Bei herbstlichen Temperaturen eröffnete die berittene Münchner Polizei den traditionellen Umzug zur Wiesn. Nur langsam setzte sich die Sonne durch, als die Trachtler in farbenprächtigen historischen Gewändern zum Festplatz unter der Bavaria zogen. Begleitet wurden sie von festlich geschmückten Kutschen, Wagen verschiedener Handwerkszünfte und Brauerei-Gespannen mit hölzernen Bierfässern.

In einer mit Sonnenblumen geschmückten Kutsche fuhren Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) und seine Ehefrau Edith Welser- Ude mit. Ude, wie stets beim Umzug in roter Weste, hatte am Vortag mit zwei Schlägen das erste Bierfass angezapft und damit das größte Volksfest der Welt eröffnet. Seine Frau in schwarzer Tracht hatte am Sonntag gegen die Kälte ein rotes Tuch um ihre Schultern gelegt. Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) folgte in einer weiß-blau dekorierten Kutsche. Er trug einen dunklen Trachtenanzug. Seine Frau Marga, die zu den Wiesn-Terminen mit ihrem Mann kein Dirndl anziehen wollte, trug eine rosa Bluse und eine grüne Trachtenjacke.

Das „Münchner Kindl“ in gelb-schwarzer Kutte, derzeit verkörpert von der Wirtstochter Stefanie Krätz, winkte ganz vorne in dem sieben Kilometer langen Zug hoch zu Ross den Schaulustigen zu. Zu Klängen des bayerischen Defiliermarsches zeigten Fahnenschwinger ihre Kunst.

Aufwendig geschmückte Kaltblüter zogen Prachtgespanne der Brauereien mit - allerdings leeren - Bierfässern. Einem Wagen mit einem riesigen Fass waren nach altem Brauch zwei Ochsen vorgespannt. Sagengestalten wie der Schmied von Kochel, das bayerische Pendant zum österreichischen Freiheitskämpfer Andreas Hofer, und die Bräurosl zogen mit. Die Tochter eines eingesessenen Brauergeschlechts soll mit dem Pferd über den Brauereihof geritten sein und den Arbeitern Bier gebracht haben. Ein Wiesn-Zelt ist nach ihr benannt.

Landsknechte, Falkner mit Vögeln und Hunden waren zu sehen. Ein Müller zeigte auf einem Wagen mit Mühlstein und Mehlsäcken seine Zunft, Inn-Schiffer und Fischer präsentierten ihr Gewerbe. Allein die Kopfbedeckungen der Trachtler reichten vom Zylinder über Uniformhelme bis zu Dreispitz und Kugelhut. Auf grauen Filzhüten wippten riesige Gamsbärte und weiße Flaumfedern, Frauen trugen Otterhauben, Bramerl - mit Pelz verbrämte Stoffkappen - sowie Spitzenhäubchen und Goldhauben.

Auch aus dem Ausland waren Gruppen angereist, unter anderem aus Österreich, Ungarn, Spanien und Polen. Schlesier und Siebenbürger Sachsen waren dabei. Auch Nachwuchstrachtler liefen mit. Die kleinsten unter ihnen durften allerdings in historischen Kinderwagen mitfahren - für sie wäre der insgesamt zweistündige Marsch durch die gesamte Innenstadt zu anstrengend geworden.