Als Goliath vor einem Jahr zu Carmen ins Terrarium gesetzt wurde, waren sich die beiden gar nicht grün. Der Chamäleon-Mann hätte schon gern gewollt, aber die Dame färbte sich schwarz mit türkisen und gelben Sprenkeln. Eine deutliche Warnung. Heute ist Carmen entspannt, sitzt mit ihrem Goliath sogar auf einem Ast hinter dicken Blättern - und ist schön grün.

Wie gut sie mittlerweile miteinander können, ist gleich nebenan im kleinen Terrarium zu sehen. Dort turnen derzeit 37 daumenlange Jemen-Chamäleons umher. Es ist der erste Nachwuchs der Reptilien im Cottbuser Tierpark. Geschlüpft ist er im Mai.

Revierleiterin Karin Lehnert und Tierpflegerin Heike Jandke kümmern sich um die grünen Minis. Die Eltern würden das nicht machen. Ganz im Gegenteil: Direktor Jens Kämmerling schnalzt geräuschvoll mit der Zunge. Wären die Minis noch bei den Eltern im Terrarium, gäben sie eine gute Mahlzeit ab. Chamäleons sind von Anfang an auf sich allein gestellt.

So war die Revierleiterin aufmerksam geworden, als sich Carmen für längere Zeit in eine Ecke verzog. Das Gelege mit den 43 Eiern grub sie einen Tag nachdem sie gelegt worden waren aus. "Dann kamen sie in den Inkubator", berichtet sie. "Die Eier waren oval und so groß wie ein Daumennagel. Die Schale ist eher wie ein feste Haut gewesen." Dann hieß es warten. "Wir haben ja keine Erfahrung", erzählt Karin Lehnert. "Das war richtig spannend." 230 Tage dauerte es, das sind mehr als sieben Monate.

Die kleinen Chamäleons gebaren sich längst wie die Großen. Sie färben sich braun auf einem Ast, knallgrün unter den Blättern des Ficus. Die Augen drehen sich in alle Richtungen und das Futter holen sie sich mit der klebrigen Zunge. Für die Kleinen hat Karin Lehnert kleines Essen: Fruchtfliegen und frisch geschlüpfte Heimchen. "Die erwachsenen Tiere bekommen Heuschrecken und Grillen", erzählt sie.

Die Jemen-Chamäleons stammen - wie ihr Name verrät - von der arabischen Halbinsel. "Ihr Hauptlebensraum sind die Berge und dort insbesondere die Wadis, also nur zeitweise Wasser führenden Flusstäler", erklärt Jens Kämmerling.