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| 01:32 Uhr

Quarzsand aus Haida tut Cola gut

Gefragter Rohstoff aus Haida: Michael Bork, Geschäftsführer der Wolff & Müller Baustoffe GmbH, lässt den feinen Quarzsand durch die Hände rinnen. Foto: Mona Claus
Gefragter Rohstoff aus Haida: Michael Bork, Geschäftsführer der Wolff & Müller Baustoffe GmbH, lässt den feinen Quarzsand durch die Hände rinnen. Foto: Mona Claus FOTO: Mona Claus
Haida. Was das Coca-Cola-Werk in Moskau mit dem Quarzsandwerk in Haida zu tun hat, dürfte den meisten unbekannt sein. Dass es nicht nur eine Verbindung zwischen Elbe-Elster und der russischen Hauptstadt, sondern zu vielen Kunden in ganz Europa gibt, kann Geschäftsführer Michael Bork eindrucksvoll belegen. Von Gabi Böttcher

Dazu muss man ihn allerdings erst einmal in Haida "erwischen", denn nur zwei Tage in der Woche ist dies sein Arbeitsort. Als Geschäftsführer der Wolff & Müller Beteiligungen GmbH und der Wolff & Müller Baustoffe GmbH ist Haida nur einer seiner Aktionsorte. Firmensitz von Wolff & Müller Baustoffe ist Stuttgart, Sitz der Verwaltung allerdings Haida. Michael Bork ist hier seit 20 Jahren als Geschäftsführer zugange, hat die Verantwortung für Werke in Brandenburg, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt und Baden-Württemberg. Mehr als 60 Beschäftigte gehören zur Baustoffe GmbH, die einen Jahresumsatz von 20 Millionen Euro erwirtschaftet. In Brandenburg gehören neben Haida noch Werke in Saalhausen und Koschendorf bei Drebkau zum Unternehmen.Produziert werden mehr als eine Million Tonnen grobe und feine Gesteinskörper sowie mehr als 350 000 Tonnen hochwertige Quarzsande im Jahr. Wenn Michael Bork das Besondere der Haidaer Lagerstätte benennen soll, dann kommt er geradezu ins Schwärmen. Hier handele es sich um eine eiszeitliche Endmoräne mit hohen Siliziumoxid-Werten. Diese stehen für einen hohen Quarzanteil im Sand, hohe Reinheit und Festigkeit. Haida produziere sehr feine Sande. Womit sich der Kreis zum Coca-Cola-Werk schließt. Hier, aber zum Beispiel auch in Wasserwerken in Russland, Polen und im Kosovo, werden die Sande zur Reinigung des Wassers eingesetzt, indem dieses durch die Sandschichten geleitet wird. Aber das ist nur eines von vielen Einsatzgebieten des Haidaer Bodenschatzes. Trockenmörtel, Spachtelmassen, Formsand für die Formen von großen Schiffsschrauben und für die Motorblöcke von MAN-Lkw-Motoren und des VW Passat gehören zu den prominenten Anwendungsfeldern. Der Rohstoff für Letztere kommt aus einem neu erschlossenen Quarzsandwerk in Quedlinburg, das den begehrten Rohstoff mit einem noch höheren Siliziumoxid-Gehalt als in Haida abbaut.Entlassungen vermiedenEinbrüche bei den Zulieferungen in die Automobilindustrie konnten in den zurückliegenden Krisenmonaten in anderen Bereichen wie den Baumärkten so kompensiert werden, dass in Haida weder Entlassungen noch Kurzarbeit notwendig wurden. 30 Mitarbeiter sind im Haidaer Quarzsandwerk von Wolff & Müller beschäftigt. Hinzu kommen weitere 20 in einer Speditionsfirma. Sie sind mit mehr als 20 speziellen Silo-Fahrzeugen zu 100 Prozent durch die Haidaer Transport-Aufträge ausgelastet. Auf dem Gelände des Betriebes befindet sich außerdem die Firma Semper Beton mit fünf Mitarbeitern, die den heimischen Rohstoff direkt weiterverarbeiten.Betriebsplan bis 2024120 Hektar Tagebau- und Industriefläche gehören zum Werksgelände. Michael Bork legt Wert auf die Aussage, dass bei fortschreitendem Abbau in Abstimmung mit der Forstwirtschaft Böschungen gestaltet und Flächen rekultiviert werden, um diese schließlich aus dem Bergrecht entlassen zu können. Der derzeit bestätigte und seit dem Jahr 1994 geltende Rahmenbetriebsplan für Haida endet im Jahr 2024. Die Lagerstätte könnte aus heutiger Sicht noch weitere 71 Jahre ausgeschöpft werden, sieht der aus Meißen stammende Michael Bork weit über das Ende seiner Dienstzeit hinaus.Als vor 120 Jahren erste Ziegeleien ihre Arbeit aufnahmen, wurden in Haida Lehm, Kiese und Sande abgebaut. 1932 entstand hier die erste Sandtrocknungsanlage. 1974 wurde im damaligen VEB Zuschlagstoffe und Spezialsande in eine moderne Wasch- und Trocknungsanlage investiert. In dieser Traditionslinie entstand 1995 und 1996 ein modernes Trocknungswerk, einschließlich einer neuen Verpackungsanlage. Die Unternehmen Zuschlagstoffe und Spezialsande sowie Silex Normkies firmieren seit 2005 als Wolff & Müller Baustoffe GmbH in der Wolff & Müller Firmengruppe, einem 1936 gegründeten Bauunternehmen mit Hauptsitz Stuttgart.Für die Gemeinde Röderland ist das Quarzsandwerk nicht nur als Arbeitgeber, sondern auch als wirtschaftliches Rückgrat ein geschätzter Partner. Bürgermeisterin Heiderose Hubrig bestätigte dieser Tage den Eingang von 65 000 Euro Gewerbesteuer. Vorteil für GemeindeUnd Michael Bork erwähnt: "Spenden für Kindergarten, Sportverein und Feuerwehr gibt es von uns regelmäßig." Als großer Grundstückseigentümer habe man außerdem Flächen an die Jagdgemeinschaft Haida/Würdenhain verpachtet. Und wenn der eher wortkarge Geschäftsführer dann doch noch so etwas wie ein Schlusswort formuliert, dann fällt es geradezu euphorisch aus: "Auf Sand gebaut, bedeutet also auch in manchen Fällen Glück und Zukunft, und beides hat die Wolff & und Müller Baustoffe."