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| 02:37 Uhr

Preisspielchen im Online-Shop

Wer im Netz einkauft, sollte sich die Preise genau anschauen. Diese können sich nach nur wenigen Klicks verändern.
Wer im Netz einkauft, sollte sich die Preise genau anschauen. Diese können sich nach nur wenigen Klicks verändern. FOTO: Fotolia
Cottbus. Beim Einkaufen im Internet können sich die Preise für verschiedene Produkte in nur wenigen Minuten ändern. Das ist kein Zufall. Bestimmte Webseiten sammeln Informationen über die Nutzer und setzen dieses Wissen gezielt ein. Katja Sponholz

Wer morgens tankt und abends nach der Arbeit an derselben Zapfsäule vorbeikommt, hat sich so manches Mal sicher schon geärgert, oder auch gefreut: Denn mitunter kostet der Liter Brennstoff dann am selben Ort, nur einige Stunden später, gleich einige Cent weniger - oder eben auch mehr.

Auch im Internet gibt es diesen "Tankstellen-Effekt". Nicht nur bei Flugreisen, sondern auch beim Fernseher, der Tiefkühltruhe, der Spiegelreflexkamera oder Jeans und Schuhen. Und das nicht nur stündlich, sondern mitunter nach wenigen Klicks. Das Prinzip der dynamischen Preisgestaltung ist bei vielen Online-Händlern inzwischen weit verbreitet. "Millionenfach ändern sich die Preise jeden Tag bei mittlerweile praktisch allen Produkten", so Lucia Reisch, Verhaltensökonomin und Professorin für interkulturelle Konsumforschung und europäische Verbraucherpolitik. "Schon wenn ich nur mal kurz auf eine andere Seite geklickt habe und dann zum ursprünglichen Produkt zurückkehrte, kann es plötzlich zehn Prozent teurer sein", schildert Reisch. "Das heißt, man kann die Schwankung nicht festmachen, wie beispielsweise an Jahreszeiten bei Reisen, was die Konsumenten mittlerweile kennen und akzeptieren."

Inzwischen kommt es nicht nur darauf an, wann man sich für ein Produkt interessiert, sondern auch wer es kaufen will. Personalisierte Preise heißt dieses Phänomen, das zwar noch kein Alltag ist, sich aber, ähnlich wie in den USA, auf dem Vormarsch befindet. "Ich bin sicher, dass sich dieses Prinzip zukünftig stärker durchsetzen wird", sagt Lina Ehrig von der Verbraucherzentrale (vzbv) in Berlin. "Weil man immer mehr Daten der einzelnen Verbraucher kennt, auf dieser Basis Profile bilden und mit Hilfe eines bestimmten Algorithmus errechnen kann, was der höchste Preis ist, den der Verbraucher bereit ist zu zahlen." Wer also zuvor auf Seiten von Luxusautos, Brillantschmuck und Fernreisen gesurft ist, wird künftig vermutlich einen höheren Preis angezeigt bekommen, als derjenige, der zuvor nur Billigangebote aufgerufen hat.

Doch nicht nur die Spuren, die ich im Internet hinterlassen habe, können den personalisierten Preis beeinflussen: "Eine Rolle kann auch spielen, welches Betriebssystem ich habe, ob ich ein Apple- oder Android-Handy verwende und an welchem Rechner ich sitze", so Ehrig. Die allermeisten Online-Käufer kritisieren diese Form der Preisbildung. Nach einer Studie des Verbraucherschutzministeriums Nordrhein-Westfalen aus dem Jahr 2016 bewerteten knapp 90 Prozent der Befragten diese Methode als unfair. Hinzu komme: Kunden, die ein hohes Datenschutzbedürfnis haben, könnten von bestimmten Angeboten ausgeschlossen werden.

Schwierig ist es jedoch, den Online-Anbietern diese Geschäftspraxen nachzuweisen. "Die lassen sich nicht gerne in die Karten gucken", sagt Lina Ehrig vom Bundesverband der Verbraucherzentrale.

Was also können Verbraucher tun, um die Chancen zu erhöhen, einen möglichst günstigen Preis angeboten zu bekommen? Bewusst von einem alten Rechner mit altem Betriebssystem aus nach preiswerten Produkten im Internet schauen, bevor das tatsächlich gewünschte Objekt angeklickt wird? "Das wäre theoretisch eine Idee", räumt Lina Ehrig ein, "macht den Verbraucher-Alltag aber nicht unbedingt einfacher." "Wir fordern, dass die Verbraucher ganz klar wissen sollten, welche Daten verwendet und berücksichtigt werden, um personalisierte Preise zu bilden", so Ehrig. "Die Verbraucher müssen klar um ihre Einwilligung gebeten werden, dass ihre Daten für die personalisierte Preissetzung verwendet werden dürfen, und sie dürfen nicht diskriminiert werden." Sprich: Wenn ich nicht will, dass über mich Profile angelegt werden und ich eine Einwilligung verweigere, darf mir der Zugang zur Plattform nicht verweigert werden.

Im Bereich der dynamischen Preise bleibe dem Online-Käufer nur übrig, ständig zu vergleichen - und dies auch zu unterschiedlichen Tages- und Wochenzeiten zu tun. Außerdem rät die Expertin, unbedingt auf die Webseiten der Anbieter selbst zu gehen. Lucia Reisch hat die Erfahrung gemacht, dass die Diskussion um dynamische und personalisierte Preise für junge Menschen gar kein Thema sei. "Hier geht es auch um eine Generationenfrage."

Unabhängig davon hält sie es für erforderlich, dass die digitale Welt für Verbraucher reguliert wird: "Es geht nicht darum, dass etwas verboten wird, sondern dass Möglichkeiten geschaffen werden, etwas transparent zu machen", betont sie.

Zum Thema:
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