An jedem letzten Dienstag im Monat von 16.30 bis 18 Uhr können dort Menschen, die Opfer von Straftaten geworden sind, ihre Probleme darlegen.

Klaus Friedrich arbeitete 37 Jahre als Kriminalist im Polizeidienst. "Bei der Polizeiarbeit konzentriert sich alles auf den Täter, denn wir wollen ja die Straftat aufklären. Die Opfer kommen dabei oft zu kurz", weiß er. Doch gerade sie benötigen Hilfe, sind von den Ereignissen oftmals traumatisiert. Diesen Menschen in ihrer schwierigen Situation zu helfen, hat sich der "Weiße Ring" auf die Fahnen geschrieben, der seit 1993 auch in Brandenburg aktiv ist. Über das Opfertelefon können sich Betroffene an den Verein wenden. Doch oftmals sei bereits dies eine Hürde, sagt Klaus Friedrich. Die Erfahrung zeige, dass es Opfern von Straftaten schwerfalle, mit anderen Menschen über die Folgen der Tat zu sprechen. Deshalb sei es Anliegen gewesen, die Möglichkeit für ein individuelles Gespräch in direktem persönlichen Kontakt zu schaffen.

"Wir sind der Luckauer Verwaltung dankbar, dass die Beratung im Rathaus möglich ist", sagt Jürgen Lüth, Landesvorsitzender und Mitglied des Bundesvorstandes des "Weißen Rings". Denn das öffentliche Gebäude biete die erforderliche Anonymität, keiner könne erkennen, welches Ziel ein Besucher habe. "Außerdem können Betroffene zum Gespräch auch jemanden mitbringen", nennt er einen wichtigen Punkt.

Der "Weiße Ring" gibt Opfern Beistand und Betreuung nach der Straftat sowie Hilfestellung im Umgang mit Behörden. Er widmet sich der persönlichen Betreuung, die Mitarbeiter begleiten Betroffene zu Polizei und Gerichten. Wenn nötig, werden die Kosten für einen Rechtsbeistand übernommen, Beratungsschecks für Rechtsanwälte und Therapeuten ausgestellt. "Unsere Hilfe ist an keine Bedingungen gebunden, unentgeltlich und erfolgt sofort. Es ist kein Gerichtsurteil notwendig", betont Jürgen Lüth.

Schwerpunkte der Beratungsarbeit seien Opfer von sexuellem Missbrauch, insbesondere Kinder. Hierzu sei jeder Einzelne gefragt, den Schutz der Kinder in den Vordergrund zu stellen. Opfer häuslicher Gewalt, Misshandlungen und schwerer Körperverletzung kämen am häufigsten mit ihren Problemen zum persönlichen Gespräch.

Zum Thema:

Info zum ThemaDer "Weiße Ring" unterstützt seit 1976 Opfer von Kriminalität und engagiert sich im Bereich Kriminalprävention. Der gemeinnützige Verein arbeitet bundesweit mit anderen Hilfsorganisationen zusammen.Derzeit hat der Weiße Ring rund 54 000 Mitglieder und sucht Freiwillige, die sich dieser Aufgabe widmen. Opfer von Straftaten können sich unter der bundesweiten Telefonnummer 116 006 mit ihrer Bitte um Hilfe an den Verein wenden. www.weisser-ring.de