Bereichschefärztin Dr. Diana Jüge hat den Plan, die Datenerfassung in der Radiologie zu digitalisieren, seit anderthalb Jahren beharrlich vorangetrieben. Das Pilotprojekt startete im Krankenhaus Finsterwalde. "Die Einführungsphase hat von allen Ärzten unseres Hauses Geduld erfordert", sagt die Chefärztin, doch heute kann sie zufrieden feststellen: "Wir haben ein fest etabliertes und funktionierendes Prozedere." Von der inzwischen abgeschlossenen Testphase profitieren auch die Krankenhäuser Elsterwerda und Herzberg, in denen das PACS nun ebenfalls angewendet wird.

Das System

Das PACS-System erfasst alle digitalen Bilddaten, die in der Radiologie entstehen - es nimmt die Informationen von den bilderzeugenden Geräten auf und speichert sie in Kurzzeit- und Langzeitarchiven auf einem Server ab. Dieser Server sendet die Daten an Betrachtungs- und Nachbearbeitungsrechner, an denen dann die Befundung oder die klinische Demonstration der Ultraschall-, Computertomografie- oder Röntgenuntersuchungen stattfindet.

Effiziente Arbeitsabläufe

Für Dr. Jüge sind die Vorteile klar: "PACS erlaubt uns die filmlose Diagnose in höchster Qualität", sagt sie. "Es bedeutet effizientere Arbeitsabläufe für uns Radiologen, aber auch für die behandelnden Ärzte und die Patienten." Die Radiologin hat schneller Zugriff auf die Aufnahmen, kann also auch schneller befunden. Wechselt ein Patient zwischen den Krankenhäusern, muss nicht erneut geröntgt werden, da die weiterbehandelnden Ärzte des Klinikums sein Bildmaterial - natürlich nur im Kontext ihres jeweiligen Patienten - standortunabhängig einsehen können.

Ein weiterer Vorteil: Muss der Patient die Untersuchungsergebnisse bei mehreren niedergelassenen Ärzten unterschiedlicher Fachrichtungen vorlegen, können die Daten problemlos reproduziert und auf mehreren CDs mitgegeben werden.

"Stationäre Befunde liegen heute in Finsterwalde in der Regel noch am selben Tag vor", sagt Dr. Jüge, und auch die ambulanten Patienten können ihre Aufnahmen auf einer CD bei Bedarf meist gleich mitnehmen. Außerdem stehen die Aufnahmen nun sofort allen beteiligten Ärzten gleichzeitig zur Verfügung. "Das beschleunigt die Diagnose, Außerdem unterstützt es die Einholung von Zweitmeinungen", sagt die Radiologin.

Für Datensicherheit

Auch die morgendlichen interdisziplinären Fallkonferenzen finden in Finsterwalde nun mithilfe des PACS statt. Bei der Einführung der digitalen Radiologie hat der Schutz gegen Systemfehler ebenso wie die Datensicherheit eine große Rolle gespielt. "Das Bildmaterial wird in einer dreistufigen Speicherhierarchie abgelegt", erläutert Thomas Kramer, Leiter der IT des Klinikums. In einer letzten Sicherung werden die Daten in eine Bandbibliothek mit einer Speicherkapazität von 30 Terabyte geschrieben. Würde diese Informationsmenge auf A4-Bögen gedruckt werden, wären dafür etwa 4000 Sattelzüge mit je 40 Tonnen Papier nötig. Mit den schon erwähnten Bandspeichern ist es möglich, Daten über Jahrzehnte sicher aufzubewahren.

"Eine Besonderheit unseres Konzeptes besteht darin, dass die Daten immer präsent gehalten werden können", sagt Thomas Kramer.

Schnell sichtbar

"Auch länger zurückliegende Untersuchungen sind in wenigen Sekunden auf dem Schirm des Arztes sichtbar, und die aufwändige Recherche im Filmarchiv entfällt." Dem Datenschutz wird eine ebenso hohe Bedeutung beigemessen. Im PACS sieht der behandelnde Arzt nur das Bildmaterial seines Patienten.

Chefärztin Jüge plant derweil bereits weitere Vernetzungen. So strebt sie den Datenaustausch mit kooperierenden Kliniken und Fachkrankenhäusern an. Außerdem könnten radiologische Aufnahmen im demnächst etablierten Zuweiserportal des Klinikums für niedergelassene Ärzte bereit gestellt werden.