Nachdem die Abgeordneten die als Voraussetzung des EU-Kulturerbesiegels erforderliche Sanierung und Umgestaltung des Mühlberger Museums der Finanzlage geschuldet abgelehnt hatten, seien ,,in den letzten Stunden" neue Informationen zutage getreten, woraufhin neuer Gesprächsbedarf erforderlich sei, leitete Bürgermeisterin Hannelore Brendel (parteilos) die eigens neu auf die Tagesordnung gebrachte Diskussion am Mittwochabend ein. Aus diesem Grund wird nun doch Dr. Uwe Koch, zuständiger Referatsleiter im Brandenburger Kultusministerium, nach Mühlberg kommen. Als Termin wurde der 4. Mai um 17 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses genannt.

Architekt Onno Folkerts, der bereits an der Museumskonzeption mitgearbeitet hatte, erläuterte den Abgeordneten und den zahlreichen Gästen noch einmal die Pläne, die in enger Zusammenarbeit mit dem brandenburgischen Museumsverband erstellt wurden: Auf zwei Etagen der ehemaligen Propstei soll ein moderner Ausstellungsrundgang entstehen. Heizung und Toiletten sollen in einem flachen Neubau auf dem Platz der früheren Kornbrennerei untergebracht werden. Der Besucher wird künftig durch das große Tor in den Innenhof geführt, über den später auch eine Verbindung zum gesamten Klosterareal entstehen soll. Kostenpunkt: 875 000 Euro bis zum Jahr 2013 - 625 000 Euro reine Baukosten und 250 000 Euro für Ausstattung von Vitrinen bis Beleuchtung. Nach derzeitigem Stand können 67 Prozent dieser Summe gefördert werden.

Onno Folkerts hatte recherchiert, inwieweit die bei der Stadt verbleibenden 287 000 Euro anhand anderer Quellen gedeckelt werden könnten. Demnach könnte der Landkreis innerhalb von drei Jahren 30 000 Euro Denkmalpflegemittel an Mühlberg ausreichen. Weitere 65 000 Euro wären über die von der Sparkassenstiftung über den Landkreis ausgereichten Kulturpflegemittel möglich. Die ostdeutsche Sparkassenstiftung habe 80 000 Euro signalisiert, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz 37 000 Euro. Umliegende Gemeinden würden sich mit insgesamt 12 000 Euro beteiligen. Auch von privaten Spenden werde ausgegangen. Würden all diese Gelder fließen, bliebe für die Stadt drei Jahre lang die Finanzierung von jeweils 20 000 Euro.

Diese Summe klinge zwar deutlich besser, die anderen Zahlen seien jedoch nicht belastbar, bremste die Bürgermeisterin die Euphorie. Die Antragstellung bis Mitte Mai sei außerdem äußerst knapp. Stadtverordnetenvorsitzender Jörg Fabian erinnerte an die Pflichtaufgaben der Stadt und auch an die Kosten, die das Museum verursache. Die Betriebskosten würden steigen, der Personalbedarf ebenfalls. Er regte an, dass der Kreis das Stadtmuseum in Trägerschaft übernehmen sollte. Dem pflichtete Constanze Lau-Lehmann bei.

Trotz der aufgezählten Risiken überwogen in der Diskussion die Befürworter. Matthias Lohfink forderte auf, nicht die Unwägbarkeiten in den Fordergrund zu stellen. ,,Wir müssen darum kämpfen, dass wir das Siegel erhalten", beschwor er die Runde. Rosemarie Bauer rief auf, die einmalige Chance für Mühlberg zu nutzen. Sie erinnerte an die Erfolgsgeschichte des Elbradweges, der anfangs auch viele Gegner hatte. Der Brottewitzer Ullrich Hilprecht entgegnete, dass dringenderer Sanierungsbedarf bei Kitas und Straßen bestehe. Dieter Jähnichen (Einzelkandidat) plädierte für die Antragstellung. Bei der früheren Entscheidung seien viele Hintergründe nicht bekannt gewesen. Jörg Fabian kritisierte in diesem Zusammenhang die Arbeit des zuständigen Fachausschusses.