Bei den Ermittlungen zum Airbus-Absturz in den französischen Alpen fehlt den Ermittlern weiterhin ein zentraler Baustein: Immer noch wird der zweite Flugschreiber im ausgedehnten Trümmerfeld in der Nähe des Örtchens Seyne-les-Alpes gesucht. Die Ermittler erhoffen sich von gespeicherten Flugdaten Aufschluss darüber, was genau an Bord des Germanwings-Airbus geschah, bevor er am Dienstag mit 150 Menschen an Bord an einem Bergmassiv nordöstlich von Marseille zerschellte. Zunächst aber hat die Bergung sterblicher Überreste absoluten Vorrang. "Es gibt die Hoffnung, das bis Ende kommender Woche zu machen, das ist für uns die Dringlichkeit", sagt Staatsanwalt Brice Robin.

Am Absturzort liegen Trümmerteile und die sterblichen Überreste der toten Insassen in einem unzugänglichen Gelände, das sich über mehrere Hektar erstreckt. Die Identifizierung der Opfer könnte nach Einschätzung des Rechtsmediziners Michael Tsokos von der Berliner Charité mehrere Wochen dauern. "In etwa drei Wochen werden bis zu 95 Prozent der Vermissten identifiziert und somit offiziell für tot erklärt sein", sagte er. Die Familien müssten sich vermutlich am geschlossenen Sarg von ihren Lieben verabschieden. Ein letzter Blick auf die Opfer sei ihnen nicht zuzumuten.

Der Copilot, der auch als Segelflieger aktiv war, soll die Unglücksregion seit seiner Jugendzeit gekannt haben. Er sei mit seinen Eltern dorthin gekommen, berichtete Francis Kefer vom Flugfeld in Sisteron am Samstag dem französischen Fernsehen. Diese hätten zwischen 1996 und 2003 mit ihrem Segelflugclub aus Montabaur Flüge in der Gegend unternommen. Sisteron liegt gut 40 Kilometer westlich der Absturzstelle.