"Bei einem Absturz ist die Ausgangslage klarer, weil es Passagierlisten gibt", erklärt Professorin Stefanie Ritz-Timme, die das Institut für Rechtsmedizin an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf leitet. Bei dem Fund einer unbekannten Leiche beispielsweise sei die Zuordnung schwieriger.

Ritz-Timme zufolge wird die Identität der Opfer vor allem über den Zahnstatus oder einen DNA-Abgleich festgestellt. "Gerade die Zähne eines Menschen sind durch ihre Stellung oder die ärztliche Behandlung ein hochindividuelles Merkmal", sagt die Rechtsmedizinerin. Auch über Operationsnarben oder eine nummerierte Prothese lasse sich eine Person zuordnen. Für einen DNA-Abgleich werden Zellen des Verstorbenen benötigt, etwa aus einer Haar- oder Zahnbürste. Auch eine DNA-Probe der Eltern kann zum Beispiel das Verwandtschaftsverhältnis klarstellen. Generell reicht eine Übereinstimmung des DNA-Profils beziehungsweise der Zahnstatus aus, um ein Opfer zweifelsfrei zu identifizieren. Dies wird als primäres Identifizierungsmerkmal bezeichnet und entspricht den Richtlinien von Interpol.

Nicht ausreichend sind Indizien wie Tätowierungen, Ausweise, Schmuck oder eine Armbanduhr. "Die kann jemand auch verliehen haben, ist als Kriterium also nicht verlässlich", sagt Ritz-Timme. Dennoch werden natürlich Kleidungsstücke und alle anderen Fundstücke akribisch von den Ermittlern dokumentiert.

Hilfreich sein für eine Identifizierung können auch Röntgenbilder. Unter Umständen werden Opfer vor Ort noch einmal geröntgt, um Vergleiche mit alten Aufnahmen anstellen zu können. Wenn möglich, werden Tote auch obduziert. Dass am Ende der Ermittlungen Zweifel über die Identität eines Opfers bleiben, glaubt Rechtsmedizinerin Ritz-Timme in diesem Fall nicht. "Es ist eher davon auszugehen, dass alle Opfer identifiziert werden."