Hans-Joachim Koch kann sich durchaus in Rage reden. Er schaut auf das Grundstück an der Rubener Straße, und schon darf man ihm dabei zusehen, wie sich sein Blick verfinstert. "Da kamen irgendwelche Leute mit einem Auto angefahren, wuselten hier herum, sprachen mit niemandem - und dann werden wir mit der Hiobsbotschaft konfrontiert." Die Botschaft lautet: Tote Tiere werden an diesem Ort verbrannt, in direkter Nachbarschaft etlicher Wohnhäuser, voraussichtlich noch in diesem Jahr. Die Firma "CremTec" aus Stade hat eine Projektbeschreibung verfasst, die detailliert schildert, was in der Verbrennungsanlage passieren soll. 1. Das Bestattungsfahrzeug fährt in die Anlage ein. 2. Im Büro werden der Auftrag und die Einäscherungsart erteilt. 3. Das verstorbene Tier wird über den Flur in den Kühlraum gebracht. Die dortige Kühltemperatur ist 3 bis 4 Grad Celsius. 4. Aus dem Kühlraum wird das Tier in den Bestattungsraum verbracht und dort auf die Einfahrmaschine positioniert, um den Tierkörper in die Kremationsanlage zu übergeben. Diese Beschreibung setzt sich fort, 18 Punkte enthält sie insgesamt. Die Fläche erstreckt sich insgesamt über 7110 Quadratmeter, das Gebäude soll 1023 Quadratmeter in Anspruch nehmen - doch die Nachbarn wehren sich. "Wir haben ja schon vorgeschlagen, das Gebäude könnte an anderer Stelle in Werben errichtet werden", sagt Cornelia Winter, die direkt nebenan wohnt. "Keine Chance." Helga Kettlitz von der gegenüberliegenden Straßenseite erklärt: "Ich habe enorme Bedenken wegen dieser Tierverbrennungsanlage." Wie die anderen Nachbarn. Katzen, Hunde, Wellensittiche, Kleintiere aller Art sollen in der Anlage eingeäschert werden. "Was passiert denn, wenn das System doch mal fehlerhaft arbeitet und Krankheitserreger in die Luft geraten?", fragt Cornelia Winter. Der Bürgermeister von Werben, Hans-Joachim Dieke, teilt die Bedenken nicht. "Erfahrungen aus anderen Städten zeigen uns, dass solche Anlagen absolut störungsfrei betrieben werden", entgegnet er. Und er merkt an: "Wenn die Gemeindevertreter dem Projekt nicht beigepflichtet hätten, wäre möglicherweise eine Klage des Investors auf unserem Tisch gelandet." Denn es gebe keine Festlegung, die besagt, dass eine Kleintierverbrennungsanlage am Rubener Weg verboten ist. Mit dieser Aussage wollen sich die Werbener nicht zufriedengeben. Viele von ihnen mutmaßen, dass die Gemeinde sie über den Tisch ziehen will. "Die öffentliche Anhörung zum Projekt findet am 30. Juni um 10 Uhr im Werbener Hotel Zum Stern statt", sagt Nachbar Mario Kettlitz. "Den Termin können ich und viele andere Leute gar nicht wahrnehmen, weil wir um diese Zeit natürlich arbeiten müssen - ich nehme fast an, das ist bewusst so eingerichtet worden." Außerdem sei zunächst in einigen Fällen den Bürgern die Unterschrift zur Kenntnisnahme des Projekts im Amt Burg verweigert worden.Auch Hans-Joachim Koch hält an seinem Protest fest. "Im Jahr 1998 wollte ich nur 50 Meter entfernt von diesem Ort eine Lagerhalle für mein Gewerbe errichten", erklärt er. "Diesen Plan haben mir die Gemeindevertreter erstaunlicherweise aus städtebaulichen Gründen verweigert." Der zuständige Referent im Cottbuser Landesumweltamt, Konrad Steinbach, sieht noch Spielraum bei den Plänen für die Verbrennungsanlage: "Wir müssen unsere Entscheidungen natürlich aufgrund der gesetzlichen Vorschriften fällen", sagt er. "Wenn die Bürger stichhaltige Bedenken zur Lärmbelästigung und möglichen Luftschadstoffen vorbringen können, fließen diese in die Bewertung ein." Auf den Vorwurf der Werbener Einwohner, der 10-Uhr-Termin an einem Wochentag für die öffentliche Anhörung sei nur gewählt, damit so viele Bürger wie möglich fernbleiben, entgegnet er: "Das entbehrt jeder Grundlage. Wer den Termin nicht wahrnehmen kann, hat schließlich die Chance, einen Bevollmächtigten zu schicken."