Es kommt zum Kampf. Kein Fantasy-Roman, sondern Realität auf „Mythodea“ - einer riesigen Spielwiese mitten im idyllischen niedersächsischen Land. Seit fünf Jahren verwandelt sich hier im Sommer der beschauliche Ort Brokeloh in der Nähe von Hannover in ein Mekka für Rollenspieler. Unter dem Namen "ConQuest of Mythodea" finden sich in diesen Tagen mehr als 5000 Anhänger aus aller Welt zum größten Live-Rollenspiel Deutschlands zusammen.
Vereinfacht gesagt geht es bei "ConQuest of Mythodea" um den Kampf zwischen Gut und Böse. Die Spieler müssen ständig auf der Hut sein. Jeden Augenblick könnte auf dem Fantasiekontinent eine Schlacht losbrechen. Die Idee der Live-Spiele ist aus Rollenspielen entstanden, die bloß auf dem Papier ausgetragen werden.
Filip van Vaterbeeck ist aus Belgien zum "ConQuest" angereist. Er liebt die mittelalterliche Atmosphäre und spielt schon seit fast 15 Jahren Live-Rollenspiele. "Du hast ein Alter Ego und kannst einmal etwas völlig anderes machen", sagt der 36-Jährige, der als der "Ork" Basha Zughal verkleidet ist. Im echten Leben ist van Vaterbeeck Lehrer. Mit den Klischees über einen Spielerkreis voll von "Verrückten" räumt er auf. "Du findest im Prinzip alle Gesellschaftsschichten hier wieder. Es ist eben ein anderes Hobby." Einer seiner "Ork"-Kollegen grinst und wirft ein: "Wir finden Briefmarkensammler komisch."
"Das ist ein sehr interessantes Experiment. Da wird ein komplett neues Gesellschaftsbild geschaffen", findet auch Andreas Voigts, Gemeindesprecher im vier Kilometer von "Mythodea" entfernten Rathaus. Dort stört man sich trotz anfänglicher Berührungsängste wenig an "Untoten", "Orks" oder "Viinshaars".
Ganz im Gegenteil: Viele Ortsansässige nehmen sich sogar extra frei und spielen selbst mit. (dpa/ig)