Ein DSDS-Finale wie viele andere auch - das ist Gift für einen Privatsender wie RTL. Denn das Publikum soll schließlich Spannung pur erleben, damit die Einschaltquoten und die davon abhängigen Werbepreise in die Höhe klettern. Rechtzeitig vor dem Finale des RTL-Dauerbrenners "Deutschland sucht den Superstar" wurde es dann doch mal laut um die Hauptprotagonisten der Show, die in diesem Jahr längst nicht an die Erfolge der Vorjahre anknüpfen konnte. Denn die Einschaltquoten waren deutlich unter die Fünf-Millionen-Zuschauer-Marke gesunken.

Zwei Tage vor dem Finale, in dem sich "Pumuckl" Daniele Negroni (16) und Mädchenschwarm Luca Hänni (17) die Kehle aus dem Hals schreien werden, wurde bekannt, dass die RTL-Veranstaltungstochter Print your Ticket bereits für kurze Zeit eine vorbereitete Ticketverkaufsseite mit einem der beiden Sieger versehentlich ins Netz gestellt hatte. Auf ihr tauchte der Name Negroni auf. RTL beschwört, es sei ein Irrtum gewesen, in Medienbranchendiensten wie "Meedia.

de" war von einem "Skandal" in Anführungsstrichen die Rede, der immer dann, wenn es ernst wird, ganz zufällig entfacht werde.

Einen Tag vor dem Finale geriet schließlich durch die "Bild"-Zeitung ans Licht der Öffentlichkeit: DSDS-Chefjuror Dieter Bohlen und Ernst August Prinz von Hannover haben die Bundesrepublik Deutschland schon vor längerer Zeit wegen Verletzung ihrer Menschenrechte verklagt. Es ging um Werbeplakate für die Zigarettenmarke "Lucky Strike", von denen sie sich verunglimpft fühlten. Der Bundesgerichtshof hatte ihre Klagen 2008 abgewiesen. Daraufhin wandten sich die beiden 2009 an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) in Straßburg - reiner Zufall, dass diese Umstände erst einen Tag vor dem Finale publik wurden?

Stellt sich die Frage: Hatte Bohlen in seiner Show dieses Mal nicht für Gesprächsstoff genug gesorgt? Sind seine Sprüche ein Standardprodukt geworden, das kaum noch einen Hund hinter dem Ofen hervorlockt? "Du bist echt 'ne Butterbirne!", warf er zum Beispiel Daniele in Anspielung auf dessen Lebenswandel vor - Zigarettenkonsum und Partys stehen bei ihm recht weit oben in der Beliebtheitsskala. "Was du in den letzten Wochen mit deiner Stimme und deiner Gesundheit tust, ist echt - auf Deutsch gesagt - scheiße! ", warf ihm Bohlen im Halbfinale vor. Und in einer der Mottoshows verschwand Bohlen einfach, weil er angeblich einen Kandidaten vor allzu harscher Kritik schützen wollte.

Was hat das Finale musikalisch zu bieten? Einen "Terrorbolzen" (das sagte Bohlen auch über Daniele) gegen einen süßen Eidgenossen: Zwei unterschiedliche Typen kämpfen um einen Plattenvertrag und 500 000 Euro. Da ist der kleine 17-jährige Luca, der seinen Heimatort Uetendorf in der Schweiz als Maurer-Lehrling verließ und nun die Chance hat, als "Superstar" zurückzukehren. Bohlen hat sich schon zu Beginn der Show als Luca-Fan positioniert: "Ich hoffe, dass die Leute für dich anrufen, damit du armes Schwein nicht wieder in der Schweiz mauern musst." Auf der anderen Seite steht der freche Daniele, der mit seinen zarten 16 Jahren singt, als würde er Möbelpolitur trinken. Im Finale trällern beide Bohlens Siegertitel "Don't Think About Me".