"Die Wohnung war hell erleuchtet. Im Badezimmer war der Duschvorhang zugezogen, aber da hing ein Arm raus." In diesem Moment greift Rainer Drees, Vorsitzender Richter am Landgericht Düsseldorf, ein. Er erspart der Zeugin zu schildern, welcher Anblick sich ihr bot, als sie auf die verstümmelte Leiche ihrer Mutter stieß. Der 28-Jährigen geht es sechs Monate nach dem grausigen Fund immer noch schlecht. Sie sei in Behandlung, sagt sie am Donnerstag.

Kurz zuvor hat ihr Stiefvater gestanden, seine Ehefrau umgebracht zu haben. Er behauptet, dass es eine spontane Tat gewesen sei, juristisch gesehen ein Totschlag - kein heimtückischer Mord, wie es die Staatsanwaltschaft sieht. Zwar habe er seiner Frau eine starke Dosis Schlafmittel verabreicht, aber nur, um den Ehekrach zu beenden und endlich seine Ruhe zu haben. Die Idee, sie mit Kabelbindern zu erdrosseln, sei ihm spontan gekommen. Was er dann mit der Leiche angestellt habe, wisse er nicht mehr. Er sei drogenabhängig und depressiv, gesteht der 39-Jährige.

An jenem 23. August 2015 war der Tochter so einiges zunehmend merkwürdig vorgekommen. Sie schickte ihrer Mutter Textnachrichten aufs Smartphone: "Mama melde dich. Ich mach mir tierische Sorgen." Doch ihre Mutter meldet sich nicht, obwohl ihre Nachrichten bald als gelesen markiert sind. "Das war nicht normal, sie hat mir sonst immer geantwortet", sagt die Tochter.

Sie telefoniert und chattet mit ihrem Stiefvater. Der Mama gehe es schlecht, Kreislaufprobleme: "Mama schläft." Und: "Lieb dich." Die Tochter wundert sich: "Sowas kam sonst nie von ihm."

Rechtsmediziner haben den Zustand der Leiche der 50-Jährigen dokumentiert, die in der Badewanne liegt: Zehn Stiche in Bauch und Brust, acht Finger mit einer Rosenschere abgeschnitten. Todesursache: Erdrosseln mit Kabelbindern.

In der Ehe habe es ständig Streit gegeben, berichtet die Tochter: "Unter Drogen ist der komplett aggressiv." Das Paar trennt sich, versöhnt sich aber wieder. "Sogar bei der Hochzeit hat der Drogen genommen", berichtet die Tochter. Sobald die Ehefrau verreist ist, verliert der deutlich jüngere Mann vollständig die Kontrolle: Abstürze, Klinik-Aufenthalte. Während er eine Security-Firma betreibt, regelmäßig Entertainerin Verona Pooth chauffiert und beschützt, ist die elf Jahre ältere Ehefrau Eigentümerin einer Leiharbeitsfirma. Aber das Ausgabeverhalten ihres Mannes ist ständiges Streitthema.

Von all dem bekommt Verona Pooth nichts mit: Ihr Bodyguard habe sich stets einwandfrei verhalten, teilte die Entertainerin nach der Tat mit.