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Phänomen mit dem Schachbrettstein

Dr. Eberhard Bönisch hatte für die Calauer in seinem Vortrag zu Schachbrettsteinen interessante Neuigkeiten auf Lager. Foto: Matthias Nerenz
Dr. Eberhard Bönisch hatte für die Calauer in seinem Vortrag zu Schachbrettsteinen interessante Neuigkeiten auf Lager. Foto: Matthias Nerenz FOTO: Matthias Nerenz
Calau. Ein Stein mit einem eingehauenen Schachbrettmuster lockte rund 25 neugierige Heimatfreunde zum Stammtisch ins Hotel zur Post. Dr. St.Uhlig/stu1

Eberhard Bönisch hatte eine Neuigkeit: den Schachbrettstein an der Calauer Stadtkirche. Selbst eingefleischte Calauer, Heimatkundler und Ortschronisten waren überrascht und hofften nun auf Erklärungen. Zunächst ging Dr. Bönisch allgemein auf diese von Steinmetzen behauenen Steine an Kirchen ein und wie er überhaupt zu diesem Hobby kam. „Im Tagebaugebiet untersuchten wir viele Kirchen, unter anderem in Pritzen und Stradow bei Spremberg, heute abgebaggert. Dort stieß ich auf dieses Phänomen und fand keine Antworten. Heute betrachte ich Kirche mit ganz anderem Blick und entdecke verschiedene Spuren unserer Vorfahren“, sagte er.

Die Theorien zu diesen Schmuck elementen reichen von vielfältig bis abenteuerlich. Dr. Bönisch bezog sich da lieber auf klar erkennbare Zusammenhänge. „Interessant ist das Verbreitungsgebiet: In der Niederlausitz, Märkisch-Oderland, der Neumark, dem Barnim und in der Uckermark sind diese Zierelemente in unterschiedlichen Formen vorhanden. Es könnte sogar früher zusammengehörende Kirchengruppen betreffen“, so Dr. Bönisch. Weiterhin tauchen Schachbrettsteine verstärkt in Dänemark auf, besonders in Jütland sowie in Südschweden. Dänemark beherrschte einst die Ostsee, Südschweden war dänisch besetzt und die Dänen zogen entlang der Oder nach Süden. Waren vielleicht die Dänen in Calau? Stehen die Steine im Zusammenhang mit dem Wappen der Askanier? Oder ist es nur eine überliefert simple Tradition der Steinmetze?

„Also für mich klingt das alles so abenteuerlich wie bei Erich von Däniken“, scherzte Ortschronist Christian Lenz und fügte hinzu: „Aber die Fragen sind hochinteressant und lassen viel Platz für Spekulationen.“ aus Jacobsdorf (Briesen) bei Frankfurt (Oder) nach Calau angereist war Reinhard Tiersch. Er kam durch das Schachspielen zu den Schachbrettsteinen. „Ich las davon in einer Schachzeitschrift und wurde neugierig. Seither fasziniert mich das Thema – und nun wollte ich Dr. Bönisch und seine Forschungsergebnisse kennenlernen“, erklärte Reinhard Tiersch. Für Experten und Kunsthistoriker bleiben die Schachbrettsteine ein ungeklärtes Phänomen. Zusammengefasst findet man die bekannten Schachbrettsteine unter www.schachbrettsteine.de.

Für Calau ergeben sich noch mehr Fragen, denn die heutige Stadtkirche gilt als spätgotischer Bau. Dass es eine Vorgängerkirche aus der Romanik gab, darauf deutet auch das alte kleine Portal auf der Nordseite rechts neben der Sakristei. Der Calauer Schachbrettstein wurde an der Ecke dieser Sakristei in Reihe 14 eingebaut. War er vorher woanders? Wann wurde die Sakristei überhaupt (an)gebaut? In der Chronik von Dr. Richard Moderhack ist die Vermutung festgehalten, dass zum Bau der Sakristei Abbruchsteine der Dunkelburg verwendet wurden.