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| 01:36 Uhr

Polizist rettet ein Leben in Übersee

Alle 45 Minuten erkrankt in Deutschland ein Mensch an Leukämie. Für viele dieser Patienten ist die Übertragung gesunder Stammzellen eines Fremdspenders die einzige Überlebenschance. Denis Quitzsch, ein junger Polizist aus Elsterwerda, war für einen solchen Patienten in den USA der sehnsüchtig erhoffte „genetische Zwilling“. Von Heike Lehmann

Anfang Juli flatterte Denis Quitzsch ein Brief von der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) ins Haus. Seitdem weiß der 27-Jährige, dass die Transplantation mit seinen Stammzellen erfolgreich war. „Der Patient konnte aus der stationären Behandlung entlassen werden“, sagt der junge Mann. Er hat mit seiner selbstlosen Spende einem schwer erkrankten Menschen die Chance auf ein zweites Leben gegeben. Die Stammzellen von Denis passten zu einem Leukämie-Patienten in den USA, einem 77-jährigen Mann.

Ein zweiter Brief der DKMS erreichte dieser Tage Simone Taubenek, Leiterin des Polizeischutzbereiches Elbe-Elster. Denis Quitzsch ist Polizeikommissar in Elsterwerda und war für seine Stammzellentnahme im April von der Arbeit freigestellt worden. Dafür gebührt dem Arbeitgeber Dank, heißt es im Brief. Die Urkunde, mit der die DKMS dem Polizisten „außergewöhnlicher Einsatz“ attestiert, überreicht sie gern.

Dreimal eingeladen

Es ist etwa acht Jahre her, dass sich Denis Quitzsch als Knochenmarkspender hat typisieren lassen. „Bei unserem Großenhainer Fußballverein war damals ein Junge an Leukämie erkrankt. Der Verein hatte eine solche Aktion angeregt“, erinnert er sich. Dem jungen Sportkameraden hat keiner helfen können. Er ist inzwischen verstorben. Denis ist seinem Verein bis heute treu geblieben, spielt als Verteidiger.

Dreimal ist Denis Quitzsch seitdem von der DKMS zur Voruntersuchung eingeladen worden, ob er als Spender infrage kommt. „Dazu werden mit einer Blutprobe, die der Hausarzt entnehmen kann, die Gewebemerkmale abgeglichen. Wenn die Werte passen, dreht sich das Rad weiter“, erklärt der Lebensretter. Die Chance, den passenden Spender zu finden, kann bis eins zu mehreren Millionen betragen. Beim dritten Mal war es für ihn der Fall. „Vier Tage lang musste ich ein Medikament spritzen, womit meine Stammzellen ins Blut ausgeschwemmt wurden, damit sie danach herausgefiltert werden können“, erzählt er, was medizinisch möglich ist und Anfang April mit ihm passierte. Dieser Weg sei eine Alternative zum direkten Zugriff aufs Knochenmark, „aber es war dennoch nicht ohne“, deutet er an und spricht von Schmerzen am ganzen Körper als Nebenwirkung des Medikaments. „Der Eingriff selbst in der Uni-Klinik Dresden war nicht schlimm“, berichtet er seiner Chefin, die auch einen Ausweis als potenzielle Stammzellspenderin bei sich trägt.

Ein Brief in die USA

Der Polizeikommissar und Lebensretter Denis Quitzsch hat sich vorgenommen, zu dem Amerikaner, von dem er jetzt nicht mehr weiß, Kontakt zu suchen. „Nach zwei Jahren darf ich das“, hat er sich erkundigt. Er will ihm einen Brief schreiben.

Zum Thema:

HintergrundJeder fünfte Patient in Deutschland findet keinen passenden Knochenmarkspender. In anderen Ländern sind die Chancen noch schlechter.Derzeit vermittelt die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) durchschnittlich zwölf Spender pro Tag an zwölf Patienten irgendwo auf der Welt.Da aus Alters- oder Krankheitsgründen täglich zahlreiche registrierte Spender ausscheiden, bemüht sich die DKMS ständig um neue Spender, um diesen Standard halten oder verbessern zu können.