Ohne Unterschriften kein Partnerschaftsvertrag, ohne Partnerschaftsvertrag keine EU-Fördermittel. Dem Spree-Neiße-Landrat Harald Altekrüger (CDU), Geopark-Vereinsvorsitzenden Manfred Kupetz und Janusz Beger vom polnischen Förderverein war es eine Freude, ihren Namenszug auf die Papiere zu bringen. Döbern-Land-Amtsdirektor Günter Quander (parteilos) hatte sich schon vor seinem Abflug nach Dubai darauf verewigt, auch Jan Bieniasz, der Bürgermeister von Leknitza ist noch gefordert.

In wenigen Tagen soll im polnischen Zielona Gora der Fördermittelbescheid über eine Million Euro - Geld aus dem EU-Topf Interreg 4a - ausgehändigt werden. Dann kann es losgehen, so Uwe Eppinger, der zuständige Fachbereichsleiter des Amtes Döbern-Land. Kartengrundlagen sollen für das Geopark-Gebiet im Länderdreieck Brandenburg-Sachsen-Polen erstellt werden. An allen wichtigen Einflugschneisen wie Autobahnabfahrten, Bundesstraßen oder Oder-Neiße-Radweg sollen Schilder mit dem hufeisenförmigen Logo, die dem Geopark-Verlauf ähneln, auf diesen aufmerksam machen.

"Die Leute sollen wissen, wo sie sich befinden. Das ist jetzt noch nicht der Fall", so Eppinger. Die Standorte im Brandenburgischen stehen bereits fest, die in Sachsen und Polen noch nicht. Eine erste Tourismusinformation entsteht in Jerischke.

Gefördert werden ebenso die Personalkosten für drei Mitarbeiter. Deren Aufgabe wird es sein, vorhandene und neue touristische Angebote zu bündeln, Ansprechpartner für Besucher sein - sprachengewandt und geologisch besattelt.

Schon seit Jahren setzen sich sowohl im Brandenburgischen als auch im Sächsischen Mitstreiter ein, um den Muskauer Faltenbogen für Touristen erlebbar zu machen. Zu Fuß, per Rad oder Kleinbahn. Elf ausgebildete Geoparkführer stehen bereit, um mit Interessierten die geologischen Besonderheiten und landschaftlichen Schönheiten zu erkunden, die die Eiszeit vor Tausenden von Jahren schuf.

Jürgen Siegemund ist einer von ihnen. Auf fünf verschiedenen Routen ist der Gablenzer unterwegs, vergangenes Jahr führte er 17 Wandergruppen: Die Drachenberge im Eiszeitdorf Krauschwitz, das Altbergbaugebiet zwischen Weißwasser und Kromlau, das Neißeland bis zu den Lachbergen bei Pusack, das ehemalige Alaunbergwerk im Muskauer Park und die Grube Babina auf polnischer Seite. Zwei neue Touren tüftelt der Gästeführer gerade aus. Eine soll von der früheren Grube Sophie bei Groß Düben zum Reuthener Schloss führen. Zu den neuen Angeboten gehören Exkursionen unter Leitung von Jürgen Göhler, Tiefbaumeister und Hobby-Geologe sowie Mineraloge. "Die dreistündigen Wanderungen sind physisch etwas anspruchsvoller, weil quer zum Profil der Drachenberge gelaufen wird", kündigte Nancy Sauer vom Vorstand des Geopark-Fördervereins am Sonnabend an. Sie hat sich übrigens auf Wanderungen mit Kita- und Schulgruppen sowie Familien spezialisiert .

Wer den Muskauer Faltenbogen per Zug erkunden will, kann auch das. Zum einen mit der Ziegeleibahn Klein Kölzig und zum anderen mit der Waldeisenbahn Muskau. Letztere erschließt dampfend von Weißwasser aus einen Teil des Geoparkes.

Im Jahr 2011 waren mit der kleinen Bahn rund 43 000 Fahrgäste unterwegs. In diesem Jahr erhofft sich Chef Heiko Lichnok, er gehört zum Vorstand des Fördervereins Muskauer Faltenbogen, eine ähnlich große Resonanz.

Neben dem normalen Saisonfahrplan warten auf internationale Bahnfans mehrere Veranstaltungen. Lichnok verwies auf Foto-Fahrten am Wochenende 28. und 29. April. "Wir erwarten mehr als 60 Fotografen, haben sogar Anmeldungen aus England, die ganz verrückt nach unseren authentischen Zügen aus den 60er- und 70er-Jahren sind." Seit Monaten laufen die Vorbereitungen auf die gemeinsamen Geoparktage am 19. und 20. Mai - künftig immer am Wochenende nach Himmelfahrt - an den Standorten der Waldeisenbahn und Ziegeleibahn. Die Besucher können zwischen Bahnfahrten, Rad-Touren und Wanderangeboten wählen. Eine davon übernimmt der polnische Förderverein zur Grube Babina. Dieses Altbergbaugebiet, auf Polnisch Kopalnia Babina soll in diesem Jahr unter Regie der staatlichen Oberförsterei Lipinki touristisch mit einem etwa vier Kilometer langen Geopfad östlich von Leknitza und kilometerlangen Zugangswegen, Aussichtspunkten und einem Rundweg um das Bergbaugewässer "Afrika" erschlossen werden, berichtete Marek Maciantowicz von der Forst-Regionaldiretion.