„Da war Gefahr im Verzug. Die Polizei musste so reagieren“, sagt Ronny Richter. Der 31-jährige Ferienhofbetreiber in Bärhaus hält 28 Strauße. Sie sind die südafrikanische und deutlich größere Laufvogelspezies. „Auch Nandus haben Krallen, mit denen sie Menschen verletzen können. Sie sind sicher nicht so kräftig wie Strauße, aber nicht zu unterschätzen“, so Richter.

Der nun getötete Vogel suchte zwar eher das Weite, wenn er Menschen sah – doch auch das hätte Folgen haben können. Zum Beispiel bei einem Verkehrsunfall. Ein Zusammenprall mit einem Nandu ist vom üblichen Versicherungspaket nicht gedeckt.

Zunächst war daran gedacht worden, den Nandu von Lauchhammer einzufangen. „Ich wäre mit einem Anhänger gekommen und hätte ihn mitgenommen“, erzählt Ronny Richter, der letztlich nur noch das tote Tier zu Gesicht bekam. „Aber wir hätten ihn nicht gekriegt.“ Dafür sei das Tier zu schnell. „Ein Nandu erreicht Laufgeschwindigkeiten von bis zu 50 Stundenkilometern“, weiß der Straußenbesitzer. „Er wäre im angrenzenden Maisfeld verschwunden.“ So fielen schließlich die Schüsse – ganz in der Nähe der Bundesstraße 169.

Dem Nandu schien es gut zu gehen. „Er sah wohlgenährt aus“, erzählt Richter. „Auf Maisfeldern und Wiesen fand er reichlich Futter.“ Und natürliche Feinde hat ein Laufvogel hier nicht. „Vielleicht den Wolf“, fügt er an.

Woher das Tier stammt, das ist auch Ronny Richter gefragt worden. Er hat keine Antwort parat, genau so wenig wie Hans-Joachim Schöbel aus Frauendorf. Der Betreiber einer Pension hielt einst Nandus – als Attraktion für seine Besucher. Allein am Donnerstag habe bei ihm das Telefon fünf Mal geklingelt, weil Leute wissen wollten, ob es sein Laufvogel war. „Ich halte seit zehn Jahren keine Nandus mehr“, sagt der 55-Jährige.

Vielleicht gab es auch nie einen Besitzer: Nandus fühlen sich bereits seit Jahren in Deutschland heimisch, vor allem im Norden. In Schleswig-Holstein waren im Jahr 2000 mehrere Tiere aus einer Freilandhaltung ausgebüxt. Inzwischen wird im benachbarten Mecklenburg-Vorpommern von einem Bestand von rund 100 Exemplaren ausgegangen – den Nachwuchs von diesem Frühjahr noch nicht mitgerechnet. Naturschützer befürchten, dass Nandus – wie andere tierische Zuwanderer auch – das Ökosystem durcheinander wirbeln.

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Zum ThemaDer Nandu ist ein flugunfähiger Laufvogel aus Südamerika. Er wird 1,25 bis 1,40 Meter groß (Scheitelhöhe) und wiegt zwischen 20 und 25 Kilogramm. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich von der Pampa, dem Grasland im zentralen Argentinien und Uruguay bis in den Nordosten von Brasilien. Nandus leben außerdem seit Jahren auch in Deutschland in freier Wildbahn.