Es ist inzwischen zu einer Art Tradition geworden: Am Karfreitag trifft sich die Autotuner-Szene in Cottbus, um den eigenen "Car-Freitag" zu zelebrieren. Aufgemotzte Autos werden präsentiert. In manchen steckt ein kleines Vermögen. Danach geht es durch die Stadt. Der eine oder andere Teilnehmer ist auch einem kleinen Rennen nicht abgeneigt. Videos davon werden dann auf der Internetplattform Youtube veröffentlicht.

Treffpunkt Lausitzpark

"Einige Autos waren richtig schick, manche weniger", sagt Polizeihauptkommissar Christian Albrecht, der beim Einsatz mit dabei war. Treffpunkte waren zunächst die Parkplätze am Lausitzpark und bei Mediamarkt. Später zog es die Karawane in den Cottbuser Norden, wo für einige Zeit rund um ein Schnellrestaurant nichts mehr ging.

Luftüberwachung

Zum ersten Mal hatten sich die Ordnungshüter Unterstützung aus der Luft gesichert. Ein Hubschrauber kreiste über der Stadt, machte hin und wieder Abstecher in den benachbarten Landkreis. Die Luftüberwachung hatte offenbar Eindruck hinterlassen, bilanziert Christian Albrecht. Die befürchteten illegalen Autorennen seien ausgeblieben. Die Raser unter den Teilnehmern traten lieber auf die Bremse. Manch einer der Autoliebhaber habe sogar ein paar Erinnerungsfotos vom Hubschrauber geschossen.

Zu schnell gefahren wurde trotzdem. Das ergaben Kontrollen der Polizei in der Nacht zum Samstag. Nicht alle Verstöße seien aber der Tuning-Szene zuzuschreiben, so Albrecht. "Vielleicht war auch der eine oder andere Familienvater dabei, der sich noch schnell etwas an der Tankstelle holen wollte", sagt der Polizeibeamte. Die Delikte seien aber nicht gravierend gewesen. Als Höchstwerte seien 69 Stundenkilometer bei erlaubten 50 und 57 bei erlaubten 30 gemessen worden. Im vergangenen Jahr musste die Polizei noch einen Raser aus dem Verkehr ziehen. Er war bei erlaubtem Tempo 50 mit 119 Sachen geblitzt worden. Vier Punkte in Flensburg, drei Monate Fahrverbot und 480 Euro Bußgeld waren die Konsequenz.

Doch warum treffen sich die Autoschrauber in jedem Jahr in Cottbus? Weil es sich so eingebürgert hat, sagt Christian Albrecht. Die Leute kämen dabei auch aus den umliegenden Landkreisen, aber auch aus Sachsen. Eine besonders stark ausgeprägte Szene gebe es in der Stadt nicht.

Im Schneckentempo

Ein paar Schrauberwerkstätten hier und da, doch das sei in anderen Städten nicht anders, so der Polizeibeamte. Autotuner seien nicht unbedingt automatisch Raser - diese Erfahrung hat Christian Albrecht gemacht. Viele der zumeist jungen Leute hätten einfach zu viel Geld in ihre Fahrzeuge gesteckt. "Die wollen bei einem Rennen keine Schäden riskieren", sagt er. Manch einer fahre eher im Schneckentempo durch die Stadt. Vor allem, wenn die Straßen so schlecht sind, dass die tiefergelegten Fahrzeuge wegen der Schlaglöcher aufsetzen.

So hat es in den vergangenen Jahren beim Car-Freitag in Cottbus auch keine schweren Unfälle gegeben, sagt Christian Albrecht. Ganz ohne ging es allerdings in diesem Jahr nicht ab. Zu einem Zusammenstoß wurde die Polizei gerufen. Zwei Autos waren sich auf einem Parkplatz zu nahe gekommen. Der Grund: Die Stellfläche war so überfüllt, dass es kaum noch Platz zum Manövrieren gab.

Trotz des kleinen Zwischenfalls fiel die Bilanz der Tuningfreunde positiv aus. "Es gibt von Jahr zu Jahr mehr Teilnehmer", sagt Danilo Klam aus Cottbus. Der 24-Jährige gehört zu den Stammgästen. Das eigene Auto präsentieren und schauen, was die anderen aus ihren Fahrzeugen gemacht haben - das sei die Hauptmotivation der meisten Besucher. "Das Image der illegalen Autorennen gilt nicht mehr."