„Der Imperialismus in Ost und West ist schuld am Krieg“, ruft eine Frau mittleren Alters in ein Mikrofon. Der Beifall ist verhalten. Die Rednerin kommt von der linksradikalen Splitterpartei MLPD, die bei den Demonstrationen gegen den G7-Gipfel hoch oben im Schloss Elmau Flagge zeigt.
Anschließend lassen sich doch manche zu einem gemeinsamen Sprechchor motivieren, sie skandieren: „Hoch die internationale Solidarität.“
Nur wenige Demonstranten
Aber die wenigen Demonstranten bleiben weitgehend unter sich. Und das hat nicht nur damit etwas zu tun, dass Garmisch-Partenkirchen wegen des Treffens der Staatschefs der sieben größten westlichen Industrienationen zu einer Polizeistadt geworden ist. Insgesamt sind für dieses Gipfeltreffen 18 000 Polizeibeamte im Einsatz.
Der Widerstand der Gegner ist etwa im Vergleich zum G7-Treffen vor sieben Jahren am selben Ort ganz offenkundig erlahmt. In Garmisch-Partenkirchen wird das schon in dem Protestcamp an der Loisach sichtbar. Um die zwei Dutzend kleinere Zelte sind zu sehen, Journalisten dürfen nicht aufs Gelände. Die Rede ist von 150 Campierenden, 750 waren angemeldet. Sogar die gerichtlich festgelegten 50 Demonstranten, die am Montag näher zum Schloss durften, fuhren mit Bussen der Polizei an die Absperrung. Zum groß angekündigten Sternmarsch kamen nur rund 100 Teilnehmer.

Proteste leiden unter der Ukraine-Krise

Es ist eine Mischung aus jungen Aktivisten und Altlinken, die die Demonstrationszüge in Garmisch-Partenkirchen bilden. Am lautesten sind die linksradikalen Gruppen, etwa der „Kommunistische Aufbau“, der das G7-Treffen als „Kriegskonferenz“ kritisiert. Auch die Linkspartei ist vertreten, Grüne und SPD hingegen nicht. Und Klimaaktivisten sieht man kaum.
Offenkundig leidet die Bewegung darunter, dass der Putinsche Kriegsimperialimus in der Ukraine nicht ins geschlossene Weltbild passt. Dieses besagt, dass letztlich der aggressive Westen an allem Schuld hat. So lauten die Slogans etwas veraltet, beispielsweise: „Kampf dem Kapital, bis der Frieden siegt.“ Ein älterer Demonstrant schimpft: „Putin war immer offen und wollte verhandeln. Aber die Nato hat Russland in diesen Krieg gezwungen.“ Eine Frau sagt, die Nato betreibe „die aktive Vorbereitung eines dritten Weltkriegs“.
Die Bevölkerung in Garmisch-Partenkirchen scheint das alles nicht viel zu scheren. Die meisten bleiben daheim. Wären nicht die Polizisten, wäre es gespenstisch leer im Ort.