Am Ende war es still geworden um Manfred Amerell. Sichtlich ermattet von den jahrelangen Rechtsstreitigkeiten mit dem DFB und Referee Michael Kempter hatte sich der ehemalige Sprecher der deutschen Schiedsrichter weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Sein plötzlicher Tod lässt den deutschen Fußball konsterniert zurück.

Laut einem vorläufigen Obduktionsergebnis ist er mit großer Wahrscheinlichkeit nicht durch einen Suizid oder eine Gewalttat gestorben. Die Polizei in München teilte am Mittwochnachmittag mit, dass kein Fremdverschulden vorliege. Mit absoluter Sicherheit könne dies aber erst das toxikologische Gutachten bestätigen, sagte ein Sprecher. Mit den Ergebnissen werde in den nächsten zwei Wochen gerechnet. Ein Abschiedsbrief wurde nicht gefunden. Der "fortgeschrittene Verwesungszustand" habe die Obduktion erheblich erschwert. Anhand seines Zahnschemas habe man Amerell eindeutig identifizieren können.

Die Deutsche Fußball Liga legte zu Beginn ihrer Mitgliederversammlung eine Schweigeminute ein. Die Kanzlei von Amerells Anwalt Jürgen Langer reagiert "bestürzt und in tiefer Trauer" auf die Nachricht: "Wir fühlen ganz besonders mit der Familie von Manfred Amerell, die auch den letzten - sehr schweren - Lebensabschnitt mit ihm geteilt hat."

Amerell war am Dienstagnachmittag im Münchner Stadtteil Neuhausen tot aufgefunden worden. Die Polizei vermutete zunächst, dass Amerell bereits eine Woche tot sei. Die Feuerwehr hatte sich nach Hinweisen eines Bekannten Amerells über eine Drehleiter Zugang zur Wohnung verschafft. Der ehemalige Unparteiische hinterlässt eine Frau und zwei erwachsene Töchter.

Mit Amerells Tod endet eine der unangenehmsten Diskussionen, die der Deutsche Fußball-Bund (DFB) in den vergangenen Jahren führen musste. Amerell galt als eine Reizfigur, die auch den Ex-DFB-Boss Theo Zwanziger in Bedrängnis brachte. Monatelang hatten sich Amerell und der frühere Fifa-Referee Kempter eine juristische Schlammschlacht geliefert. Am 7. Dezember 2011 endete die Affäre mit einem Vergleich vor dem Oberlandesgericht Stuttgart. Kempter hatte Amerell sexuelle Übergriffe vorgeworfen, später aber seine Aussagen zurückgezogen. Amerell hatte die Vorwürfe bestritten.

Seit Beginn des Falls fühlte sich der streitbare Amerell vom DFB diffamiert. Zwanziger nannte er "die größte menschliche Enttäuschung meines Lebens". Der DFB-Boss, der sich früh auf Kempters Seite gestellt hatte, sei rücksichtlos über Leichen gegangen und habe seine Fürsorgepflicht verletzt. "Meine Lebensqualität geht gegen Null. Kein Mensch kann erahnen, was du im seelischen und familiären Bereich aushalten musst", so Amerell.

In zahlreichen Klagen hatte er vergeblich versucht, seinen Ruf zu retten, wirkte dabei aber zeitweise wie ein Besessener auf Rachefeldzug.