Nostalgie, sagt der CDU-Stadtverordnete Wolfgang Bialas, spiele bei den Überlegungen seiner Fraktion keine Rolle - sondern nüchterner Geschäftssinn. Eine Frage stehe doch klar und deutlich im Raum, nachdem Cottbusverkehr im vergangenen Jahr die Zahl seiner Passagiere steigerte. "Wie können wir unseren öffentlichen Nahverkehr künftig noch attraktiver machen?" Wolfgang Bialas sitzt in der CDU-Zentrale in der Cottbuser Innenstadt, und aus dem Fenster schaut er hinunter auf die Bahngleise entlang der Stadtpromenade. Nachts fährt dort aber keine Bahn, und das will er ändern. "In Cottbus fährt die Tram maximal bis 20.30 Uhr", erklärt er. "Das heißt, dass wir ein Drittel des Tages unsere Infrastruktur nicht auslasten." Da könne Cottbus durchaus noch was von anderen Städten lernen. Tatsächlich gibt es in Deutschland nicht viele Städte, die ihre Gleise so zeitig am Abend verwaisen lassen. In Halberstadt fährt die letzte Bahn um 19.34 Uhr, in Brandenburg an der Havel um 20.07 Uhr - aber die meisten größeren Orte leisten sich einen öffentlichen Schienenverkehr, der bis in die Nacht Passagiere transportiert. Vor diesem Hintergrund stellte auch der Cottbuser Landtagsabgeordnete Professor Michael Schierack eine Anfrage an die Landesregierung: Sei es nicht so, dass Straßenbahnsysteme aufgrund ihrer positiven Eigenschaften wie Umweltverträglichkeit, Verkehrssicherheit und Verlässlichkeit einer besonderen Förderung bedürfen? Die Antwort der Landesregierung fiel salomonisch aus: Zwar teile sie die Auffassung, dass gewichtige Gesichtspunkte für den Einsatz von Straßenbahnen in Ballungsräumen sprechen. "Gleichzeitig muss aber berücksichtigt werden, dass Straßenbahnen ein Massenverkehrsmittel darstellen und nur mit entsprechender Auslastung die erheblichen Kosten zu rechtfertigen sind." Dabei haben auch andere politische Fraktionen in Cottbus wie die AUB, die Linke und die SPD bereits darauf hingewiesen, dass die öffentlichen Haushalte immer einen Teil der Kostendeckung für den öffentlichen Nahverkehr durch Zuschüsse und Förderung übernehmen müssen. Einen entsprechenden Hinweis der SPD-Landtagsabgeordneten Kerstin Kircheis beantwortete das Potsdamer Ministerium für Infrastruktur: "Der künftige Investitionsbedarf der Straßenbahn in Cottbus ist nicht von hier zu beurteilen, und es liegen hier auch keine ausreichenden Erkenntnisse dazu vor." Derzeit würden jedoch entsprechende Verhandlungen mit dem Bund vorbereitet, die darauf hinauslaufen könnten, ihn künftig stärker in die Pflicht zu nehmen. Allerdings schiebt Cottbusverkehr-Chef Ulrich Thomsch den Träumen einer Wiederbelebung der Nachtbahn in Cottbus momentan noch einen Riegel vor. "Da fehlt in dieser Stadt eindeutig der Fahrgastbedarf", sagt er.