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Neuwagen
Verbrauchertäuschung bei Kraftstoffverbrauch und CO2-Ausstoß

Kraftstoffverbrauch und CO2-Ausstoß - Massive Abweichungen zwischen Herstellerangabe und Real-Wert
Kraftstoffverbrauch und CO2-Ausstoß - Massive Abweichungen zwischen Herstellerangabe und Real-Wert FOTO: andreas160578 / pixabay.com
Massive Abweichungen zwischen Herstellerangabe und Real-Wert - Wie eine neue Studie der Umweltorganisation International Council on Clean Transportation, kurz ICCT, verdeutlicht, weichen die Fahrzeugangaben der Hersteller über Kraftstoffverbrauch und CO2-Ausstoß teilweise extrem von den realen Werten ab. Von PR

Der Kraftstoffverbrauch von Neuwagen liegt demnach durchschnittlich rund 42 Prozent über den Herstellerdaten. Für Autofahrer eine erschreckende Bilanz.

Wenn ein neues Fahrzeug deutlich mehr Sprit benötigt, als es der Hersteller versprochen hat, geht damit auf Seiten der Autofahrer massiver Frust einher. Schließlich werden Neuwagen nicht selten aufgrund der Kraftstoffersparnis gegenüber dem alten Auto angeschafft. Die Abgasskandale der vergangenen Jahre trugen zusätzlich dazu bei, dass das Vertrauen in Autobauer schwindet. Nun bestätigt eine aktuelle Studie des ICCT, dass das Misstrauen hinsichtlich Kraftstoff- und CO2-Werten durchaus gerechtfertigt ist. Die unabhängige Organisation, war bereits an der Aufdeckung des Dieselskandals bei VW am US-amerikanischen Markt beteiligt. Im Jahr 2013, als die entsprechenden Daten erstmals erhoben wurden, betrug die Differenz noch rund 25 Prozent. Jetzt stellte sich heraus, dass die Diskrepanz zwischen den Angaben der Fahrzeughersteller und den Realwerten auf durchschnittlich 42 Prozent angestiegen ist. Ein ernüchterndes Ergebnis, dass die Unsicherheit bei Verbrauchern verstärkt.

Neu-, Alt- oder Gebrauchtwagen - Verunsicherung bei den Autofahrern

Autofahrer fragen sich zurecht, ob die Anschaffung von Neuwagen überhaupt noch sinnvoll ist. Schließlich möchte niemand die Katze im Sack kaufen und am Ende draufzahlen. Doch genau darauf scheint es bei vielen Angeboten hinauszulaufen. Die vermeintliche Ersparnis beim Spritverbrauch entpuppt sich spätestens nach einigen Monaten als Trugschluss und avanciert in Hinblick darauf, dass dafür ein erhöhter Anschaffungspreis akzeptiert wurde zur Mogelpackung. Hinzu kommt der hohe Wertverlust, der laut Berechnungen des ADAC bei einem Verkauf des Autos nach den ersten fünf Jahren bei rund 65 Prozent liegen kann. Der Mehrwert, den sich Autofahrer von einem Neukauf versprechen, bleibt leider oft auf der Strecke.

Kraftstoffverbrauch und CO2-Ausstoß - Massive Abweichungen zwischen Herstellerangabe und Real-Wert
Kraftstoffverbrauch und CO2-Ausstoß - Massive Abweichungen zwischen Herstellerangabe und Real-Wert FOTO: Paulina101 / pixabay.com

Dem gegenüber steht die Nutzung eines alten Fahrzeugs. Doch auch hier lauert die Kostenfalle, da Altfahrzeuge im Vergleich zu neueren Modellen meist noch mehr verbrauchen und eine hohe Abgasbelastung verursachen. Nicht zu vergessen der geringe Komfort, der mit älteren Autos verbunden ist. Von praktischen Extras wie Assistenzsystemen, Sitzheizung und Klimaautomatik kann häufig nicht profitiert werden. Zudem müssen Besitzer von älteren Pkws mit teuren Reparaturen rechnen, welche die Haushaltskasse empfindlich schmälern. Der ADAC rät Autofahrern zum Verkauf von Gebrauchten, sobald Reparaturkosten mehr als 50 Prozent des Fahrzeugrestwertes betragen.

Da der Wertverlust nach den ersten fünf Jahren nur noch rund 25 Prozent ausmachen, kann sich die Anschaffung eines jungen Gebrauchten am ehesten lohnen. Die Fahrzeugauswahl ist dank stationärer Autohändler und privaten Verkäufern vielfältig. Verbraucher, die beim Auto kaufen auch im Internet nach geeigneten Modellen Ausschau halten möchten, finden dort diverse Online-Fahrzeugmärkte mit seriösen Angeboten. Im Idealfall werden mehrere Quellen herangezogen, um besonders attraktive Gebrauchtwagen zu finden. Vor dem Kauf sollten wichtige Dokumente eingesehen werden. Dazu zählen:

· Zulassungsbescheinigung Teil I und II
· HU-Berichte
· Werkstattrechnungen
· Ausweis des Verkäufers (zum Abgleich mit Zulassungsbescheinigung Teil II)

Zur Durchführung einer Kosten- und Verbrauchsanalyse von Kraftfahrzeugen kann auf Internetseiten wie autokostencheck.de oder spritmonitor.de zurückgegriffen werden. Derartige Portale ermitteln den finanziellen Aufwand von Kfz-Versicherung über Kraftstoffverbrauch bis hin zu Finanzierung und Steuer. Sogar die Höhe des Wertverlusts kann in Erfahrung gebracht werden.

Neues Prüfverfahren WLTP - Mehr Transparenz und Kosten?

Experten zufolge wurden die extremen Abweichungen zwischen Herstellerangaben und Realwerten vorwiegend durch den veralteten Testzyklus NEFZ versursacht, der auf dem Fahrprofil von 1992 beruht. Dieser wurde jedoch am 1. September 2017 vom neuen Testverfahren WLTP abgelöst. Die Worldwide Harmonized Light Vehicles Test Procedure wurde an die aktuellen Bedingungen im Straßenverkehr angepasst und schließt Schlupflöcher, die Autobauer bislang nutzen konnten, um die Prüfstandwerte zu schönen. Das neue Testverfahren wurde anhand von reellen Daten aus Europa, den USA und Asien entwickelt. Es berücksichtigt beispielsweise höhere Geschwindigkeiten und zusätzliches Gewicht, das über Sonderausstattungen zustande kommt.

WLTP wird weltweit gelten und schrittweise eingeführt. Neue Fahrzeugtypen müssen die moderne WLTP bereits seit 1. September durchlaufen. Ansonsten erhalten sie keine Zulassung. Für alle neu zugelassenen Autos gilt das neue Testverfahren ab September 2018. Autofahrer profitieren zunächst, weil sich die Verbrauchsangaben realistischer gestalten und die Kosten für den Unterhalt besser kalkulieren lassen. Allerdings ist mit einem Anstieg der Kfz-Steuer zu rechnen, da höhere CO2-Emissionen, die durch das moderne Testverfahren ermittelt werden könnten, eine von drei Berechnungsgrundlagen zur Besteuerung darstellen. Von diesen Mehrkosten nicht betroffen, sind alle bereits zugelassenen Autos, weil hier ermittelte Werte des alten NEFZ-Zyklus zugrunde gelegt werden. Bei Pkws, dessen Zulassung nach dem 1. September 2018 stattfindet, ist jedoch die Kfz-Steuer-Berechnung nach WLTP-Ergebnissen in Planung.