagekräftig genug sind, da sich immer mehr Mediziner für eine Teilzeit-Tätigkeit entscheiden, was die Versorgungsmöglichkeiten verringert. Woran es also auch weiterhin fehlt, sind niedergelassene Ärzte vor Ort.

Ein Problem verstärkt diese Entwicklung weiter. So gibt es in Brandenburg zahlreiche Ärzte, die nun kurz vor der Pensionierung stehen. Geben diese ihre Praxen und Arbeitsstellen auf, dürfte sich der Mangel erheblich vergrößern. Bereits in 2016 war ein Großteil der Ärzte im Bundesland älter als 50 Jahre. Etwa 30 Prozent haben sogar bereits ihren 60. Geburtstag gefeiert. Es ist denkbar, dass rund 189 Ärzte und Fachärzte bis 2020 aus Altersgründen „verloren gehen“. Darunter befinden sich alleine 119 Hausärzte. Experten sprechen davon, dass im Zuge der Pensionswelle und der zunehmenden Überalterung der brandenburgischen Einwohner ein hoher Bedarf an Medizinern entstehen wird. Konkret bedeutet dies, dass bis zum Jahr 2025 ganze 1.025 Fachärzte und 762 Hausärzte ausfindig gemacht werden müssen, damit sich das Versorgungsniveau nicht verschlechtert.

Gibt es sinnvolle Gegenmaßnahmen in diesem Bereich?

Selbstverständlich sind Arztpraxen und teilweise auch Krankenhäuser in Brandenburg bereits händeringend auf der Suche nach neuen Arbeitskräften. Viele Stellenangebote für Ärzte laufen jedoch ins Leere, denn es fehlt an Nachwuchs und nicht alle Posten sind gleichermaßen attraktiv. Das Land setzt daher auf die tatkräftige Unterstützung angehender Ärzte. Medizinstudenten und jungen Ärzten soll mit finanziellen Mitteln unter die Arme gegriffen werden, sodass diese Praktika und Weiterbildungen absolvieren können. Zudem gibt es die Möglichkeit für verschiedene Fachärzte, eine Bezuschussung in Anspruch zu nehmen, wenn sie sich in förderfähigen Regionen niederlassen. Somit setzen die Verantwortlichen auf individuelle Unterstützung und wollen bewusst jene fördern, die den Ärztemangel in der Zukunft verhindern könnten. Nach dem gleichen Prinzip erfolgt auch die Studienbeihilfe für junge Medizinstudenten.

Das Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie (kurz MASGF), macht ferner darauf aufmerksam, dass das Hinzuziehen von Fachkräften aus dem Ausland eine mögliche Lösungsoption darstellt. Hier allerdings betonen die Experten in einer Mitteilung, dass die Anerkennung ausländischer Mediziner im Hinblick auf deren Ablauf und Geschwindigkeit optimiert werden muss, ohne dass dabei qualitative Probleme entstehen.

Das Landarzt-Problem: Die Stadt ist zu attraktiv

In Brandenburg zeigt sich, dass der Ärztemangel vor allem dort zu spüren ist, wo allgemein von „ländlicher Umgebung“ gesprochen wird. Viele junge Ärzte, die nun vor dem Weg in das Berufsleben stehen, bevorzugen Stellen in der Stadt oder deren direkter Nähe. Das lässt sich verschiedenartig begründen. So ist die Betreuungssituation für Kinder in Städten oft besser und auch Partner können sich dort beruflich leichter verwirklichen. Die ländlichen Regionen aber profitieren nicht.

Aus diesem Grund ist die Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg (KVBB) bereits seit geraumer Zeit damit beschäftigt, die Tätigkeit als Landarzt attraktiver zu gestalten und Aufmerksamkeit zu generieren. Mit der neuen Kampagne „Ich bin Arzt in Brandenburg, weil...“ will die Vereinigung die Attraktivität des Arztberufes fördern und führt zusätzlich Informationstouren für Studierende der Medizinischen Hochschule Brandenburg durch, um diese konkret für das Leben als Landarzt zu begeistern.

Eine Hürde, die bis zu diesem Zeitpunkt noch unerwähnt bleibt, ist die Gestaltung der Zugangsvoraussetzungen für das Medizinstudium. Dabei wird häufig kritisiert, dass die Anforderungen zu streng seien, was potenziellen Nachwuchs abschrecke oder ihm den Weg in das Medizinstudium sogar verwehre. Wer hinzurechnet, dass die Studienplätze vielerorts recht rar gesät sind, erkennt das Problem. Abhilfe schaffen will auch die Medizinische Hochschule Brandenburg. Im Fokus steht bei der Privatuniversität die Förderung des Ärztenachwuchses für den ländlichen Sektor. Durch ein solidarisches Finanzierungskonzept soll es möglich sein, die Ausbildung zum Arzt leistbarer zu gestalten und dies langfristig durch Beiträge von Absolventen zu bewerkstelligen.

Inwiefern diese Bestrebungen dem Ärztemangel in Brandenburg tatsächlich entgegenwirken können, bleibt abzuwarten. Fest steht jedoch, dass angesichts der schnell fortschreitenden Unterversorgung jeder Lösungsansatz wertvoll bleibt.