Die die Markttransparenzstelle für Kraftstoffe gibt ihre Informationen an Anbieter, wie den ADAC, weiter, die die Tankpreise veröffentlichen. Zu Beginn war die Nachfrage so groß, dass die Preisauskunft zeitweise nicht mehr funktionierte. "Zum Anfang hatten wir Schwierigkeiten mit der Technik", sagt Andreas Hölzel vom ADAC. Auch andere Vergleichsportale konnten der Last der Anfragen nicht standhalten.

Fragt man allerdings bei Kunden und Pächtern an Tankstellen in Doberlug-Kirchhain, Finsterwalde, Schlieben und Elsterwerda nach, so hat sich seit der zentralen Veröffentlichung der Preise bisher nicht viel geändert.

Schlangen nicht in Sicht

Lutz Henke, Chef der Hem-Tankstelle in Schlieben sagt: "Unsere Preise kann man schon seit ein paar Jahren im Internet abrufen." Dass sich bei ihm jetzt längere Schlangen bilden, weil jeder im Internet abrufen kann, wann und ob er den günstigsten Preis hat, hat er bisher nicht bemerkt.

Auch Rainer Werth von der Aral-Tankstelle in Elsterwerda sieht keine große Veränderung: "Früher mussten die Kunden bei Aral auf der Internetseite gucken und haben danach bei Shell nach dem Preis geschaut. Jetzt kann man beide Preise zentral auf einer Seite sehen, das ist der einzige Unterschied." Werth sieht kritisch, dass jede Preisänderung an der Zapfsäule jetzt sofort an die Markttransparenzstelle weitergemeldet werden muss. "Unterm Strich zahlt der Kunde sogar mehr, weil der bürokratische Aufwand steigt", so der Tankstellenchef. Der Aufwand, den die Tankstellenführungsgesellschaft habe, um die Preise weiterzumelden, müsse schließlich bezahlt werden. "Wenn kein Gewinn mehr entsteht, geht die Gesellschaft ansonsten insolvent", sagt Werth.

Andreas Hölzel vom ADAC sieht die neue Transparenz positiver. Dass Kunden alle Tankstellenpreise jetzt mit dem Handy oder auch am PC vergleichen können, begrüßt er. "Je mehr Autofahrer das nutzen, um so besser. Es wirkt insgesamt preissenkend, wenn mehr Fahrer preisbewusst tanken", sagt er und geht davon aus, dass der Service gut genutzt wird. Allerdings habe er, weil der Start des Angebots erst so kurze Zeit zurückliege, noch keine genauen Nutzungszahlen.

Preisbewusst- nicht online

Fragt man bei Kunden an der Tankstelle nach, so sind diese zwar oft preisbewusst, aber nicht online. "Ich habe gar keinen PC. Was soll ich denn in meinem Alter damit?", fragt Horst Beer. Auch den Preisvergleich per Handy nutzt er nicht. Beim Tanken spart er auf die bewährte Art. "Ich komme gerade von Agip, weil es dort teuer war, bin ich bis hierher durchgefahren", sagt er an einer Tankstelle in Doberlug- Kirchhain. Er lebt in Oppelhain und schaut regelmäßig beim Vorbeifahren, welche Tankstelle günstig ist.

"Ich habe weder Internet noch Smartphone", sagt auch Ingo Heinz. Er pendelt zu seinem Arbeitsplatz und legt deswegen große Strecken mit dem Auto zurück. Die Tankstelle in Doberlug Kirchhain fährt er an, weil er sagt, sie sei günstiger als die anderen in der Umgebung.

Stets zur gleichen Tanke

Gar nicht auf den aktuellen Preisstand achtet dagegen Anke Janitz. Dafür nutzt sie, um zu sparen, meist nur eine bestimmte Tankstelle. "Ich fahre hier immer tanken, weil es hier billig ist", sagt sie. Keiner der Kunden, an der Tankstelle ist hier, weil die App oder Internetseite einen besonderes guten Preis angezeigt hat. Keine Veränderung im Verhalten der Kunden hat auch Tankstellenchefin Simone Kuntzsch festgestellt: "Wir haben ja schon immer viel Zulauf. Bisher konnte ich keine Änderung durch die App feststellen."