Aufgeregt japst und hechelt der kleine Gismo, während Anke Schäfer mit ihrer Schere das Fell über seinen Augen stutzt. Danach wird der Pony des Yorkshire-Malteser-Mixes gekürzt. Seine Ohren sind derweil mit einem weißen Haargummi nach oben gebunden, damit sie nicht versehentlich in die Schere geraten. Der Rüde hat einen Termin beim Hundefriseur, richtig glücklich wirkt er nicht. "Gismo ist sehr aufgeweckt und ich muss mich Stück für Stück vorwärtsarbeiten", erläutert Schäfer. Doch für die geduldige Fachfrau ist das kein Problem, hat sie doch schon mehrere internationale Preise gewonnen. Am Wochenende lädt sie zur Deutschen Meisterschaft der Hundefriseure nach Ostthüringen.

Der Besuch beim Hundefriseur - englisch Groomer - ist kein Fall nur für Schickimicki-Pudel. Vom Golden Retriever über Schnauzer und Terrier bis hin zum Chihuahua oder Mops ist alles dabei, wie die Vorsitzende des Bundesverbandes der Groomer, Angelika Siebert, aus Bad Salzungen berichtet.

"Ich habe hier einen jungen Mann, der kommt alle sechs Wochen mit seinem Boxer." Mit einem Bad und spezieller Föhntechnik wird bei solchen Rassen abgestorbenen Haaren zu Leibe gerückt, die sonst daheim auf dem Teppich landen. "Der Besitzer hat dann erst einmal einige Wochen Ruhe."

Frisuren beim Hund sind - wie bei Frauchen oder Herrchen auch - Trends unterworfen. Pompons und nackter Hintern beim Pudel sind kaum noch gefragt. "Die Leute wollen es meist kurz und pflegeleicht", erzählt Siebert. Sie nennt das "sportliches Aussehen". Auch Färben ist bei den Vierbeinern nicht tabu. So bekommt mancher Pudel oder Shih-Tzu schon mal ein Strähnchen ans Ohr oder ein pinkfarbenes Herz auf den Oberschenkel. Beliebt seien "kleine Wuschelhunde" mit puppenhaftem Köpfchen und teddyhaften Beinen, berichtet Schäfer. Das ist auch für Gismo vorgesehen, der noch immer aufgeregt auf dem Tisch hin und her scharwenzelt, während Frauchen nebenan eine Zeitschrift liest.

Mit Baden, Föhnen, Felltrimmen oder Schneiden sowie Krallen- und Pfotenpflege dauert der Besuch beim Hundefriseur locker ein bis zwei Stunden. Denn es geht nicht nur um den perfekten Look für den nächsten Gassigang, sondern auch um die Gesundheit des Vierbeiners, betont Schäfer. So werden etwa Milben und Pilze an Ohren und Fell behandelt sowie der Intimbereich gereinigt und freigelegt, damit beim Gassi nichts ins Fell geht. Und wenn das Fell am Auge zu lang wird, entstehen mitunter Tränensteine, die sich auch entzünden können. Um Energiebündel wie Gismo zu beruhigen, greifen die Profi-Hundefriseure schon mal zu Akupressur, Duftölen oder Bachblüten-Tinkturen.

Doch nicht jeder Hundefriseur beherrscht das Handwerk und bildet sich regelmäßig fort. "Viele, die keine richtige Ausbildung haben, scheren die Hunde einfach nur ab", berichtet Siebert. Anders als in manchen anderen Ländern ist Hundefriseur oder Groomer keine geschützte Berufsbezeichnung und letztlich kann jeder einen solchen Salon aufmachen.

Bei Anke Schäfer ist Gismo in qualifizierten Händen. Sie ist Kapitän der Deutschen Nationalmannschaft der Hundefriseure und hat schon etliche Preise eingeheimst.