Worin die Ursachen für die farbliche Veränderung bis in die Radduscher Kaupen zu suchen sind, das will die AG Tourismus künftig auf einer Informationstafel am Hafen erklären.

Wasserexperte Helmut Ziehe von der Ingenieurgesellschaft für Energie- und Kraftwerkstechnik aus Vetschau weiß: „Die sichtbare Braunfärbung vieler Fließe in der Lausitz hat geologische und hydro-geologische Ursachen. In diesem Jahr wurde das Ganze durch extreme Niederschläge, beginnend im Sommer 2010, verstärkt.“ Letztmalig habe es diese Verhältnisse vor 105 Jahren gegeben. Deshalb könne sich heute niemand mehr daran erinnern.

Laut Statistik fielen im August in der Region dreieinhalb mal so viele Niederschläge wie normal. Aufgefallen ist in dieser Zeit, dass sich das Wasser verstärkt braun färbt. „Diese Erscheinung beobachten wir im Spreelauf von Spremberg bis Lübbenau gleichermaßen“, erklärt Ziehe. Seit Jahrhunderten wurde in dieser Gegend Raseneisenerz gewonnen, verhüttet oder in Bauwerken verwendet.

Ziehe: Im südlichen Vorfeld, also zwischen dem Naturpark Niederlausitzer Landrücken und dem Spreewald, haben sich nach der Eiszeit Wiesenkalke gebildet und bilden sich auch heute noch. „Diese Kalke haben ihren Ursprung in Schweden und sind mit Findlingen in unsere Gegend gelangt. Eine natürliche Auflösung durch Niederschlagswasser wird in Luch- und Wiesengebieten wieder als fester Kalk unterhalb der Rasensohle abgelagert“, so Ziehe weiter.

Über Jahrhunderte sei der Grundwasserstand gleich geblieben. Raseneisenerz und Kalk konnten sich dadurch gleichmäßig auflösten. Das Raseneisenerz sei verwittert, Eisenhydroxid und Schwefelsäure entstanden.

Bei der Passage durch Wiesenkalk werde nun aus verwitterten Bestandteilen des Raseneisenerzes braunes, unlösliches Eisenhydroxid. Das sei für jeden gut sichtbar. Je mehr Kalk im Boden, desto sichtbarer die Braunfärbung. „Schwankt der Grundwasserstand, schwankt auch die Färbung“, folgert Ziehe.

Es ist großflächig Grundwasser abgesenkt, Fließe sind trockengelegt worden. Damit hat es keine Quelle mehr für eine braune Färbung des Wassers gegeben. Mit der Bergbaufolgelandschaft wurde oberflächennahes Grundwasser wieder deutlich sichtbar. Die Folge: Raseneisenerz löst sich verstärkt auf und Wiesenkalk flockt Eisen aus. Dieser Vorgang wurde verstärkt durch die erheblichen Niederschläge der vergangenen anderthalb Jahre. „Dieser Zustand wird noch über Jahre anhalten“, ist sich der Vetschauer sicher. Deshalb sei man bemüht, Möglichkeiten des Abscheidens von Eisenhydroxid in den Fließen zu finden. „Das Eisenhydroxid ist kein Gift, aber unangenehm durch die Färbung des Fließbetts und zeitweise auch des Wassers“, sagt Helmut Ziehe. Lösungsmöglichkeiten scheiterten derzeit an den finanziellen Möglichkeiten.

Der Vetschauer Wasserexperte nennt Beispiele: „Wasseraufbereitungsanlagen der aktuellen Tagebaue zeigen, dass Eisengehalte der Wässer fast vollständig abgeschieden werden können. Nach diesem Prinzip könnte auch die Fließklärung vorgenommen werden. Sinnvoll wäre es, Quellen ausfindig zu machen und einen Teil des Wassers zu reinigen.“