In den Supermarkt nehmen viele schon einen Korb oder eine Tragetasche mit. Zum Kleider-Shopping dagegen gehen die meisten mit leeren Händen und kommen mit zahlreichen Plastiktüten nach Hause.

Jetzt sollen die Kunden auch in Schuhgeschäften, Kaufhäusern und Klamottenläden dazu bewegt werden, die Kunststoffbeutel wegzulassen. Dafür bringt der Handelsverband Deutschland (HDE) Bezahltüten ins Gespräch, wie es sie in Supermärkten schon lange gibt. Dort müssen Kunden etwa zehn bis 20 Cent zahlen.

Auch die anderen Einzelhändler sollen nun individuell einen "angemessenen Preis" für die Tüten festlegen, sagt HDE-Sprecher Kai Falk. Einen entsprechenden Entwurf habe der Verband dem Bundesumweltministerium vorgelegt, die Gespräche liefen.

Mit seinem Vorschlag zum kostenpflichtigen Beutel meldet sich der Handelsverband zu Wort, bevor die Regierung den Einzelhandel per Gesetz zu einer möglicherweise höheren Abgabe zwingen könnte. Denn Deutschland muss seinen Tütenkonsum senken.

Eine EU-Richtlinie schreibt vor, dass von 2025 an jährlich nur noch 40 der raschelnden Beutel pro Kopf benutzt werden dürfen. Die Deutschen verbrauchen bisher 71 davon. Europaweit liegt der Schnitt noch viel höher bei fast 200 Tüten.

Das schwedische Unternehmen H&M zum Beispiel denkt einer Sprecherin zufolge über die Einführung eines Abschlags in den gut 400 deutschen Filialen nach. Die Schuhkette Deichmann prüfe "verschiedene Varianten", sagt ein Sprecher.

Auch Galeria Kaufhof unterstützt den HDE. Weil die Tüten ein wichtiger Werbeträger seien, wolle man nicht gänzlich auf sie verzichten.

Für mehrere Hundert Euro shoppen und dann noch Geld für die Tüte berappen? Jürgen Dax, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands des Deutschen Textileinzelhandels, glaubt nicht, dass Kunden dafür viel Verständnis haben würden. Einigen seiner Mitgliedsunternehmen sei es daher lieber, wenn die Regierung eine Gebühr per Gesetz vorschriebe. Außerdem bräuchten Schuhe, Leder und Schmuck Schutz gegen die Witterung.

Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) fürchtet eher, dass ein Centbetrag keinen deutschen Kunden von Kunststofftüten fernhalten würde - und dass Geschäfte auf die Papiervariante umsteigen, sobald die Bezahlpflicht komme. "Es ist ein Trugschluss, dass die braune Papiertüte umweltfreundlich ist", sagt Katharina Istel, Nabu-Expertin für nachhaltigen Konsum. Papier habe sogar eine noch schlechtere Ökobilanz als ihre Kunststoff-Verwandte.