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| 13:39 Uhr

Baumsterben
Borkenkäfer-Invasion lässt Fichtenholzpreise sinken

Borkenkäfer fressen Löcher in die Rinde und den Bast einer Fichte. Foto: Alexandra Wey/KEYSTONE
Borkenkäfer fressen Löcher in die Rinde und den Bast einer Fichte. Foto: Alexandra Wey/KEYSTONE FOTO: Alexandra Wey
Hagen. Fichtenholzpreise im freien Fall: Weil Millionen vonBäumen dem Borkenkäfer bereits zum Opfer gefallen sind, ist der Marktfür Fichtenholz massiv unter Druck geraten. Noch ist ein Ende derInvasion nicht absehbar. Von Uta Knapp, dpa

Allein in Nordrhein-Westfalen geht das
Umweltministerium in einer aktuellen Schätzung von bis zu 2,1
Millionen Kubikmetern befallenem „Käferholz“ aus. Das entspricht
knapp zwei Millionen abgestorbenen Bäumen. Noch vor wenigen Wochen
hatten Experten die Zahl nur etwa halb so hoch geschätzt. Das volle
Ausmaß der Schäden sei jedoch erst im Oktober erkennbar, hieß es.

Das Bundesland gilt damit unter Experten als einer der Schwerpunkte
der Borkenkäfer-Ausbreitung. Hintergrund sind eher ungünstige
Wachstumsbedingungen im Flachland für den auf kühle und feuchte
Höhenlagen ab etwa 800 Höhenmetern spezialisierten Nadelbaum.
Waldbesitzer klagen jedoch bundesweit über massive Schäden in
Milliardenhöhe. Dabei werden neben den Folgen der Dürre im Sommer
auch die Stürme zum Jahresbeginn für die aktuelle Massenvermehrung
der Borkenkäfer verantwortlich gemacht.

„Das Holz ist nichts mehr wert“, sagte Heidrun Buß-Schöne,
Geschäftsführerin des nordrhein-westfälischen Waldbauernverbands. 60
bis 100 Jahre alte Fichten würden derzeit oft für den Brennholzpreis
verkauft. Während der Preis für Fichtenholz noch zum Jahresanfang bei
etwa 90 bis 95 Euro gelegen habe, habe sich der Wert vielfach nahezu
halbiert. Beim Forstbetrieb Wald und Holz geht Sprecher Michael
Blaschke von Einbußen von durchschnittlich etwa 30 Prozent aus.

Fichtenholz wird wegen seiner gut zu verarbeitenden, langen und
geraden Stämme vor allem in der Bauwirtschaft eingesetzt, aber auch
in der Möbel-, Verpackungs- und Parkettindustrie. Derzeit sorgt vor
allem der Bauboom eigentlich für eine hohe Nachfrage. Doch bereits in
einigen Jahren könnte Fichtenholz zur Mangelware werden, meinte Jörg
Dommermuth vom Regionalforstamt Märkisches Sauerland.

Ob schließlich Bauherren sowie Möbel und Parkettkäufer von den
gesunkenen Preisen profitieren werden, sei derzeit noch unklar, sagte
Georg Lange vom Hauptverband der deutschen Holzindustrie. Für die
Weiterverarbeitung sei es wichtig, dass die befallenen Bäume sofort
geschlagen würden, nur dann drohe dem Holz kein Qualitätsverlust. „Es
kommt darauf an, dass man schnell handelt“, sagte er. Sobald der Baum
jedoch anfange, seine Rinde zu verlieren, hätten Pilze und andere
Schädlinge schnell freie Bahn.

Förster würden die befallenen Stämme gern schnell aus den Wäldern
holen, schon um die drohende weitere Ausbreitung des Borkenkäfers
zumindest einzudämmen, sagte Dommermuth. Doch Waldarbeiter und vor
allem Transportunternehmen, die die Stämme zu den Sägewerken bringen,
seien derzeit Mangelware. Die Aufarbeitung der Schäden werde
vermutlich noch Jahre dauern, meinte Dommermuth. „Und das Fressen
geht weiter.“

Ein Ende der Invasion ist derzeit nicht in Sicht. Nachdem sich die
Käfer bei den nun kühler werdenden Temperaturen demnächst in den
Boden zurückziehen, ist im Frühjahr 2019 mit einer neuen Generation
zu rechnen. „Für die Waldbesitzer ist das eine Katastrophe“, stellte
Dommermuth fest.

Schon jetzt ist jedoch unter Fachleuten klar, dass sich die Wälder
deutlich verändern werden. Die lange Zeit als sichere Ertragsquelle
von den Waldbesitzern geschätzte Fichte soll an den Klimawandel
angepassten Baumarten weichen. „Die Bedeutung der Fichte wird
abnehmen“, ist sich Blaschke sicher. In den Wäldern könnten künftig
etwas japanische Sicheltannen, Mammutbäume oder Esskastanien wachsen.