Die zweifache Turn-Olympiasiegerin Karin Büttner-Janz zieht gegen ihre Entlassung als Ärztin vor Gericht. Die Professorin habe gegen ihre Kündigung Klage beim Berliner Arbeitsgericht eingereicht, teilte die Anwaltskanzlei Bergmann Schertz am Mittwoch für ihre Mandantin mit. Eine gleichgeschlechtliche Beziehung von Büttner-Janz könne kein Kündigungsgrund sein, hieß es in der Mitteilung. Die sexuelle Identität eines Menschen sei über das Gleichbehandlungsgesetz geschützt. Der Berliner Klinikkonzern Vivantes widersprach dieser Darstellung.

Die prominente Ostdeutsche hatte vom Berliner Klinikkonzern Vivantes nach mehr als 20 Jahren mit der Kündigung auch Hausverbot bekommen. Kliniksprecherin Kristina Tschenett sagte, eine Beziehung von Büttner-Janz sei nicht der Anlass für die Kündigung gewesen, "erst recht nicht eine gleichgeschlechtliche". Kündigungsgrund sei eine Mail der Ärztin an den Aufsichtsrat gewesen, deren Inhalt nach Auffassung der Klinikleitung den Tatbestand der Verleumdung und üblen Nachrede erfülle.

Die 60-Jährige, weltweit anerkannte Orthopädin, die ein Patent für eine künstliche Bandscheibe hat, leitete die beiden orthopädischen Vivantes-Kliniken in Friedrichshain und am Urban in Kreuzberg. Bei den Olympischen Spielen in München 1972 holte die DDR-Turnerin Gold am Stufenbarren und beim Pferdsprung. Sie erkämpfte 17-mal Edelmetall bei Olympia, Welt- und Europameisterschaften und ist damit die erfolgreichste deutsche Turnerin.

Wie die Anwaltskanzlei mitteilte, hatte die Chefärztin seit April 2011 eine gleichgeschlechtliche Beziehung zu einer Vivantes-Mitarbeiterin aus der Führungsebene. Mitte März dieses Jahres sei Büttner-Janz von der Vivantes-Geschäftsführung mitgeteilt worden, dass sie wegen ihrer Beziehung nicht mehr als Chefärztin für Vivantes tätig sein könne. Ihr sei nahe gelegt worden, das Arbeitsverhältnis einvernehmlich zu beenden. Auch eine Abfindungsregelung sei angeboten worden.

Die frühere Spitzenturnerin habe in der gleichgeschlechtlichen Beziehung keine Pflichtverletzung ihres Arbeitsverhältnisses feststellen können und deshalb in einem Schreiben Ende März an den Vivantes-Aufsichtsrat um Unterstützung gebeten, ihren Arbeitsplatz zu erhalten. Am 3. April habe sie dann die fristlose Kündigung durch den Konzern bekommen.

Zudem ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Büttner-Janz sowie weitere Beschuldigte wegen des Verdachts auf Abrechnungsbetrug. Büttner-Janz sei von einem Ermittlungsverfahren nichts bekannt, teilte das Anwaltsbüro am Mittwoch mit.